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Alte Freundschaft. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und der ungarische Regierungschef Viktor Orban bei einem Treffen 2006.

© Peter Endig/dpa

Der Rekordkanzler empfängt heute den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Das ist mehr als ein Besuch unter Freunden. Ein Kommentar.

Heute ist der Tag, an dem Viktor Orban seinen Freund Helmut Kohl trifft. In dessen Haus in Oggersheim. Wo nicht jeder zu Gast sein darf. Eine Auszeichnung ist das also für den ungarischen Ministerpräsidenten - und ein Signal des Ehrenbürgers von Europa. Das ist Kohl nämlich, als einer von bisher nur zwei.

Tagesspiegel-Chefredakteur Stefan-Andreas Casdorff
Tagesspiegel-Chefredakteur Stefan-Andreas Casdorff

© Mike Wolff/TSP

Dieser Besuch ist zugleich ein Fanal, gerichtet an alle Kritiker der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Der Rekordkanzler macht sich mit ihnen gemein. Die Orbans im Äußeren und die Seehofers im Inneren werden sich bestärkt sehen. Und die Kanzlerin entsprechend unter Druck halten. Heute ist der Tag, an dem Kohl noch einmal Politik macht.

Mit seinem Auftritt bei Orban macht sich der Kanzler der Einheit zum Kanzler der Einfalt, eine schon fast tragische Selbstdemontage des 'Elder Statesman'. Seine Egozentrik hat ihn damals das Amt gekostet, jetzt hindert sie ihn an der Wahrnehmung, dass er eine Art Willy Loman der Politik geworden ist.

schreibt NutzerIn BoehmischeDoerfermann

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