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„Du bist ok, genauso wie Du bist“ : Spahn plant Werbeverbot für Schönheits-OPs bei Jugendlichen

Gesundheitsminister Jens Spahn will Werbung für Schönheits-OPs verbieten, die sich gezielt an Jugendliche richtet. Der SPD geht das nicht weit genug.

Vorbereitung für eine Operation: Ein Arzt zeichnet Markierungen auf das Gesicht einer jungen Frau.
Vorbereitung für eine Operation: Ein Arzt zeichnet Markierungen auf das Gesicht einer jungen Frau.Foto: iStock/Mikhail Malyugin

Gesundheitsminister Jens Spahn will jede an Jugendliche adressierte Werbung für Schönheitsoperationen per Gesetz verbieten. Das sei „praktizierter Jugendschutz“, begründete der CDU-Politiker sein Vorhaben im Tagesspiegel. „Das Signal unserer Gesellschaft an junge Menschen muss sein: Du bist ok, genauso wie Du bist.“ Werbung für Schönheits-OPs vermittle „zu oft eine andere, falsche Botschaft“. Darin würden Jugendliche „unter Druck gesetzt, ihr Aussehen durch operative Eingriffe zu verändern“.

Das Werbeverbot soll als Änderungsantrag dem geplanten Masernschutzgesetz beigefügt werden, das bereits am kommenden Freitag vom Bundestag in erster Lesung behandelt wird. Und es soll eine Gesetzeslücke schließen. Bisher nämlich ist Werbung für Schönheits-Ops in Deutschland nur verboten, wenn sie sich „ausschließlich oder überwiegend“ an Kinder unter 14 Kinder richtet. Oder ganz generell, wenn sie vergleichende Darstellungen des Aussehens vor und nach solchen Eingriffen zeigt.

Jeder operative Eingriff berge Gefahren für die Gesundheit, heißt es in Spahns Änderungsantrag, der dem Tagesspiegel vorliegt. „Gerade die Altersgruppe der Jugendlichen, die sehr empfänglich für Themen wie Schönheitsideal und Aussehen sind“, solle daher vor entsprechender Werbung geschützt werden. Das Verbot gelte, so wird in dem Entwurf betont, „für jegliche Werbemaßnahmen, also auch Werbung in sozialen Netzwerken“.

Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie begrüßte das geplante Werbeverbot "zu 100 Prozent". Jugendliche seien „kein Klientel, das wir ansprechen wollen“, sagte Verbandspräsident Torsten Kantelhardt dem Tagesspiegel.

„Minderjährige, die sich Brüste vergrößern oder Lippen aufspritzen lassen wollen, haben in unseren Praxen nichts verloren.“ Solche medizinisch nicht notwendigen Eingriffe seien bei Kindern und Jugendlichen "unbedingt zu vermeiden". Und man sehe es "kritisch, dass durch Werbung - insbesondere auf sozialen Medien - hier Begehrlichkeiten bei Nicht-Volljährigen geweckt werden".

Lauterbach hätte gerne komplettes Verbot solcher OPs bei Jugendlichen

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte Spahns Vorstoß „absolut sinnvoll“. Er geht ihm allerdings nicht weit genug. Lauterbach fordert seit Jahren ein generelles Verbot von Schönheits-Operationen bei Jugendlichen, sofern diese nicht medizinisch notwendig sind.

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Das würde dann beispielsweise bedeuten, dass abstehende Ohren bei Heranwachsenden nur noch korrigiert werden dürften, um Hörminderungen oder schwere psychische Probleme zu beseitigen. Die Fachgesellschaften warnen hier allerdings vor Abgrenzungsproblemen. Die Frage, ob Eingriffe medizinisch notwendig seien, lasse sich nicht immer zweifelsfrei beantworten.

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