Ministerium sieht Forschungsbedarf : Gefährdet 5G-Mobilfunk die Gesundheit?

Mediziner und Wissenschaftler warnen vor gesundheitlichen Risiken. Das Umweltministerium verweist auf Grenzwerte, sieht aber auch noch Forschungsbedarf.

Wie sich das neue Mobilfunknetz mit seiner Hochfrequenzstrahlung auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist noch unklar.
Wie sich das neue Mobilfunknetz mit seiner Hochfrequenzstrahlung auf die menschliche Gesundheit auswirkt, ist noch unklar.Foto: Yves Herman/ rtr

Ist das 5G-Mobilfunknetz eine Gefahr für die Gesundheit? Aus der Sicht des für Strahlenschutz zuständigen Bundesumweltministeriums sind Gesundheitsschäden durch die neue Technologie vermeidbar, wenn bestehende Grenzwerte für elektromagnetische Felder eingehalten werden. Allerdings gebe es noch Forschungsbedarf zu den Folgewirkungen der mit 5G verbundenen technischen Innovationen und des dafür genutzten Hochfrequenzbereiches.

Zuvor hatten mehr als 400 Mediziner und Naturwissenschaftler vor gesundheitlichen Risiken gewarnt und einen Ausbaustopp verlangt. Mit der Implementierung von 5G drohten „ernste, irreversible Konsequenzen für den Menschen“, heißt es in ihrem Appell. Bevor die Bevölkerung „immer höheren Werten der elektromagnetischen Felder“ ausgesetzt werde, müsse die Politik auf einer Untersuchung der Gesundheitsrisiken bestehen. Die EU-Kommission und Europas Regierungen wiesen diese Forderung bisher zurück. „Die Anwendung des Vorsorgeprinzips“ auf die Mobilfunktechnologien sei „eine zu drastische Maßnahme“.

"Kontinuierliche Bewertung erforderlich"

Das Umweltministerium gab auf Anfrage zu, dass sich die bisher hinsichtlich ihrer Wirkung erforschten elektromagnetischen Felder durch zwei Faktoren änderten: einerseits durch den starken Ausbau der Mobilfunknetze, andererseits durch technische Innovationen – wie etwa die Nutzung höherer Frequenzbänder, der Einsatz „intelligenter Antennen“ oder der Aufbau von sogenannten Kleinzellen. „Auf die aktive und konsequente Verfolgung dieser Entwicklungen legt die Bundesregierung einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bei der 5G-Einführung“, betonte der Sprecher. Zusätzlich sei „eine kontinuierliche Bewertung der gesamten Expositionen der Bevölkerung erforderlich, insbesondere um die Grenzwerteinhaltung weiterhin zu gewährleisten“.

Tatsächlich würde 5G den Elektrosmog, wie ihn Kritiker nennen, erheblich verstärken. Das liegt daran, dass man hier mit sehr hohen Frequenzen operiert, deren Reichweite geringer ist als bei bisherigen Sendeanlagen. Kommt es zum flächendeckenden Ausbau, braucht es tausende zusätzlicher Sendeanlagen. Und bei Studien einer US-Forschergruppe im staatlichen „National Toxicology Program“ (NTP) und der italienischen Krebsforscherin Fiorella Belpoggi wurden angeblich „klare Beweise“ für die tumorerzeugende Wirkung der Hochfrequenzstrahlung bei Ratten und Mäusen gefunden.

Wirkung von "Millimeterwellen" noch unklar

Ausdrücklich betonte das Ministerium den weiteren Forschungsbedarf zu den Wirkungen dieser so genannten „Millimeterwellen“. Dabei geht es um Frequenzbereiche um die 26 Gigahertz, die neu für den Mobilfunk genutzt werden sollen. Allerdings betonte der Sprecher, dass es sich dabei nicht um den Bereich handele, der in Kürze zur Versteigerung ansteht.

5G-Netze würden „voraussichtlich zunächst Frequenzbänder nutzen, in denen bereits heute Mobilfunk betrieben wird, die für vergleichbare Nutzungen vergeben sind oder die solchen Frequenzbändern benachbart sind“, versichert auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. Diese Bereiche seien ausgiebig erforscht. Zur Risikobewertung könne man mehr als 2500 wissenschaftliche Artikel heranziehen – darunter etwa 1500, die sich auf experimentelle oder epidemiologische Studien bezögen.

Die Auswertung liefere „keine überzeugenden Belege für nachteilige Gesundheitswirkungen bei Expositionen unterhalb der von der EU empfohlenen Begrenzungen“, betonte BfS-Sprecher Jan Henrik Lauer. „Dies schließt mögliche kanzerogene oder nachteilige Wirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit ein.“ Für die in 5G-Netzen perspektivisch verwendeten Millimeterwellen gebe es jedoch „weniger Studien“. Daher setze man sich auch hier dafür ein, „Expositionen unterhalb der Grenzwerte vorsorglich niedrig zu halten“.

Zweifel an Übertragbarkeit von Ratten-Studien

Und die beunruhigenden Ergebnisse der Krebsforscher? Bei der US-Studie seien die Ratten und Mäuse elektromagnetischen Feldern ausgesetzt worden, die die hierzulande geltenden Grenzwerte für Menschen um mehr als das Zwanzigfache überschritten, so das Umweltministerium. Ob die erhobenen Daten tatsächlich einen „klaren Nachweis“ für den Zusammenhang von hochfrequenten Feldern mit Herztumoren darstellten, erscheine zweifelhaft und werde durch Fachkreise weiter zu diskutieren sein.

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Das Bundesamt für Strahlenschutz wagt sich noch weiter vor und bescheinigt der NTP-Studie „Inkonsistenzen und methodische Schwächen“. In jedem Falle sei das Ergebnis „nicht auf den Menschen übertragbar“. Bei der Belpoggi-Studie, die mit kleineren Feldstärken arbeitete, ist die Reaktion verhaltener. Man prüfe beide Veröffentlichungen "intensiv", sagte der Sprecher. Doch um "klare Beweise" für eine tumorerzeugende Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern bei Ratten handle es sich aus BfS-Sicht bei den Ergebnissen beider Studien nicht.

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