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Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) gerät weiter in die Kritik.
© Tobias Hase/dpa

Wusste Lambrecht von protzigen Insta-Fotos des Sohnes?: Das Maß an Instinktlosigkeit müsste auch Gutwillige verstören

Das Verhalten der Ministerin passt nicht zur politischen Lage. Falls sie wusste, dass der Sohn mit ihren Privilegien protzt, wird es noch enger. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Jost Müller-Neuhof

Die Nutzung der Flugbereitschaft durch politisches Personal ist seit Jahren eine skandalträchtige Angelegenheit. Als neuer Stolperstrick sind zudem Urlaube zu ungünstigen Zeitpunkten hinzugekommen, wie der Rücktritt Anne Spiegels (Grüne) als Familienministerin erwies.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) ist es nun gelungen, beide Affärenfallen miteinander so zu verbinden, dass es für die Koalition zur Belastung werden könnte. Das muss man erstmal schaffen.

Wie es aussieht, hat sich die fürs Militär zuständige Ministerin über die Ostertage auf die Nordseeinsel Sylt zurückgezogen, was ihr zu gönnen ist, jedoch angesichts der Lage in der Ukraine und der Waffendiskussionen in Deutschland nicht so wirkte, als sei sie auf dem Posten.

Nun wurde bekannt, dass sie sich auf dem Weg zu einem Truppenbesuch in Sylt-Nähe unmittelbar vorher von ihrem erwachsenen Sohn begleiten ließ. Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums und einer ihrer drei Hubschrauber vom Typ Cougar AS-532 machten es möglich.

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Das ist mindestens unglücklich. Zwar erlauben die einschlägigen Richtlinien, dass die so genannten Anforderungsberechtigten aus dem politischen Raum – neben Kanzler, Präsident und Minister auch die Fraktionsvorsitzenden des Bundestags – ihre Begleitung selbst bestimmen und, wenn es privat veranlasst ist, dafür auch Kosten tragen.

Die Flugbereitschaft stellt keine Ferienflieger

Davon sollte aber, wie sich aus dem Zweck dieses staatlichen Service und aus Respekt vor jenen ergibt, die ihn bezahlen, zurückhaltend Gebrauch gemacht werden. Die Flugbereitschaft des Bundes stellt schließlich keine Ferienflieger.

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Lambrecht hat für diese Zusammenhänge offenbar schon in der Vergangenheit eher wenig Gespür bewiesen. So soll ihr Sohn schon in ihrer Zeit als Justizministerin mehrfach mitgereist sein. Spätestens im neuen Amt hätte damit Schluss sein müssen.

Die Flugbereitschaft gehört zum Verteidigungsministerium. Wenn der Boss hier nicht mit gutem Beispiel vorangeht, wer sollte es sonst tun? Besonders unglücklich wirken darüber hinaus die Fotos von den Flügen, auf denen der Junior im sozialen Netzwerk Instagram posiert. Es drängt sich die Frage auf, wer die Schnappschüsse gemacht hat. Womöglich die Mutter?

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Falls es so war und die Ministerin zudem wusste, dass der Sohn öffentlich mit ihren Privilegien protzt, wird es noch enger. Denn damit wäre ein Maß an Instinktlosigkeit erreicht, das auch Gutwillige verstören muss. Der Instagram-Account von Lambrechts Sohn ist mittlerweile nicht mehr erreichbar.

Lambrecht wird in der Boulevardpresse als Stöckelschuh-Ministerin schwer aufs Korn genommen, was einen für sie einnehmen muss; nur weil sie Verteidigungsministerin ist, muss sie keine Knobelbecher tragen.

In ihrer kurzen Zeit im Amt ist sie aber vor allem mit einer Reihe von Fehlern und Konflikten im eigenen Haus hervorgetreten, auf die sich nun die Familienflüge summieren. Der Satz, wonach doch alles rechtens gewesen sei, verträgt sich nicht mit dieser politischen Lage. Die Chefin sollte lieber klar sagen, dass ihr Sohn seine Reisen künftig selbst organisiert. Alt genug ist er dafür.

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