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Gerd Müller : Entwicklungsminister plant Kampagne gegen ausbeuterische Kinderarbeit

152 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten - zum Teil werden sie wie Sklaven gehalten. Die Bundesregierung will jetzt dagegen vorgehen.

152 Millionen Kinder werden Schätzungen zufolge für wirtschaftliche Arbeit eingesetzt.
152 Millionen Kinder werden Schätzungen zufolge für wirtschaftliche Arbeit eingesetzt.Foto: AFP

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will Unternehmen dazu bewegen, faire Preise für Produkte aus armen Ländern zu zahlen. „Im kommenden Jahr werde ich eine Kampagne gegen ausbeuterische Kinderarbeit starten“, sagte Müller dem Tagesspiegel. Es gehe darum, dass am Anfang der Lieferketten, in Entwicklungsländern, ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten würden, die in Europa schon lange selbstverständlich seien.

„Ich erwarte, dass sich die deutschen Unternehmen hier viel stärker engagieren“, meinte der CSU-Politiker und fügte hinzu: „Ich glaube nicht, dass ein Firmenchef im Jahr 2019 öffentlich begründen möchte, warum er seine Produkte mit Kinderarbeit herstellt.“

Im kommenden Jahr werde eine erste Bilanz gezogen, ob die größten deutschen Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern garantieren können, dass in ihren Lieferketten menschenrechtliche Standards umgesetzt sind. „Wenn es allerdings auf freiwilliger Basis keine Fortschritte gibt, brauchen wir gesetzliche Regelungen“, kündigte der Minister an.

Millionen arbeiten an gefährlichen Orten

Der „Internationalen Arbeitsorganisation“ zufolge werden weltweit 152 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren für wirtschaftliche Arbeit eingesetzt. Etwa zehn Millionen von ihnen würden wie Sklaven gehalten und leisteten Zwangsarbeit in Haushalten oder in der Landwirtschaft. 72 Millionen Mädchen und Jungen arbeiteten an gefährlichen Orten wie Steinbrüchen oder auf Plantagen. Ein Drittel besuche keine Schule.

Fairer Handel und Kinderarbeit sind auch im Entwurf zum neuen Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz berücksichtigt. Demnach soll künftig bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen darauf geachtet werden, dass vorrangig Fairtrade-Produkte zum Einsatz kommen. Die bisher allgemeine Regelung wird erweitert, indem Warengruppen wie Schokolade und Kaffee definiert und zertifiziert werden.

Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Gerd Müller (CSU), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.Foto: Carsten Koall/dpa

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte dem Tagesspiegel: „Wir wollen es den Unternehmen erleichtern, die Vorgaben einzuhalten. Ich erwarte dann aber auch, dass mehr Fairtrade-Produkte angeboten werden.“ Berlin wurde von der Initiative „Transfair“ bereits als „Fairtrade- Stadt“ zertifiziert.

NRW-Arbeitsminister kritisiert deutsche Unternehmen

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wirft deutschen Unternehmen vor, für die Kinderarbeit in Entwicklungsländern mitverantwortlich zu sein. Unternehmen, die Produkte nutzten, die von Kindern hergestellt werden, seien Teil des Problems und machten sich mitschuldig, sagte Laumann beim Start der Aktion „Nikotinkinder“. Kinderarbeit müsse an zwei Fronten bekämpft werden, im Ausland und im Inland, verlangte Laumann.

Die Kampagne „Nikotinkinder“ ist eine Initiative der Aktion „Friedensband“ und wird von der Regierung in NRW unterstützt. Nach Angaben von „Friedensband“ werden von der Tabakindustrie Hunderttausende Kinder ausgebeutet. Bei ihrer Arbeit auf den Plantagen würden sie „hochgradig mit Nikotin vergiftet“. Der Stoff dringe bei der Verarbeitung der Pflanzen in die Haut der Kinder ein und habe die gleichen Folgen wie der Konsum von 50 bis 60 Zigaretten pro Tag. Falls die zur Tabakernte eingesetzten Kinder überhaupt zur Schule gehen könnten, plagten sie Müdigkeit, Übelkeit und Schwindelgefühle. (mit KNA)

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