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Flüchtlinge im Mittelmeer : "Aquarius"-Flüchtlinge sind in Spanien an Land gegangen

Von Italien und Malta wurden sie abgewiesen. Nun sind die Migranten von der "Aquarius" in der spanischen Stadt Valencia gelandet. Insgesamt sind es fast 630 Menschen.

Ankunft in Valencia: Migranten gegen von Bord der "Aquarius"
Ankunft in Valencia: Migranten gegen von Bord der "Aquarius"Foto: AFP/Paul Barrena

Nach tagelanger Irrfahrt im Mittelmeer hat das Flüchtlings-Rettungsschiff „Aquarius“ Spanien erreicht. Die vor einer Woche von Italien abgewiesene „Aquarius“ fuhr am Sonntag mit 106 Migranten an Bord kurz vor 11 Uhr in den Hafen von Valencia ein, wie die Regionalregierung mitteilte. Die Odyssee der Bootsflüchtlinge erregte international großes Aufsehen. Inzwischen kündigte der italienische Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega an, Italien wolle weitere private Rettungsschiffe mit Migranten abweisen. 

Das von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée gecharterte frühere Vermessungsschiff „Aquarius“ hatte vor einer Woche 629 afrikanische Migranten, die vor der libyschen Küste auf verschiedenen Booten unterwegs waren, aus Seenot gerettet. Zur Überfahrt nach Spanien wurden Hunderte dieser Flüchtlinge auf die italienischen Schiffe „Dattilo“ (274) und „Orione“ (249) verteilt.

Das Küstenwachen-Schiff „Dattilo“ legte am Sonntag schon vor sieben Uhr als erstes der drei Schiffe am Hafen von Valencia an. Die 274 Migranten an Bord - darunter 60 Minderjährige ohne Elternbegleitung und eine schwangere Frau - gingen nach einer ersten ärztlichen Untersuchung an Bord im Laufe des Vormittags alle an Land.

„Der Gesundheitszustand ist bei allen 274 den Umständen entsprechend gut. Wir haben keine größeren Verletzungen festgestellt“, sagte der Regionalpräsident des spanischen Roten Kreuzes, Rafael Gandía.

Nachdem Italien und auch Malta der „Aquarius“ die Einfahrt verweigert hatten, erklärte sich die neue sozialistische Regierung Spaniens zur Aufnahme bereit. Bei der mehr als 1500 Kilometer langen Überfahrt nach Valencia kämpften die Schiffe zum Teil mit meterhohen Wellen.

Italien werde nicht zulassen, dass Organisationen im Mittelmeer aufgenommene Migranten routinemäßig nach Italien bringen, sagte Innenminister und Vizeregierungschef Salvini. Die guten Zeiten für diese Gruppen seien vorbei, erklärte er via Twitter. „Wir sind die Herren in unserem eigenen Haus“, schrieb der Lega-Chef. Zuvor hatte er angekündigt, zwei Schiffen deutscher Helfer die Einfahrt in italienische Häfen zu verweigern. Die „Seefuchs“ und „Lifeline“ werden von den Nichtregierungsorganisationen Sea-Eye und Mission Lifeline genutzt.

Die drei Schiffe mit den „Aquarius“-Flüchtlingen waren in Kolonne nach Valencia gefahren, legten am Hafen aber nacheinander im Abstand von rund drei Stunden an, um eine bessere Betreuung sicherzustellen. Das italienische Marineschiff „Orione“ sollte als letztes nachmittags in den Hafen einfahren.

Die Migranten wurden zunächst von knapp 300 Angehörigen des spanischen Roten Kreuzes empfangen und betreut. An der Empfangsoperation nahmen insgesamt rund 2300 Menschen teil. Unter den Migranten sind den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 123 Minderjährige und mindestens sieben schwangere Frauen.

Die Sprecherin von SOS Méditerranée France, Sophie Rahal, erklärte, die Migranten seien an Land zuerst in einem Zelt medizinisch und psychisch betreut und anschließend registriert worden. Alle Schwangeren sollen zunächst in Krankenhäuser gebracht werden. Die Kinder erhalten eine spezielle Betreuung.

Alle volljährigen Migranten sollen vorerst im Aufnahme-Zentrum in Cheste etwa 30 Kilometer westlich von Valencia unterkommen. Zusätzliche Unterkünfte muss Spanien nicht organisieren. „Wir haben genug Aufnahmekapazitäten“, sagte der Chef des Rettungsdienstes des spanischen Roten Kreuzes, Iñigo Vila.

Spanien will die Geretteten wie alle anderen Migranten behandeln. „Sie werden so behandelt werden, wie alle Flüchtlinge, die bei uns etwa auf Booten eintreffen“, erklärte Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Jeder Fall werde einzeln geprüft, hieß es.

Es ist aber davon auszugehen, dass viele eine Weiterreise wagen werden. Die stellvertretende Regierungschefin Carmen Calvo erklärte am Samstag, Madrid werde das Angebot der französischen Regierung annehmen und alle Flüchtlinge, die das wünschten, ins Nachbarland schicken. Spanien, das in den zehn vergangenen Jahren 200 000 Flüchtlinge empfangen habe, sei für die Migranten ohnehin „nur ein Eingangstor“, sagte Vila vom Roten Kreuz. „Asyl beantragen viele woanders.“ (dpa)

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