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Möglich, aber bisher nicht für alle empfohlen: Seit heute können sich auch Jugendliche ab 12 gegen Corona impfen lassen.
© Robert Michael/dpa

Ärzte warnen vor Impf-Ansturm: Die Priorisierung fällt – was jetzt wo gilt

Nächste Woche fällt die die Priorisierung. In ganz Deutschland? Nein. Es gibt drei Sonderfälle.

Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bereiten sich auf eine überwältigende Nachfrage nach Corona-Impfungen vor, sobald am Montag die Priorisierung aufgehoben wird. Er rechne mit einem "Ansturm auf die Praxen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. "Bitte haben Sie Geduld und bedrängen Sie nicht die Ärzte und Ärztinnen und deren Teams, die medizinischen Fachangestellten", appellierte der Ärztefunktionär an die Menschen.

"Alle werden geimpft werden - und das so schnell wie möglich. Aber nicht alle auf einmal", betonte Gassen. Obwohl die Mengen an verfügbarem Impfstoff kontinuierlich zunähmen, seien die Vakzine immer noch zu knapp.

Auch Dirk Heinrich, der Bundesvorsitzender des Virchowbundes, in dem die niedergelassenen Ärzte organisiert sind, sagte der Zeitung, es gebe weiterhin zu wenig Impfstoff. "Daher müssen wir unsere Patienten um Geduld bitten." Immerhin gehe es jetzt nur noch um Wochen, nicht um Monate, bis alle Impfwilligen ein Angebot bekämen.

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Kassenärzte-Chef Gassen kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Politik den Anschein erweckt habe, "dass auch Kindern und Jugendlichen bereits ab kommendem Montag die Möglichkeit eines Impfangebots unterbreitet werden könne, obwohl es seitens der Ständigen Impfkommission keine generelle Impfempfehlung dazu gibt".

Doch auch wenn die Priorisierung in den Arztpraxen wegfällt – einige Bundesländer halten in ihren Impfzentren am Vorrang für Risikogruppen fest. Den Ländern ist es dem Bund-Länder-Beschluss zufolge „unbenommen, die Priorisierung im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten“.

Die feste Reihenfolge war mit Beginn der Corona-Impfungen eingeführt worden, um wegen des noch knappen Impfstoffes einen Vorrang für besonders gefährdete Menschen zu sichern. Dazu gehörten in drei Gruppen Menschen ab 80 Jahre, dann ab 70 und ab 60 Jahre sowie mit chronischen Erkrankungen und in bestimmten wichtigen Berufen. Auch wenn sich in Arztpraxen ab Montag jeder um Termine bemühen kann, sollen diese dann erst über den Sommer hinweg eingetaktet werden.

Wo gilt jetzt in Deutschland noch welche Impf-Priorisierung:

In Berlin können sich ab Montag alle Bürgerinnen und Bürger um einen Impftermin bemühen. Die ursprünglich feste Reihenfolge nach Risikogruppen wird aufgehoben. Das heißt aber nicht, dass alle sofort geimpft werden können, denn: In ganz Deutschland mangelt es noch immer an Impfstoff.

Die Corona-Schutzimpfung wird weiter in den Impfzentren verabreicht, in Hausarztpraxen sowie beim Stadtteil-Impfen. Ab Montag wird auch in Betrieben geimpft und bei niedergelassenen Privatärztinnen und -ärzten, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte.

[Lesen Sie jetzt auch „Die wichtigsten Fragen und Antworten: Aufhebung der Impfpriorisierung in Berlin – was muss ich wissen?“ (T+)]

In Hamburg bleibt die Priorisierung im zentralen Impfzentrum weiterhin bestehen. Hintergrund ist laut Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), dass es noch viele Vorerkrankte gibt, die keine Impfung bekommen haben.

In Schleswig-Holstein erklärte das Gesundheitsministerium, in die Entscheidung über ein Ende der Priorisierung in den Impfzentren werde einfließen, wie schnell bisher priorisierte Berechtigte ein Angebot erhalten können - und wie viel Impfstoff wann nachkommt.

Blick auf die Impfstraße vom Impfzentrum Nordthüringen in der Obereichsfeldhalle.
Blick auf die Impfstraße vom Impfzentrum Nordthüringen in der Obereichsfeldhalle.
© Swen Pförtner/dpa

In Bayerns Impfzentren zieht das Online-Registrierungssystem weiterhin Bürger aus Risikogruppen vor, wie das Gesundheitsministerium erklärte.

Im Saarland erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums zu den Impfzentren, das Land halte sich natürlich an die Impfverordnung und öffne am Montag für alle. „Aber wenn sich da noch jemand entscheidet, der eigentlich noch priorisiert gewesen wäre, dann fällt er nicht hinten herunter, sondern wird von uns noch priorisiert behandelt.“

Impfzentren in Bremen ausgebucht

In der Stadt Bremen sind die Impfzentren für die nächsten Wochen ausgebucht mit Terminen für Personen aus den priorisierten Gruppen, wie es hieß. Aktuell gebe es keinen weiteren Impfstoff, um außerhalb der Priorisierung zu impfen. Ab Samstag können sich aber alle Bremer in eine Liste eintragen, die im Anschluss an die Prio-Gruppen bedacht wird.

Hessen empfahl allen Bürgern der drei Priorisierungsgruppen, sich schnellstmöglich zu melden. Nur wer sich bis einschließlich Sonntag in einem Impfzentren registriert habe, könne mit einer bevorzugten Vergabe der Termine rechnen, teilte das Innenministerium mit.

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In Niedersachsen erklärte das Gesundheitsministerium, alle Menschen der Prioritätsgruppen 1 bis 3, die schon auf einer Warteliste stehen, hätten ihren Platz weiterhin sicher. Die Impfung der priorisierten Gruppen werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

In Baden-Württemberg hieß es, da die meisten älteren Bürger geimpft seien, könne man die Priorisierung guten Gewissens überall aufheben. Das solle auch sicherstellen, das Impftempo aufrecht zu erhalten.

Impfstoff in NRW weiter knapp

In Nordrhein-Westfalen endet die Priorisierung auch in den Impfzentren. Impfstoff ist aber so knapp, dass dort laut Gesundheitsministerium mindestens bis Mitte Juni nur Zweitimpfungen möglich sind.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass nur wenige Länder die ethische Priorisierung in den Zentren aufrecht erhalten. „Auf die niedergelassenen Ärzte kann niemand verzichten“, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Doch es gibt Millionen Menschen, die keinen festen Hausarzt haben.“ (Tsp/dpa/AFP)

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