„Eine Station als Reserve“ : Wie viele Intensivbetten derzeit zur Verfügung stehen

Am Donnerstag wurden 1707 Neuinfektionen gemeldet. Die Infizierten werden immer jünger. Steigt mit den Infektionen auch die Krankenhausauslastung?

Ein leeres Bett steht in der Intensivstation des Prosper Hospitals in Nordrhein-Westfalen.
Ein leeres Bett steht in der Intensivstation des Prosper Hospitals in Nordrhein-Westfalen.Foto: Jonas Güttler/dpa

Fast täglich wird der traurige Rekord erneut geknackt: "Höchster Wert an Corona-Neuinfektionen seit ..." heißt es dann. Am Donnerstag übermittelten die Gesundheitsämter insgesamt 1707 neue Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI). Eine höhere Zahl wurde zuletzt am 24. April gemeldet: 1937 Neuinfektionen. Davor hatte sich die Zahl seit dem 02. April, an dem 6.806 neue Fälle registriert wurden, nahezu stetig verringert. Der Höhepunkt der ersten Welle war der 6. April, an dem Tag ging das RKI von 72.881 aktiven Fällen aus. Am 16. Juni waren es nur noch 6.408, mittlerweile sind es wieder 14.900.

Auch die 7-Tage-Inzidenz, die für neue Maßnahmen ausschlaggebend ist, steigt. Hierbei wird die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner der letzten sieben Tage gemittelt. Eine Häufung von mehr als 35 Fällen gilt einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zufolge als kritisch, spätestens bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, soll ein regionaler Lockdown in Betracht gezogen werden.

Der Tagesspiegel berichtet derzeit von 10,3 Fällen pro 100.000 Einwohnern in Deutschland. Besonders betroffen sind einige Landkreise in Bayern und Nordrhein-Westfahlen. In Dingolfing-Landau etwa gibt es derzeit 49,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern.

Die Infizierten werden immer jünger

Deutet der Anstieg auch auf eine zunehmende Auslastung der Krankenhäuser hin? Im März und April wurde viel über “flatten the curve” – also die Kurve flach halten – gesprochen. Krankenhäuser sollten in keinem Fall in die Lage kommen, über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus beansprucht zu werden.

Mittlerweile sind die Infizierten im Durchschnitt viel jünger. War ein Infizierter im April im Schnitt noch 52 Jahre alt, ist er heute nur mehr 32 Jahre alt, teilt das RKI mit. "Bei jüngeren Menschen, unter 50 und ohne Vorerkrankungen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie mit einer Coronvirus-Infektion auf der Intensivstation landen", sagt Stefan Kluge vom der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Hamburg.

Die Hospitalisierungsrate habe im April bei 20 Prozent gelegen, jetzt liegt sie bei sechs Prozent. Das sinkende Alter der Infizierten führe dazu, dass weniger Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen liegen. Derzeit seien in Deutschland 228 Intensivbetten von Coronavirus-Patienten belegt. "Allerdings werden die Patienten auch in der Regel erst nach zehn Tagen auf der Intensivstation behandelt, deshalb hinkt die Statistik hinterher", sagt Kluge.

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Bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) ist nachzulesen, wie es um die Auslastung der Intensivbetten in den einzelnen Krankenhäusern bestellt ist. Von 30.587 gemeldeten Intensivbetten sind derzeit 71 Prozent belegt. 79 von 1.224 Standorten haben keine Kapazitäten mehr. In Berlin sind 84 Prozent der Intensivbetten belegt, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 76 Prozent.

Hier könnten die Intensivbetten in Deutschland knapp werden

Schleswig-Holstein ist am wenigsten ausgelastet, dort sind 39 Prozent der Betten frei. Gerade Mal ein Prozent der Intensivbetten wird durch Coronavirus-Patienten ausgelastet. Auch die Universitätskliniken in Köln und München haben bisher keinen signifikanten Anstieg von Coronavirus-Patienten im Vergleich zu den Vormonaten vermeldet.

"Es gab insgesamt nur sehr wenige schwere Verläufe bei jüngeren Patienten am LMU Klinikum. Von den bisher 80 Covid-19 Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigten, waren zwölf jünger als 50 Jahre, keiner jünger als 40. Von den zwölf ist ein Patient verstorben, dieser hatte mehrere schwere Vorerkrankungen", teilt eine Pressesprecherin der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit.

Stefan Kluge vom UKE macht darauf aufmerksam, dass die Statistik über die verfügbaren Intensivbetten nicht im Detail der Realität entsprechen würde. "Auch vor Corona hatten wir in Deutschland das Problem, dass Pflegepersonal fehlt." Eine Reserve-Intensivstation für einen neuen Anstieg stehe im UKE bereit, "wenn es einen erneuten Ausbruch mit vielen Intensivpatienten gibt, sind wir bereit, dann schließen wir andere Stationen wieder. Das haben wir ja alles schon vor der ersten Welle durchgespielt", sagt Kluge. Derzeit seien die Betten jedoch vor allem mit Patienten belegt, die während der vergangenen Monate Operationen verschieben mussten. "Das UKE ist im Moment auch ohne Covid-Patienten gut ausgelastet."

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