Möglicher Verdacht auf Volksverhetzung : Unbekannte hissen Israel-Flagge an Schornstein

Am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung weht die israelische Fahne an einem verlassenen Fabrikgebäude. Es war nicht die einzige Provokation am Gedenktag.

Eine Israel-Flagge wurde an einem Schornstein in Leipzig gehisst.
Eine Israel-Flagge wurde an einem Schornstein in Leipzig gehisst.Foto: IMAGO

In Leipzig haben Unbekannte am Montag an einem Schornstein in etwa 40 Metern Höhe eine Israel-Flagge gehisst. Am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung flatterte am Montag auf dem Schornstein eines seit der Wende verfallenden Fabrikgeländes an die israelische Fahne. Das berichtete die Bild-Zeitung am Montag.

„Ich bin entsetzt darüber, dass solche Provokationen hier stattfinden“, sagte Andres Iglesias-Frey der „Bild“. Iglesias-Frey hatte das Gelände 2011 erworben. „Steht ja aber noch nicht fest, wer es gemacht hat. Auf alle Fälle ist es eine Provokation, die hier nicht hergehört.“

Die Polizei in Leipzig reagierte auf „Bild“-Nachfrage. Wenig später rückten die Kripo und die Feuerwehr an, um die Fahne vom Schornstein zu holen. „Wir ermitteln zunächst wegen Störung der öffentlichen Ordnung. In Anbetracht des heutigen Datums wurde zudem der Staatsschutz informiert“, sagte Einsatzleiter Kai-Alexander Berg.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte „Wir prüfen, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung einzuleiten.“

Hitlergruß in Pirna

Eine Provokation gab es am Montag auch in Pirna. Eine 23 Jahre alte Frau soll am Montag in der sächsischen Kleinstadt am Rande einer Kranzniederlegung zum Holocaust-Gedenken den Hitler-Gruß gezeigt haben.

Wie die Polizeidirektion Dresden bekanntgab, hatten Anwesende bemerkt, dass die Frau ihren linken Arm hob. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Zuvor war bei Twitter kritisiert worden, dass die Polizei zunächst keine Anzeige aufgenommen habe. „Das Verhalten des Beamten wird überprüft“, hieß es in einem Tweet der Polizei Sachsen.

Pirna spielte im Vernichtungsapparat der Nationalsozialisten eine wichtige Rolle. In der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 rund 13 700 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen in einer Gaskammer der Anstalt ermordet, heißt es auf der Internetseite der heutigen Gedenkstätten. Zudem seien hier im Sommer 1941 mehr als 1000 Häftlinge aus Konzentrationslagern getötet worden. (Tsp, dpa)

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