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Mindestens ein Kind pro Tag stirbt durch die Hände seiner Eltern oder den Lebenspartner. Im Fall Zoe hatten viele staatliche und andere Stellen die Möglichkeit, Verdacht zu schöpfen

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Kindesmisshandlung in Deutschland: Milliarden zum Schutz der Täter?

Die Streitschrift „Deutschland misshandelt seine Kinder“ will aufräumen mit dem notorischen Wegsehen im Kinderschutz. Mindestens ein Kind pro Tag stirbt hierzulande durch die Hände seiner Eltern.

Von Caroline Fetscher

In der Notaufnahme einer Klinik hockt ein Dreijähriger auf der Pritsche. Besonders geschulte Ärzte sollen den Kleinen begutachten. Sein Körper ist übersät mit Blutergüssen und den Spuren von Bissen: Verdacht auf Kindesmisshandlung. Den Rechtsmedizinern gegenüber benimmt sich der Junge auffällig: Mehrmals greift er nach den Armen der Mediziner, die freundlich zu ihm sind, und legt die Arme der anderen um seinen Oberkörper. Das  Kind, so seine wortlose Botschaft, will umarmt werden, es sucht Nähe und Wärme. Den Ärzten liefert es damit ein weiteres Indiz für erlittene Misshandlung. Denn Kinder, die sich daran gewöhnen mussten, dass Erwachsene, meist die Eltern, ihnen vorsätzlich Schmerzen zufügen, zeigen häufig zwei signalhafte Reaktionen. Entweder verharren sie in einer Art aufmerksamer Schockstarre oder sie weisen auffällige Zutraulichkeit und Distanzarmut auf, wie dieser kleine Berliner.

Diese Szene ist eine von vielen, die Saskia Guddat gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Charité-Professor für Rechtsmedizin Michael Tsokos, in einem Buch vorlegt, das die beiden eine „Streitschrift“ nennen, ein „Debattenbuch“. (Deutschland misshandelt seine Kinder. Michael Tsokos und  Saskia Guddat (mit Andreas Gößling): Droemer Verlag, München. 256 Seiten, 19,99 Euro.) Kernthese: Im deutschen Kinderschutz wird untolerierbar vieles falsch gemacht und könnte fast alles besser gemacht werden. Denn Familien mit Kindern wie Tyler Reese erhalten zu oft über Jahre hinweg Hilfe von Jugendämtern und Freien Trägern, deren Effekt kaum mehr ist, als „begleitete Misshandlung“.  

Wenn die Medizinerin Saskia Guddat zu einem Vortrag Bilder aus ihrer Berufspraxis zeigt, mutet sie dem Publikum viel zu. Zierlich, pragmatisch, klar in Tonfall und Text, konfrontiert die Rechtsmedizinerin ihr Publikum mit Wahrheiten, die kaum einer wissen will. Nicht einmal in den Jugendämtern. Zu ihrem Job am Klinikum Charité in Berlin gehört es unter anderem, solche Säuglinge oder Kleinkinder zu obduzieren, die das Martyrium ihrer Misshandlung nicht überlebt haben. Guddat, Jahrgang 1980, zeigt bei Vorträgen klinische Abbildungen, etwa die Röntgenaufnahme vom Gehirn eines Säuglings, der an einem Schütteltrauma starb, eines der Spezialgebiete der Fachärztin. Als Guddat im November 2010 auf einer interdisziplinären Fachtagung zum Kinderschutz Bilder aus ihrer Praxis zeigt, fiel im Publikum einer der Fachteilnehmer in Ohnmacht, eine Ambulanz musste gerufen werden. Für Guddat sind die Abbildungen, mehr noch, die lebenden und toten Kinder, mit denen sie in ihrer Arbeit zu tun hat, tägliche Routine. Kalt lässt die gesammelt wirkende Medizinerin ihr Thema jedoch nicht.  Im Gegenteil. Die Streitschrift, die ihr Kollege und sie jetzt vorlegen, provokativ zugespitzt und zornig, zeugt vom Ende der Geduld bei den beiden Experten – wie bei anderen ihrer Kollegen, etwa der Rechtsmedizinerin Constanze Niess, die diese Woche in ihrem Essay im „Spiegel“ ähnliche Auffassungen vertritt.

