Deutsche Rechtsextremisten auf Lesbos : Krawalltouristen wollen mitmischen

Die flüchtlingsfeindlichen Ausschreitungen auf Lesbos ziehen auch deutsche Rechte an. Ein NPD-Mann war bereits in eine Auseinandersetzung verwickelt.

Griechische Bereitschaftspolizisten stehen inmitten von Tränengaswolken in der Nähe des türkischen Grenzübergangs.
Griechische Bereitschaftspolizisten stehen inmitten von Tränengaswolken in der Nähe des türkischen Grenzübergangs.Foto: REUTERS/Florion Goga

Deutsche und andere europäische Rechtsextremisten wollen offenbar bei den Ausschreitungen gegen Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos mitmischen. Zwei Aktivisten der rassistischen Vereinigung „Die Identitären“ und ein Mitglied  der NPD sowie etwa 15 weitere Rechte aus Europa und auch den USA befinden sich nach Informationen des Tagesspiegels sowie nach Berichten von Journalisten und des grünen Europa-Parlamentariers Erik Marquardt auf der Insel. Weitere Rechtsextremisten sollen angeblich folgen.

Die Aktivisten der Identitären aus Sachsen-Anhalt und der NPD-Mann aus Baden-Württemberg waren bereits in Auseinandersetzungen verwickelt. Ein Identitärer und der NPD-Mann posteten im Internet ein Foto, auf dem dieser mit Kopfverband und Blutspuren im Gesicht zu sehen ist.

Angeblich kommen auch 100 Rechte aus Frankreich

In dem Posting schreiben die beiden Rechtsextremisten, es seien „Antifa-Ratten“ auf den Inseln. Die griechischen „Kameraden“ werden aufgerufen, herzukommen und sich die Linken zu schnappen.

Der deutsche Fotoreporter Roman Kutzowitz sagte dem Tagesspiegel, in einer Chatgruppe französischer Rechtsextremisten werde behauptet, diesen Sonnabend würden 30 Rechtsextremisten aus Athen auf Lesbos ankommen. In den kommenden Wochen wollten zudem etwa 100 Rechtsextremisten aus Frankreich anreisen.

[Verfolgen Sie hier die Lage an der griechisch-türkischen Grenze in unserem Newsblog]

Grünen-Politiker beklagt mangelnde Härte des Rechtsstaats

Rechte griechische Schlägertrupps und wütende Einwohner haben in den vergangenen Tagen auf Lesbos mehrfach Journalisten sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen attackiert, die sich um die Flüchtlinge in den überfüllten Lagern kümmern. Erik Marquardt sagte am Freitag dem Tagesspiegel, ihm sei gedroht worden, „man werde mich so tief begraben, dass selbst meine Mutter mich nicht mehr findet“. Der Grünen-Politiker aus Berlin ist für das Europaparlament als Beobachter auf Lesbos.

Nach dem Vorfall habe die Polizei nicht die Angreifer, sondern ihn und seine Begleiter mitgenommen auf die Wache. Die Beamten hätten sie angeschrien, sie sollten sich von den Stränden fernhalten. Dort kommen laufend Flüchtlinge an, die von der Türkei aus in Booten übersetzen. Marquardt ist seit zwei Wochen aus der Insel. Er beklagte, der Rechtsstaat schreite gegen die Rechtsextremisten nicht mit der notwendigen Härte ein.

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