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„Mehr Demokratie wagen“ : AfD wirbt in Brandenburg mit Willy Brandt um Stimmen

Die AfD in Brandenburg zeigt auf ihren Wahlplakaten ein Zitat des früheren SPD-Kanzlers Willy Brandt und sein Konterfei. Wolfgang Thierse ist empört.

„Mehr Demokratie wagen!“ – Ein Plakat der AfD in Brandenburg.
„Mehr Demokratie wagen!“ – Ein Plakat der AfD in Brandenburg.Foto: Privat

Die AfD geht ausgerechnet mit dem früheren SPD-Kanzler Willy Brandt in Brandenburg auf Stimmenfang. Ein Wahlplakat für die Landtagswahl am 1. September zeigt Brandts Gesicht, darunter sein Zitat: „Mehr Demokratie wagen“, mit dem Zusatz „Willy Brandt 1969“. 50 Jahre später verkündet die AfD nun auf diesem Plakat unter dem Slogan „AfD Wählen“: „Wir schreiben Geschichte!“

1969 kam es zur sozial-liberalen Wende mit dem ersten SPD-Kanzler – in Brandenburg will nun Spitzenkandidat Andreas Kalbitz erster AfD-Ministerpräsident werden. Aber: Bisher will niemand mit den Rechtspopulisten koalieren, die CDU erwägt notfalls sogar ein Bündnis mit der Linkspartei – am wahrscheinlichsten scheint bisher die Option Rot-Rot-Grün. In einer Insa-Umfrage lagen im Juli SPD und AfD mit 19 Prozent gleichauf, gefolgt von Grünen und Linken mit je 16 Prozent.

Der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ist entsetzt und sauer über diese Instrumentalisierung von Willy Brandt, dem Vorkämpfer für Frieden, Freiheit und einen gesellschaftlichen Ausgleich. „Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön“, sagt er im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Die Wahlen in Brandenburg finden am 1. September statt.
Die Wahlen in Brandenburg finden am 1. September statt.Foto: Daniel Karmann/dpa

Thierse geht auch mit anderen Analogieversuchen der AfD scharf ins Gericht, etwa die Berufung auf die friedliche Revolution und die DDR-Bürgerrechtsbewegung, der Thierse angehört hat. Das sei eine Verdrehung der Tatsachen, damals wollte man Grundrechte, Freiheit, Demokratie und Weltoffenheit. „Die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals, ist eine unglaubliche Verharmlosung der DDR“, so Thierse.

Die DDR sei ein unfreies Land gewesen, und die heutige Bundesrepublik hingegen sei so frei, „dass die AfD in ihr wirken kann“. Thierse betont, die Bürger sollten auf „solche Hetze, die auch noch von westdeutschen AfD-Funktionären inszeniert wird, nicht hereinfallen“.

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