Großbritannien-Wahl : Corbyn schlägt Johnson in TV-Duell

Labour-Chef Corbyn geht aus dem TV-Duell als Sieger hervor. Das Ergebnis der Wahl in Großritannien könnte allerdings anders aussehen.

Prime Minister Boris Johnson and Oppositionsführer Jeremy Corbyn debattieren wenige Tage vor der Wahl im TV-Duell der BBC.
Prime Minister Boris Johnson and Oppositionsführer Jeremy Corbyn debattieren wenige Tage vor der Wahl im TV-Duell der BBC.Foto: Jeff Overs/ AFP

Brexit und die Gesundheitsversorgung: In ihrem letzten TV-Duell vor der Parlamentswahl in Großbritannien haben sich der konservative Premierminister Boris Johnson und sein Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei am Freitagabend ein weiteres Mal an den bekannten Wahlkampfthemen abgearbeitet.

Diskussion um Brexit und Gesundheitsversorgung

In der einstündigen Debatte kritisierte Johnson wiederholt den Chef der Labour-Partei dafür, dass er beim Brexit nicht eindeutig Stellung beziehe. "Wie können sie ein neues Abkommen mit Brüssel für den Brexit aushandeln, wenn sie gar nicht daran glauben", fragte Johnson. Corbyn hat im Wahlkampf angekündigt, Johnsons Abkommen mit Brüssel neu zu verhandeln und den Wählern in einem Referendum vorzulegen.

Corbyn wiederum warf Johnson unrealistische Versprechungen vor, weil er mit der EU und den USA im kommenden Jahr ein neues Handelsabkommen aushandeln wolle. "Er wird aus der Beziehung mit der EU herausgehen und in eine Beziehung zu niemandem eintreten", sagte der Labour-Chef. Für den Fall seines Wahlsiegs versprach Corbyn Verstaatlichungen und Investitionen in den öffentlichen Dienst, um nach einem Jahrzehnt der Sparsamkeit unter den Tories eine Wende herbeizuführen.

Corbyn bekräftigte zudem seien Vorwurf, Johnson wolle das staatliche Gesundheitssystem NHS an US-Pharmafirmen "verkaufen" - was Johnson scharf dementierte. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung ist ein wesentliches Wahlkampfthema.

Endspurt vor der Parlamentswahl

Im Vorfeld das TV-Duells hatte Corbyn den Premier anhand eines vertraulichen Dokuments aus dem Finanzministerium der Lüge bezichtigt. Das Dokument sehe eine Zollgrenze zwischen Nordirland und der britischen Hauptinsel vor, was Johnsons Aussagen im Wahlkampf widerspreche.

Die Tories argumentierten, dass es nicht dazu kommen werde, da sich während einer Übergangsphase bis Ende 2020 die zukünftige politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU klären ließe. Experten halten diesen Zeitraum allerdings für zu kurz.

Bei Wahlsieg will Johnson den Brexit bis Ende Januar umsetzen

In Großbritannien wird am kommenden Donnerstag ein neues Parlament gewählt. Für den Fall seines Wahlsiegs setzt Johnson vor allem auf die Umsetzung des Brexit bis zum 31. Januar. Der Premierminister plant, dass das Regierungsprogramm am 19. Dezember von Königin Elizabeth II. vorgetragen wird. Das Brexit-Abkommen soll demnach noch vor Weihnachten dem Parlament vorgelegt werden.

Einer Umfrage von YouGov zufolge endete das TV-Duell mit einem Unentschieden. Corbyn sei jedoch als glaubwürdiger bezeichnet worden. Bei der Parlamentswahl kann Johnsons konservative Partei Umfragen zufolge jedoch mit einer deutlichen Mehrheit rechnen.

(Tsp, mit AFP)

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