Wer, wie die beiden Autoren der scharfen Streitschrift, beruflich misshandelte Kinder und deren Familien begutachtet, weiß wie kaum ein anderer, worum es geht. Wenn sie, oft in Kooperation mit dem Landeskriminalamt 125 in Berlin, hinzugezogen werden, findet allzu oft ein langes, bagatellisierendes Wegschauen von Ämtern und Umfeld sein Ende. Jede Sorte Ausflucht haben sie am LKA 25 schon von Tätern gehört. Da soll ein Kind „von der Couch gefallen“ sein, ein andres sei eben „ein Wildfang“ und habe sich beim Spielen verletzt, wieder ein anderes habe sich unbekleidet auf eine heiße Herdplatte gesetzt oder plötzlich und grundlos aufgehört zu atmen. Oder, oder, oder.

Jeden Tag ein getötes Kind

Jedes Jahr werden laut Polizeistatistik derzeit 3600 bis 4000 Minderjährige, oft sehr kleine Kinder, krankenhausreif geschlagen. Auf einen Fall der bei der Polizei angezeigt wird, kommen, je nach Schätzung unterschiedlicher Institutionen im Kinderschutz, 50 bis 400 ähnlich schwere Fälle von Misshandlung, die nicht angezeigt werden. Die offizielle Statistik weist 160 getötete Kinder pro Jahr auf. Auszugehen sei jedoch, so Guddat und Tsokos, von einer Dunkelziffer von mindestens 320 bis 350 getöteten Kindern – annähernd ein Kind am Tag - und 200.000 misshandelten Kindern pro Jahr.

Andere Schätzungen gehen noch darüber hinaus. Im Alter von zwölf Monaten bis vier Jahren, sterben Kinder nach Aussage der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH), in Deutschland am häufigsten durch Unfälle. Professor Guido Fitze, Vorstandsmitglied der Gesellschaft, mahnte schon im Juni 2013, man müsse bei diesen Fällen „auch daran denken, dass Kindeswohlgefährdung eine Rolle gespielt haben könnte“. Für die DGKCH erklärte er: „Wir vermuten, dass etwa ein Drittel aller Sterbefälle im Säuglingsalter mit äußerer Gewalteinwirkung zusammenhängen.“ Dabei sei die häufigste Ursache das Schütteltrauma – einer vorsichtigen Schätzung zufolge erlitten es jährlich zwischen 100 und 200 Säuglingen. (Quelle: http://idw-online.de/de/news537230) Äußerlich sind dabei jedoch mit ungeschultem Blick oft kaum Verletzungen zu sehen. Von den etwa 2200 Todesfällen bei Kleinkindern und Säuglingen wären demnach an die 700 im Jahr auf Gewalteinwirkung zurückzuführen – fast zwei getötete Kinder pro Tag.

Da es beim Tod eines Kindes in Deutschland, anders als etwa in Schweden oder in den USA, keine Leichenschaupflicht gibt, gehen die Experten von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus. Pro Jahr werden ganze 16 Schulklassen ermordet, rechnen  die Autoren vor. Gäbe es so viele Ermordete durch Amokläufer an Schulen, wäre der Alarm massiv, die Causa gälte als Top-Chefsache der Kanzlerin und des Kabinetts. 

