Nach dem Debakel in Thüringen : Markus Söder - Mann des Tages

Wenn es um die Nachfolge von Angela Merkel als Kanzlerin geht, wird man sich an den beherzten Auftritt des Bayern möglicherweise erinnern.

Auftritt wie ein Gewitter: Markus Söder.
Auftritt wie ein Gewitter: Markus Söder.Foto: Nicolas Armer/dpa

Für Markus Söder brauchte es kein langes Abwägen. Als Erster aus der Unionsriege stand der CSU-Chef am Mittwoch mit breiter Brust im Scheinwerferlicht und tat unmissverständlich kund, was er von den Vorgängen in Erfurt hielt. „Das ist kein guter Tag für Thüringen, kein guter Tag für Deutschland und erst recht keiner für die Demokratie in unserem Land.“ Die Ministerpräsidentenwahl mit Stimmen der AfD sei „ein inakzeptabler Dammbruch“ gewesen.

Ein Auftritt wie ein Gewitter. Donnernd, aber auch klar und bereinigend: Hier ist Schluss, da steht die Brandmauer der Bürgerlichen. Und viele rieben sich die Augen – war das nicht dieser Ehrgeizling, dem Horst Seehofer „charakterliche Schwächen“ vorgeworfen hatte? Welch eine wundersame Wandlung, vom einstigen Schmutzel-Markus zum Politiker mit Rückgrat.

In den Netzwerken feiern ihn nun plötzlich auch politische Gegner als Helden, als „Stimme der Vernunft“. Dabei war der Franke schon früher nicht nur für seine Lust auf Attacken, sondern auch für seine Anpassungsfähigkeit bekannt – neues Amt, neuer Söder. Aus dem Denkzettel der Bayernwahl hatte der zum Landesvater und Parteichef Aufgestiegene zuletzt die Einsicht bezogen, dass die Irrlichtereien in der Flüchtlingspolitik möglicherweise ja ein Fehler waren. Und dass seine CSU schon aus Selbsterhaltungstrieb die AfD tunlichst nicht nachzuahmen, sondern sich von ihr abzugrenzen habe.

Was ein Söder anpackt, das macht er mit Wumms. So hebt er sich nun auch in der Grenzziehung zu den Rechtsextremen ab von all den Unionsgrößen, die sich erst später und verhaltener von der Thüringen- CDU distanzierten. Er stand schon wie ein Fels, als seine Parteifreundin Dorothee Bär den mit AfD-Stimmen ins Amt Gehievten noch beglückwünschte. Als sich Jens Spahn noch mit Coronaviren beschäftigte und Friedrich Merz mit seinem Abschied von Blackrock.

Nein, nicht AKK, Laschet, Spahn oder Merz – Söder war der Mann des Tages. Zwar hat der 53-Jährige beteuert, dass ihn nichts nach Berlin zieht. Doch wenn es um die Merkel-Nachfolge geht, wenn sich ernsthaft die Frage stellt, wer das Format dafür hat und die Klarheit, dann wird man sich womöglich auch an diesen Auftritt erinnern. Vielleicht werden sie ihn noch bitten, den Franken mit der breiten Brust.

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