Feste Flächen für Dealer : Drogen nur hinter rosa Linien

Ein Parkmanager weist Drogenhändlern einen festen Platz im Görlitzer Park zu. Haben die rosa Linien das Potenzial, amtliche Politik zu werden? Eine Glosse.

Rosa Linien am Boden des Görlitzer Parks, die einen Platz für Drogendealer markieren sollen.
Rosa Linien am Boden des Görlitzer Parks, die einen Platz für Drogendealer markieren sollen.Foto: Paul Zinken/ dpa/ AFP

Überall sind wir umstellt von roten Linien, die irgendjemand zieht – meist sind es Politiker. Sie dürfen angeblich nicht überschritten werden, wenn aber doch, geschieht in aller Regel nichts.

Was aber könnte der Sinn von rosa Linien sein? Es gibt erst einen Versuch mit dieser symbolischen Art der Abgrenzung, nämlich im Görlitzer Park, wo der Parkmanager mit ihnen den Drogendealern einen festen Platz zuweisen will. Sie sollen hinter den auf den Boden gesprühten Linien stehen und ihre an sich verbotenen Substanzen ganz sittsam anbieten, ohne Nicht-Kunden im Weg zu stehen.

Früher hätten wir solche Ideen ohne Zögern den Holländern zugeordnet, die unter mildem Drogeneinfluss ja auf die verrücktesten Ideen kamen. Heute, so muss man wohl festhalten, ist Berlin gewissermaßen das Amsterdam Deutschlands, hier werden nur noch jene Gesetze angewendet, für deren Durchsetzung genügend Polizei bereitsteht; eine schwarze Linie, hinter der Mörder und Terroristen ihren Geschäften nachgehen können, ist auch in Berlin glücklicherweise undenkbar.

Ist ein Scheitern des Experiments unausweichlich?

Nun handelt es sich bei den Linien im Park noch nicht einmal um Kreuzberger Regierungspragmatismus, sondern nur um den Geistesblitz eines Sozialarbeiters, der es gewohnt ist, die Dinge eher praktisch als juristisch zu lösen. Ob die Dealer seinen Vorschlag allerdings akzeptieren, ist bislang offen. Wenn die Erwartung darauf hinausläuft, dass sich Gesetzesbrecher brav und für alle sichtbar am Weg aufreihen, bis dann doch mal die Polizei kommt und die Linie als Geständnis wertet – dann ist am Ende des Experiments das Scheitern unausweichlich.

Überhaupt ist die Archaik des Geschäftstreibens im Görlie ein blanker Hohn. Die normalen Tante-Emma-Läden sind sämtlich ausgestorben, aber ausgerechnet das Drogengewerbe besteht auf der aufwendigen Form des persönlichen Handels von Geld gegen Ware? Deshalb würde eine moderne rosa Linie ganz anders aussehen: eine kommunale Website, auf der wir mit ein paar Häkchen den richtigen Stoff bestellen, mit Paypal bezahlen – und der Dealer kommt dann ins Haus, anstatt im Park herumzulungern.

Ach, eine Kleinigkeit wäre da noch. Wir sprechen bei Drogen ja weniger von prekär lebenden regionalen Biogärtnern, sondern vom organisierten Verbrechen, ja, von Verbindungen in die Berliner Clan-Kriminalität. Deshalb: Ja, das ist Kreuzberg, da sind sie manchmal ein wenig von Sinnen. Aber die rosa Linie wird nicht amtliche Politik. Da gibt es eine rote Linie!

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