Laut einer 2013 vom Konzern Bayer in Auftrag gegebenen Gewaltstudie für Deutschland geben 22,3 der Kinder an, dass sie von Erwachsenen „manchmal“ physische Gewalt erfahren. Eine Studie des Familienministeriums von 2003 ergab: 17 Prozent der Familien setzen gesetzlich verbotene, physische Gewalt gegen Kinder ein, 54 Prozent „leichte physische Gewalt“, nur 28 Prozent halten sich, jedenfalls körperlich, an das Recht auf gewaltfreie Erziehung. 2010 hatten 866.000 Kinder in Deutschland einen Familienhelfer, jedes Jahr werden es im Schnitt 30.000 mehr. Kommt eine solche „Hilfe zur Erziehung“ zum Einsatz bedeutet das, die Situation in der Familie erscheint dem Jugendamt so kritisch, dass einige Wochen oder Monate lang Sozialarbeitern regelmäßig Hausbesuche machen. Bundesweit wurden 2010 rund 40.000 Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen. In solchen Fällen ist sind Gewalt und Vernachlässigung so sehr eskaliert, dass das Jugendamt akut um das Kindeswohl fürchtet. Doch meistens erhalten die Täter nach kurzer Zeit ihre kindlichen Opfer wieder zurück, und meist, weil Familiengerichte aus Unwissen, Ideologie oder Mangel an Beweisen so entscheiden. Immer wieder erleben die Rechtsmediziner darüber hinaus, dass man ihren Expertisen keinen Glauben schenkt, schenken will. Und geschätzte 60 Prozent der schweren Misshandlungsfälle – vermutlich viel mehr – landen nie vor Gericht.

Im Schnitt kommen pro Jahr 60.000 Kinder nach einem „Unfall“ in Kliniken. Sehr oft, bemängeln die Autoren, können Ärzte Symptome von Verletzungen, wie sie etwa beim Spiel entstehen, nicht von Misshandlungen unterscheiden. Ihnen fehle die Schulung, ihnen fehle der Wille, die Fakten anzuerkennen. So beziffern die beiden Mediziner die gesellschaftlichen Reparaturkosten für unterlassene frühe Prävention und fehlende exzellente Kitas mit Summen in zweistelliger Milliardenhöhe. Misshandelte und missbrauchte Kinder kosten, meist ein Leben lang. Es kostet: Kinder- und Jugendhilfe, medizinische und therapeutische Behandlung, Heime, Pflegeeltern, Behindertenbetreuung, Traumatherapie, eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, Transferleistungen, Folgekriminalität, Haft, Resozialisierung - und die transgenerationale Weitergabe der dysfunktionalen Handlungsmuster. Ein vermeidbarer Zyklus von Gewalt, Trauma, Gewalt wird, so Guddat und Tsokos, staatlich finanziert am Leben erhalten.  

Was die Autoren der Streitschrift fordern

Guddat und Tsokos fordern die überfällige, elementare rechtsmedizinische und psychologische Aufklärung und Fortbildung für Jugendämter, Kinderärzte, Sozialarbeiter, Staatsanwälte und Familienrichter. Solange sie fehle, würden Fälle fehldiagnostiziert, werde das Ausmaß an Misshandlung oft nicht erkannt, werden die Taten nicht geahndet und werden, aus Mangel an Beweisen, den freigesprochenen Täterinnen und Tätern ihre Opfer wieder ausgehändigt – für die nächste Misshandlungsetappe.

Gewiss ist: Jugendämter und andere Verantwortliche werden sich über diese  Streitschrift streiten. Und das wünschen sich die Autoren. Sie wollen nichts anderes, als mit ihrer Forderung nach einer umfassenden Strukturreform und besserer Praxis im Kinderschutz die Republik aufzurütteln.

Das Fazit von Guddat und Tsokos lautet: 7, 5 Milliarden Euro an Steuergeldern wandern pro Jahr in sogenannte „Hilfen zur Erziehung“ – viel Geld, mit viel zu wenig Effekt, an den falschen Stellen ausgegeben. Wieder und wieder erlebten die Autoren haarsträubende Fälle, in denen Sozialarbeiter, entsandt von „freien Trägern“ im Auftrag von Jugendamt oder Familiengericht, Familien assistierten, in denen es „Probleme“ gibt, die dabei perpetuiert statt gelöst werden. Am Ende liegt manchmal sogar ein totes Kind auf dem Tisch der Forensiker. Im amtsüblichen Jargon für eine problematische Lage der „Personensorgeberechtigten“ heißt es heute meist, diese seien „überfordert“. Guddat und Tsokos wählen andere Worte: Die Misshandler, sagen sie, sind psychisch krank, sie sind Täter. Sie sind kriminell. Sie begehen Offizialdelikte, also solche, die vor den Staatsanwalt kommen müssen. Und viele Tausende Kinder gehören nicht in die Obhut solcher chronisch Kranker, wenn der Staat sein Wächteramt ernst nimmt, das sich unter anderem an Paragraph 1631 Absatz des Bürgerlichen Gesetzbuches zu richten hat, wonach allen Kindern in Deutschland das Recht auf gewaltfreie Erziehung zusteht.

