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Deutsche Soldaten sollen Pufferzone sichern : Syrische Opposition wünscht sich Bundeswehr-Einsatz

Während in Syrien proiranische Kämpfer nach Luftangriffen sterben, droht die Türkei den Kurden mit Invasion – internationale Truppen sollen das verhindern.

Türkischer und amerikanischer Soldat wachen an der Grenze zur syrischen Kurdenregion.
Türkischer und amerikanischer Soldat wachen an der Grenze zur syrischen Kurdenregion.REUTERS/Rodi Said

In Syrien sind am frühen Montag 18 proiranische Kämpfer bei einem Luftschlag getötet worden. Das melden Oppositionsstellen. Sie gehen davon aus, dass Israels Armee den Angriff nahe Deir al-Zor in Ostsyrien geflogen ist. In den vergangenen Jahren hatte Israels Luftwaffe mehrfach die in Syrien stationierten Revolutionsgarden Irans und die libanesische Hisbollah bombardiert. Beide Organisationen unterstützen Syriens Machthaber Baschar al Assad.

Die israelischen Streitkräfte meldeten, dass am Montag Raketen aus Syrien abgefeuert wurden, die ihr Ziel jedoch verfehlten. Israel machte „schiitische Milizen“ unter iranischem Kommando dafür verantwortlich. Zugleich drohte die türkische Armee, die in Syrien sunnitisch-islamistische Kämpfer unterstützt, mit einer Invasion im Nachbarland.

Könnte die Bundeswehr die Türkei von einem Einmarsch abhalten?

Syriens derzeit wichtigster Oppositionsführer plädiert deswegen für einen Einsatz der Bundeswehr an der syrischen-türkischen Grenze. So soll Ankaras Regierung vom angekündigten Angriff auf die von Syriens Kurden kontrollierte Autonomieregion abgehalten werden. „Wenn deutsche Truppen in der Pufferzone patrouillieren, hätte das sicher einen positiven Effekt“, sagte Riyad Dirar dem Tagesspiegel. „Und sie könnten uns im Anti-IS-Kampf unterstützen.“ Dirar ist Vorsitzender des Demokratischen Syrien-Rats, dem politischen Arm der kurdisch-arabischen Militärallianz SDF, der eine Autonomiezone in Nordsyrien und damit ein Drittel des Landes kontrolliert.

Riyad Dirar, Vorsitzender des Demokratischen Syrien-Rats
Riyad Dirar, Vorsitzender des Demokratischen Syrien-RatsFoto: Hannes Heine

Ankaras Regierung will die säkulären Kurden aus der Autonomiezone vertreiben, weil sie die Hoffnungen von Millionen in der Türkei lebender Kurden anheizen könnten. Die Türkei hatte 2018 schon die Kurdenregion Afrin besetzen und dort Islamisten aus Zentralsyrien ansiedeln lassen.

Dänische Truppen sind schon in Nordsyrien

Die SDF wird allerdings bisher von den USA im Anti-IS-Kampf unterstützt. Ankaras Regierung hat von den USA erfolgreich verlangt, die Kurden aus ihren Stellungen an der syrisch-türkischen Grenze zu drängen. Dort entlang wird eine Pufferzone eingerichtet, in der türkische und amerikanische Truppen gemeinsam Patrouillen fahren. Am Montag waren erstmals bilaterale Konvois unterwegs.

Washington hat bereits Dänemarks Regierung überzeugt, ebenfalls Truppen nach Nordsyrien zu entsenden. „Auch das begrüßen wir“, sagte der Vorsitzende des Demokratischen Syrien-Rats, Riyad Dirar. „Die internationale Gemeinschaft soll schauen, was vor Ort passiert.“ Dem Demokratischen Syrien-Rat gehört auch die große Kurdenpartei PYD an, die politisch der mit der türkischen Regierung verfeindeten PKK nahesteht.

Die Bundesregierung unterhält deshalb – anders als die USA, Frankreich und Belgien – keine offiziellen Beziehungen zum Demokratischen Syrien-Rat. Der Rat hatte in Berlin zu einer Tagung geladen, an der Oppositionelle aus ganz Syrien teilnahmen. Der Vorsitzende Dirar ist kein Kurde, sondern arabischer Syrer aus Deir al-Zor. Er lebt derzeit im Exil und bemüht sich darum, Syrien als föderalen, demokratischen Staat wieder aufzubauen. Die Assad-Regierung hat Verhandlungen darüber abgebrochen.

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