Integration : Röttgen moniert "taktisch motivierte Islam-Debatte"

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen will den von der CSU entfachten Streit über den Islam in Deutschland beenden. Er fordert eine neue Qualität in der Integrationsarbeit.

Der Halbmond auf dem Minarett der Abubakr Moschee in Frankfurt am Main
Der Halbmond auf dem Minarett der Abubakr Moschee in Frankfurt am MainFoto: dpa/Boris Roessler

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen fordert von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein neues Konzept zur Integration von Migranten. „Wir haben eine neue Qualität von Zuwanderung und brauchen deshalb eine neue Qualität von Integrationsarbeit. Einfach so weitermachen wie bislang, das wird nicht ausreichen“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag der „Welt“. Zugleich verlangte er ein Ende des von Seehofer und anderen CSU-Politikern vorangetriebenen Streits über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht.

Seehofer könnte vielmehr „ein konkretes, anspruchsvolles, pragmatisches Konzept der Integration etwa für muslimische Kinder“ entwickeln, sagte Röttgen. Integration sei eine Grundfrage des gesellschaftlichen Friedens geworden. Daher müsse man sich in den Schulen stärker um Religionsvermittlung und Toleranz kümmern, befand der CDU-Politiker mit Blick auf antisemitische Übergriffe muslimischer Schüler.

Zu der von Seehofer angestoßenen Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sagte Röttgen: „Diese Art überwiegend folgenloser, taktisch motivierter Debatten muss ein Ende haben.“ CSU-Chef Seehofer hatte gesagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, aber hinzugefügt, die hier lebenden Muslime gehörten „selbstverständlich“ dazu. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel (CDU) sowie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) waren auf Abstand zu Seehofers Äußerung gegangen.

Es sei bedauerlich, wenn von verantwortlicher Seite ein fruchtloser Streit über einen inhaltlich folgenlosen Satz angezettelt werde, sagte Röttgen. „Keine der Parteien, weder Union, noch SPD oder die Opposition, führt in den Grundfragen Migration, Integration, Digitalisierung eine problemangemessene Diskussion. Geschweige denn, dass es konzeptionelle Antworten gäbe.“ (dpa)

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