Da aber in Deutschland, nach der Erfahrung des Nationalsozialismus und der DDR, die Scheu vor dem Eingriff des Staates in die familiäre Privatsphäre unverhältnismäßig groß ist, ist der Widerstand gegen diese Tatsachen enorm. Am besten, so das gängige Credo, seien für Kinder doch immer noch die Eltern. Auch wenn diese drogensüchtig, alkoholkrank, gewalttätig, sadistisch sind, und selber an unaufgearbeiteten Traumata aus ihrer Kindheit leiden.  

Bei angekündigten Besuchen sitzen Helferinnen und Helfer in die Familien auf dem Sofa im aufgeräumten Wohnzimmer. Da lassen sie sich zum Beispiel ein frisch gewaschenes Kind vorführen, und ahnen nicht, dass im Keller das „Problemkind“, der Sündenbock der Familie, unbekleidet und im Dunklen eingesperrt ist. Vieles, was die beiden Autoren berichten, hört sich nach Räuberpistolen an, nach düsterem Krimistoff. Guddat und ihr Kollege sind an eben der Front tätig, die von den wenigsten gesehen wird, wie Lazarette im Krieg. Die beiden Autoren arbeiten da, wo der Körper und das Verhalten eines Kindes die Spuren von Straftaten preisgibt. Unhaltbar sei es, sagen sie, dass trotz der staatlichen Milliarden für das „Kindeswohl“ fast jeden Tag ein Kind in den Händen meist elterlicher Täter stirbt, und Woche für Woche mindestens 500 Kinder schwer misshandelt werden. Die Dunkelziffer beläuft sich auf 200.000 misshandelte Minderjährige pro Jahr. Anders als bei Straftaten von Erwachsenen gegen andere Erwachsene werde indes bei minderjährigen Opfern, bei den wehrlosesten Bürgern im Land, weggesehen oder panisch vertuscht, weil „nicht sein kann, was nicht sein darf“. Ausgeblendet wird, dass Misshandlungen in der Kindheit, wie sexueller Missbrauch, den das Buch explizit ausklammert, Körper, Geist und Seele schädigt. Meist für das gesamte, restliche Leben.  

„Blinde Helfer, taube Kontrolleure“

Deutschland leiste sich eine teure Sozialbürokratie, erklären die Autoren, die nichts weiter darstelle, als eine lukrative und „eindrucksvolle Simulation“ von Kinderschutz. Sozialarbeiter im Einsatz seien entweder jung und unerfahren, oder sie lassen sich von raffinierten Tätern täuschen. Überdies sind sie abhängig von ihren Arbeitgebern, den „Trägern“, also Organisationen, deren Kosten die Ämter decken. Denn der Staat hat eine Vielzahl der Aufgaben im Kinder- und Jugendschutz an solche Träger outgesourct. Deren Alimentierung hängt davon ab, dass problematische Situationen möglichst verschleppt werden oder gar nicht aufhören. Eine weitere Ursache für die „Blindheit der Helfer“, ist laut Streitschrift, dass viele Sozialarbeiter, die genuin Gutes tun wollen, in ihrer Kindheit selber Opfer gewesen, und sich nur ungern eingestehen, dass ihr Beistand in Problemfamilien wenig fruchtet. Abhängig von ihren Arbeitgebern  trauen sich viele auch nicht, ihren Vorgesetzten Zweifel oder Misserfolge zu melden. Ihr Engagement werde missbraucht von einem System der „kollektiven Fehlleistung“, so Guddat und Tsokos, das halb-wissentlich vor allem die Missbraucher schützt. Selbst im betreuten Mutter-Kind-Heim wollen Helfer mitunter das Offensichtliche, Misshandlungen durch Mütter und deren Partner, nicht erkennen, „blockiert durch eigene, traumatische Kindheitserfahrungen, durch den immensen Erwartungsdruck seitens ihres Trägers und des Jugendamtes – und durch ein mächtiges, gesellschaftliches Tabu.“

