Digital-Agenda von Dorothee Bär : "Nicht nur etwas für Nerds"

Programmieren so wichtig wie Lesen, Schreiben und Rechnen? Experten wie Gesche Joost und Ranga Yogeshwar stimmen Dorothee Bär zu.

Berliner Grundschüler und -schülerinnen lernen mit dem Kindercomputer Calliope Programmieren.
Kinderleicht. Berliner Grundschülerinnen lernen mit dem Kindercomputer Calliope Programmieren.Foto: imago/Thomas Lebie

Die These der künftigen Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, Programmieren sei „so wichtig wie Lesen und Schreiben“ kommt gut an – jedenfalls bei Vorkämpfern wie Gesche Joost und Ranga Yogeshwar. „Prima, dass Bär das so beherzt vorträgt“, sagt Joost, Designprofessorin an der Berliner Universität der Künste und Internetbotschafterin der Bundesregierung für die Europäische Kommission.

Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist und 2014 Initiator der Initiative „Jeder kann programmieren – start coding“, freut sich, dass „die Frage der Gestaltungskompetenz in der Zukunft“ im Kanzleramt angekommen ist. Beide betonen, dass Eltern, Lehrkräften, aber auch den Schülerinnen und Schülern Ängste und Vorurteile gegenüber dem Programmieren genommen werden müssten.

Bitte keinen Zwang: Programmieren soll Spaß machen

„Wir müssen die kulturelle Hürde abbauen, das sei nur etwas für Nerds“, sagt Joost. Yogeshwar berichtet begeistert von großen Coding-Events wie der Ideen-Expo in Hannover, wo Hundertausende einfach ausprobieren können, wie leicht einfache Programmiersprachen zu erlernen sind. Auch in den Fab Labs, die jetzt vielerorts zum Ausprobieren neuer Technologien entstehen, merkten sie dann: „Hey, das können wir auch bei uns in der Schule machen.“ Yogeshwar warnt davor, Zwang auf Lehrkräfte oder Schüler auszuüben, sie müssten das Programmieren vermitteln und lernen.

„Wenn man den Menschen zeigt, was man machen kann, kommt die Energie von alleine.“ Deshalb sei er auch „gegen ein neues Fach Coding“. Vielmehr brauche es eine „digitale Kultur in allen Fächern“. Yogeshwar selber entdeckt gerade die digitalen Geisteswissenschaften, bildet Textwolken aus Dramen wie Goethes „Faust“, in denen er nach dem Beziehungsgeflecht der Figuren fahndet. Diese „moderne Magie“ müsste doch auch jeden Deutschlehrer begeistern, meint Yogeshwar.

Eine halbe Stunde für die Alarmanlage im Kinderzimmer

Skeptikern vor allem unter den Erwachsenen empfiehlt Gesche Joost Coding Camps für Anfänger. Dabei gehe es um die ersten Grundlagen des Programmierens „im Sinne einer wenn-dann-Logik: Wenn ich Taste A drücke, blinkt das Licht“. Joost ist durchaus für flächendeckenden Unterricht in der Schule. In 100 Berliner Grundschulen hat sie den Kindercomputer Calliope eingeführt, eine handtellergroße Platine, die Kinder ab acht spielerisch programmieren. „Wer es innerhalb einer halben Stunde schafft, eine Alarmanlage fürs Kinderzimmer zu programmieren, wird Lust haben, mehr zu lernen.“

Eine Analyse von Sonja Álvarez zu Dorothee Bärs Agenda als Staatsministerin für Digitales lesen Sie hier.

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