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Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist bei der Aufzeichnung seiner Neujahrsansprache zu sehen.

© Imago/Metodi Popow

Schlechte Umfrage für den Kanzler: Merz hat die Erwartungen von 70 Prozent der Wähler nicht erfüllt

Die Hoffnungen auf einen Politikwechsel waren nach drei Jahren Ampel bei vielen groß. Doch nun zeigen sich die Wähler enttäuscht von der Arbeit des Kanzlers. Und wie sieht es mit der FDP aus?

Stand:

Friedrich Merz war im vergangenen Jahr als Kanzler mit der schwarz-roten Bundesregierung angetreten, um die Stimmung in Deutschland zu drehen, einen Strukturwandel einzuleiten und die Wirtschaft anzukurbeln. Große Reformen sind bisher allerdings Fehlanzeige. Aus der Wirtschaft sind überwiegend pessimistische Stimmen zu vernehmen, viele Menschen sorgen sich um ihren Arbeitsplatz.

Und so ist eine klare Mehrheit der Menschen in Deutschland unzufrieden mit Merz. 70 Prozent der Bevölkerung geben in einer vom Meinungsforschungsinstitut Civey für das „Handelsblatt“ („HB“) durchgeführten Umfrage an, dass der Kanzler mit seiner bisherigen Arbeit ihre Erwartungen nicht erfüllt habe.

„Die Hoffnung, dass nach drei Jahren Ampel-Regierung ein politischer Neuanfang gelingen könnte, ist im vergangenen Jahr schnell verblasst“, schreibt Janina Mütze, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts Civey, in einem Gastbeitrag für das „HB“. Bemerkenswert sei dabei, dass selbst unter den eigenen Parteianhängern des CDU-Chefs ein signifikanter Anteil diese Einschätzung teile.

Parallel dazu verfestigt sich der Eindruck einer wachsenden Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft.

 Janina Mütze, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts Civey

Mütze schreibt weiter: „Parallel dazu verfestigt sich der Eindruck einer wachsenden Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft. Sichtbar wurde das zuletzt auf dem Arbeitgebertag, als die Ausführungen von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas aus dem Publikum mit Gelächter quittiert wurden.“

Für den Kanzler werde es im kommenden Jahr darauf ankommen, innenpolitisch spürbare Fortschritte zu erzielen, so Mütze. