zum Hauptinhalt
Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn.
© dpa

Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn: "Ich fühle mich von den Grünen vorgeführt"

Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn sieht seine Partei stabilisiert, aber in der Pflicht zu liefern. Mit den Grünen kann er aber nichts anfangen und der Fall Rainer Brüderle ist für ihn klar: "Er hat sie nicht berührt."

Herr Hahn, wer ist der starke Mann in der FDP: Herr Brüderle oder Herr Rösler?

Die FDP hat, wie fast alle anderen Parteien mit Ausnahme der CDU, ein Team an der Spitze, und das ist eine kluge Entscheidung. Wichtig war, dass wir die Personalquerelen beendet haben und dass das Wahlergebnis in Niedersachsen uns stabilisiert hat.

In aktuellen Umfragen liegt Ihre Partei aber nach wie vor klar unter fünf Prozent?
Umfragen in Zusammenhang mit der FDP glaube ich nicht mehr. Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass die Demoskopen meist gründlich daneben lagen. Es wird Zeit, dass die Meinungsforscher sich ehrlich machen und die FDP so bewerten, wie es ist. Wir haben einen Kern an Wählern über fünf Prozent.

Also alles gut?
Nein. Philipp Rösler hat bei seiner Wahl zum Parteivorsitzenden versprochen, dass geliefert werde, und das muss jetzt auch endlich passieren. Wir müssen gute Sacharbeit abliefern und unser Profil bei Themen wie innere Sicherheit, NPD-Verbot, Vorratsdatenspeicherung und Mindestlohn deutlich machen. Es geht darum, Erfolge besser zu vermarkten.

Die Union ist beim Thema Lohnuntergrenze anderer Meinung.
CDU und FDP sind auch unterschiedliche Parteien. Wir können bei diesem Punkt auch den inhaltlichen Konflikt mit der Union austragen, das schadet weder uns noch der Union. Es sollte eben nur nicht zu viele Konfliktfelder geben. Denn das Ziel in den nächsten Wochen muss es nicht nur sein, die FDP zu stabilisieren, sondern auch das Ansehen von Schwarz-Gelb zu verbessern.

"Fakt ist, dass er die Journalistin nicht berührt hat."

In Hessen wird gleichzeitig mit dem Bund gewählt. Haben Sie schon mal über Alternativen zu Schwarz-Gelb nachgedacht?
Ich erwarte in Hessen einen klaren Lagerwahlkampf zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün. Und derzeit ist für mich völlig klar, dass wir als FDP um eine Wiederauflage des Bündnisses mit der CDU kämpfen. Aber klar ist auch: Ausschließeritis ist eine hessische Krankheit.

Sie könnten sich eine Ampel vorstellen?
Nein, derzeit nicht. Es ist mental und kulturell schwer vorstellbar, dass in Hessen FDP und Grüne zusammenkommen. Ich persönlich fühle mich von den Grünen vorgeführt und grenzwertig behandelt. Sie verpassen keine Gelegenheit, mir Unfähigkeit vorzuwerfen. Da wächst Verärgerung und nicht Vertrauen.

Verärgert waren Sie auch über die Sexismus-Vorwürfe des „Stern“ gegen Brüderle. Sehen Sie bei ihm kein Fehlverhalten?
Diese Form des Journalismus ist unsäglich und ich kann nur hoffen, dass da innerhalb der Medienlandschaft eine gewisse Selbstreflexion einsetzt. Denn es ging dem „Stern“ nicht um das Thema Sexismus, sondern darum, dem frisch gekürten FDP-Spitzenkandidaten einen Schlag unterhalb der Gürtellinie mitzugeben. Das ist durchsichtig und billig.

Aber Brüderle hätte ja auch alle Vorwürfe dementieren können. Noch mal: Sehen Sie bei ihm kein Fehlverhalten?
Ich bin nicht der PR-Berater von Herrn Brüderle. Aber vielleicht war es ja auch ganz anders, und er wollte nur auf dieselbe Art antworten, wie er gefragt wurde. Fakt ist, dass er die Journalistin nicht berührt hat.

Jörg-Uwe Hahn ist Vorsitzender der FDP-Hessen, hessischer Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident. Das Gespräch führte Christian Tretbar.

Zur Startseite