„Blinde Helfer, taube Kontrolleure“ sehen die Autoren am Werk, ein skandalöses „Dauerversagen des deutschen Kinder- und Jugendschutzes“.  Darin sei sich kaum ein Teil der zynischen Perfidie und des kontinuierlichen Verrats bewusst, den das System für die leidenden Kinder bedeutet. Als Resultat erhält die Gesellschaft den dauerhaften, fortgesetzten Schutz kranker, sadistischer Krimineller, die sich an ihren Kindern schadlos halten, und deren Familien zugleich von Ämtern und Behörden „betreut und begleitet“ werden, bis nichts mehr haltbar ist oder ein Kind stirbt.

Auffällig ist unter anderem, wie sehr es sich im Jargon der Sozialarbeit eingebürgert hat, von „überforderten“ Eltern zu sprechen, auch wo unübersehbar Kinder massiv gequält und vernachlässigt werden. Überfordert sind ja in einem solchen Umfeld vor allem die Kinder, Kleinkinder zumal, die sich weder mit Bier oder Tabletten betäuben noch mit Actionfilmen von ihrem Leid ablenken können. Sie erfahren ihre Qual gleich Häftlingen in Diktaturen, und nicht selten sind die Eltern manifeste Folterer. Die beiden gefährlichsten Menschen für ein kleines Kind, schreiben Guddat und Tsokos, seien Vater und Mutter, und zwar „bei Arm und Reich, in Villenvierteln wie in Brennpunktvierteln“. In den privilegierten Milieus wird physische Gewalt nur besser versteckt, Grausamkeit generell mehr psychisch ausgeübt, und in diesen Milieus lassen sich Jugendamt wie Polizei gern von feinen Titeln und Postleitzahlen beeindrucken.

Umso absurder, verzweifelter muss es in allen Fällen den Kindern vorkommen, wenn „das Amt“ die Familie freundlich „begleitet“, während die Quälerei anhält. Tausendfach, so die Autoren, werden „Kinder von ihren Wächtern im Stich gelassen.“ Dem Duktus von Guddat und Tsokos ist anzumerken, wie sehr sie von der sozialarbeiterischen Rücksicht auf die Täter genug haben. „Null Toleranz für Täter“ zählt zu ihren Forderungen.

Effektiv wäre eine Praxis, wie die Leiterin einer Berliner Beratungsstelle sagt, die genau anders herum funktioniert. Nicht langes, qualvolles „Begleiten“, sondern frühes Intervenieren: „Je früher und intensiver Hilfe einsetzt, desto effektiver für die Familien“, sagt die Expertin, die nicht namentlich zitiert werden möchte. „Nur so lässt sich das spätere, langjährige und kostspielige Begleiten und Verschleppen der Fälle verhindern.“  Solange aber Ämter und Träger von einem fehlgeleiteten System profitieren, während hocheffiziente Beratungs-Institutionen alljährlich um Mittel bangen müssen, ist umfassende Reform nicht in Sicht.

Mitarbeiter des deutschen Kinder- und Jugendschutzsystems und alle anderen Interessierten wären gut beraten, wenn sie die Erkenntnisse und Erwägungen dieser Streitschrift mit Sorgfalt und Ruhe zur Kenntnis nähmen, so unruhig und beunruhigend sie streckenweise sind, so provokant sie zur Sprache kommen. Gesprächsbedarf, Reformbedarf herrscht allemal. 

Deutschland misshandelt seine Kinder. Michael Tsokos und  Saskia Guddat (mit Andreas Gößling): Droemer Verlag, München. 256 Seiten, 19,99 Euro. Das Buch erscheint am 2. Februar 2014

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