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Ende einer tagelangen Irrfahrt : Malta holt die 65 Migranten von Bord der „Alan Kurdi“

Die Suche nach einem sicheren Hafen hat ein Ende: Malta lässt die Geretteten des deutschen Rettungsschiffs an Land gehen. Auch Deutschland nimmt Migranten auf.

Ein Besatzungsmitglied des Seenotrettungsschiffes „Alan Kurdi“ Ende Juni auf dem Mittelmeer.
Ein Besatzungsmitglied des Seenotrettungsschiffes „Alan Kurdi“ Ende Juni auf dem Mittelmeer.Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

Die Odyssee des deutschen Rettungsschiffs „Alan Kurdi“ mit 65 Flüchtlingen an Bord ist beendet: Ein Boot der maltesischen Marine nahm die Menschen am Sonntagabend an Bord und brachte sie an Land, von wo aus sie direkt auf andere Staaten verteilt werden sollen. Diesen Plan hatten die Behörden Maltas am Sonntag nach Gesprächen mit der EU-Kommission und Deutschland bekanntgegeben. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte an, 15 bis 20 der Geflüchteten von der „Alan Kurdi“ und bis zu 20 weitere in Deutschland aufzunehmen.

„Wir sind freudig überrascht“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler am Nachmittag in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur, nachdem die Entscheidung der maltesischen Regierung bekannt geworden war. Die Besatzung habe die erlösende Nachricht erst über Anrufe von Journalisten erhalten.

Die Behörden Maltas hätten die Schiffsführung nur angewiesen, nach Gozo, der Nachbarinsel Maltas, zu fahren. „Das ist 50 Seemeilen entfernt und dauert etwa sieben Stunden“, sagte Isler. Dort würden die Menschen vermutlich auf See vom maltesischen Militär übernommen und an Land gebracht.

Die maltesischen Behörden teilten weiter mit, außerdem sei eine Vereinbarung erzielt worden, dass EU-Länder die Hälfte von 58 Migranten aufnehmen werden, die von der maltesischen Marine aus dem Mittelmeer gerettet worden seien.

Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte, dass Malta den insgesamt 123 Migranten erlaubt hat, an Land zu gehen. „Auf Bitten von Malta sollen hiervon 94 Personen in andere Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Geiste der europäischen Solidarität habe ich angeboten, dass wir uns hieran mit bis zu 40 Personen beteiligen“, teilte er am Abend über sein Ministerium mit.

„Ich bin zufrieden, dass es gelungen ist, zügig eine Ausschiffung zu ermöglichen“, sagte Seehofer weiter. „Allerdings brauchen wir für diese Fälle jetzt schnell einen tragfähigen und funktionierenden Mechanismus. Daran müssen die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten mit Hochdruck arbeiten.“

Tagelange Irrfahrt auf dem Mittelmeer

Die „Alan Kurdi“ war tagelang auf Irrfahrt auf dem Mittelmeer gewesen. Italien wollte die 65 von einem überfüllten Schlauchboot vor der libyschen Küste geretteten Menschen nicht an Land lassen. Auch Malta hatte sich zunächst gesperrt. An Bord spitzte sich die Lage zu.

„Drei der Geretteten sind in sehr schlechtem Zustand. Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden“, sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur. Zwei von ihnen seien Minderjährige. Die Behörden Maltas sagten zu, die drei an Land zu lassen.

Gerettete der „Alex“ durften in Lampedusa an Land

Die Menschen an Bord des italienischen Rettungsschiffes „Alex“ durften in Lampedusa an Land. Das Schiff mit 41 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten war am Samstag trotz eines Verbots Salvinis in den Hafen der Insel eingelaufen. Damit folgte die „Alex“ dem Beispiel des deutschen Rettungsschiffes „Sea-Watch 3“. Die „Alex“ wurde beschlagnahmt; zudem wurde ein Bußgeld in zunächst unbekannter Höhe festgesetzt. Auch die „Sea-Watch 3“ ist weiter beschlagnahmt.

Vergangene Woche hatte die "Sea-Watch 3" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch trotz des Verbots der Regierung in Rom Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord im Hafen Lampedusas angelegt. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete war daraufhin festgenommen und erst am Dienstag wieder freigelassen worden. Rackete wird unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. (dpa, AFP)

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