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#NousToutes-Bewegung in Paris : Frankreich protestiert gegen Gewalt an Frauen

Ermordet vom eigenen Mann - weltweit passiert das tausendfach. Französische Frauenrechtlerinnen gehen deshalb auf die Straße. Wo sind die Ursachen der Femizide?

#NousToutes heißt die Bewegung der Demonstranten.
#NousToutes heißt die Bewegung der Demonstranten.Foto: Alain JOCARD / AFP

In Frankreich hat es in diesem Jahr mindestens 115 Femizide gegeben - also die Tötung von Frauen durch ihre Partner. Auf diese hohe Zahl machen Frauenrechtlerinnen am Samstag in Paris aufmerksam. Tausende Frauen werden erwartet, die unter dem Motto #NousToutes (Wir alle) auf die Straße gehen, um gegen Gewalt an Frauen und Diskriminierung zu protestieren. Schon im vergangenen Jahr hatte die #NousToutes-Bewegung Demonstrationen in Frankreich organisiert.

Am Montag will die französische Regierung die Ergebnisse eines Runden Tischs gegen häusliche Gewalt vorstellen. Experten des Europarats hatten Frankreich diese Woche einen Mangel an Schutzunterkünften und zu laxe Gesetze vorgeworfen.

Ein Überblick über die Opfer, Täter und Ursachen von Femiziden:

Die Opfer: 2017 wurden laut einem Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) weltweit etwa 87.000 Frauen und Mädchen ermordet. In 58 Prozent der Fälle stammte der Täter demnach aus dem engsten Umfeld des Opfers. 30.000 Frauen wurden von ihrem Ehemann oder Partner getötet, 20.000 von einem anderen Familienmitglied.

Allgemein werden deutlich mehr Männer ermordet als Frauen: 80 Prozent der Mordopfer sind männlich. Doch Männer werden viel seltener von ihrer Partnerin oder ihrem Partner getötet. Bei Männern liegt dieser Anteil unter 20 Prozent, bei Frauen sind es 82 Prozent.

Für Frauen in Afrika ist die Gefahr laut dem Bericht am größten, von ihrem Mann oder einem Familienmitglied ermordet zu werden, in Europa am geringsten. In absoluten Zahlen gibt es in Asien die meisten Opfer. 2017 wurden dort 20.000 Frauen von Personen aus ihrem engsten Umfeld getötet.

In Deutschland wurden 2017 laut einem Bericht des Bundeskriminalamtes 455 Menschen von ihrem aktuellen oder früheren Partner getötet. 80 Prozent der Opfer waren Frauen. Außerdem gab es demnach in (Ex-)Partnerschaften unter anderem 11.788 Fälle von gefährlicher Körperverletzung, 2705 Vergewaltigungen und 1564 Fälle von Freiheitsberaubung mit Frauen als Opfer.

„Pas une de plus“ (Nicht noch eine).
„Pas une de plus“ (Nicht noch eine).Foto: Alain JOCARD / AFP

Die Täter: „Viele Femizid-Opfer werden von ihrem derzeitigen oder früheren Partner getötet oder auch von ihrem Vater, Bruder, der Mutter, der Schwester oder anderen Familienmitgliedern wegen ihrer Rolle und ihres Status als Frau“, heißt es in dem UNODC-Bericht. Die Morde seien meist keine spontanen Taten, sondern „der Höhepunkt vorangegangener geschlechtsspezifischer Gewalt“. Zu den Motiven gehörten „Eifersucht und Angst vor dem Verlassenwerden“.

Als Ursachen für Frauenmorde nennt der WHO-Bericht das ungleiche Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen und den „weit verbreiteten Einsatz von Gewalt zur Konfliktlösung“.

Die Ursachen: Unter schwierigen Lebensbedingungen, wie zum Beispiel in Armut oder Krieg, nimmt die Gewalt gegen Frauen zu. Auf der UN-Liste der Länder mit der höchsten Rate von Frauenmorden stehen lateinamerikanische und afrikanische Staaten weit oben - Länder, in denen Bandenkriminalität, ethnische Gewalt, Arbeitslosigkeit und Armut herrschen. Ganz oben steht El Salvador (13,9 Morde pro 100.000 Frauen im Jahr 2017), gefolgt von Jamaika (elf Morde pro 100.000 Frauen).

Sehr hoch ist die Quote auch in der Zentralafrikanischen Republik und in Südafrika. Die tatsächlichen Zahlen liegen vermutlich höher, da die offiziellen Statistiken der einzelnen Länder teils lückenhaft sind. In vielen Kriegen wird Gewalt gegen Frauen - Vergewaltigung, Versklavung und Mord - als systematisches Mittel der Kriegsführung eingesetzt.

Eine andere Ursache sind sogenannte Ehrenmorde: Weltweit werden nach UN-Angaben jährlich rund 5000 Ehrenmorde registriert. Dabei töten Angehörige eine Frau, weil sie angeblich gegen religiöse oder traditionelle Sitten oder Werte verstoßen hat, zum Beispiel Sex vor der Ehe hatte.

Die Opfer werden erschossen, gesteinigt, verbrannt, lebendig begraben, erstochen, erstickt oder erdrosselt - mit „entsetzlicher Regelmäßigkeit“, wie die UNO beklagt. Die Täter bleiben häufig straffrei. Die meisten „Ehrenmorde“ - etwa 1000 pro Jahr - gibt es in Indien. (AFP)

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