Ex-Botschafter Kornblum zum Nato-Gipfel : "Es geht nur mit den USA"

Vor dem Nato-Gipfel in Brüssel fordert der ehemalige US-Botschafter John Kornblum die Deutschen auf, Amerika nicht aufzugeben.

John Kornblum war von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland.
John Kornblum war von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Herr Kornblum, was erwarten Sie von dem am Mittwoch beginnenden Nato-Gipfel: Wird US-Präsident ihn platzen lassen wie jüngst den G-7-Gipfel?

Keiner weiß, wie das Treffen ausgehen wird. Trump ist unberechenbar. Und nachdem, was in den vergangenen Tagen von Nordkorea zu hören ist, wird er wohl kaum gute Laune haben. Es kann sein, dass er explodiert.

Ist es hilfreich, dass Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sich Trump nun anschließt und Deutschland ebenfalls zu höheren Verteidigungsausgaben auffordert?

Fest steht, Deutschland investiert immer noch zu wenig. 1,5 Prozent sind nicht zwei Prozent. Und ja, es ist immer besser, mit Trump zu reden, als mit ihm zu streiten. Aber es geht gar nicht nur ums Geld.

Sondern?

Viel wichtiger ist, dass Deutschland, dass Europa wieder einen wirklichen strategischen Sicherheitsdialog beginnt - und das geht eben nur mit den USA! Dazu gibt es keine Alternative. Das muss Europa verstehen. Und dafür ist die Nato ein guter Ort.

Dialoge mit Trump sind ein frommer Wunsch ...

Wenn es mit Trump nicht geht, und das ist wohl so, dann eben mit seinem Verteidigungsminister James Mattis. Auch mit Außenminister Mike Pompeo kann man reden und mit der US-Botschafterin bei der Nato, Kay Bailey Hutchison. Es ist gefährlich, dass Europa und die USA in den vergangenen 15 Jahren so auseinandergedriftet sind. Daran ist Trump auch nicht schuld.

Hört Trump denn auf seine Berater? Oder anders: Ist er überhaupt zu beeinflussen?

Ja, mit der richtigen Botschaft und auf die richtige Art und Weise. Aber wichtig ist erstmal, dass der Dialog über das, was wir sicherheitspolitisch gemeinsam erreichen wollen, wieder ganz von vorne beginnt. So kann man Einfluss nehmen, über den intensiven Kontakt zu den mittleren Ebenen. Dafür ist die neue deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber, die perfekte Besetzung.

Donald Trump scheint besonders Deutschland auf dem Kieker zu haben.

So sieht es aus, vielleicht, weil er deutsche Vorfahren hat. Aber die Amerika-Abneigung hat in Deutschland auch zugenommen. Aber es hilft nicht weiter, sich dauernd über einander aufzuregen. Ich bleibe dabei: Wenn Deutschland, wenn Europa Frieden und Wohlstand langfristig sicher wollen, geht das nur gemeinsam mit den USA.


Korrektur: In einer früheren Version des Interviews hieß es über Trump: "Es kann sein, dass er in Helsinki explodiert." Gemeint ist aber Brüssel. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung.


John Kornblum war von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Deutschland.

Beiträge und Interviews unter anderem mit Wolfgang Ischinger, Norbert Röttgen und Joseph Nye zur Zukunft der Nato gibt es auch in einer aktuellen Publikation des deutsch-amerikanischen Netzwerks Atlantik-Brücke, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Das Dossier "Gespräche zur Zukunft der Nato" der Atlantik-Brücke finden Sie hier (PDF).


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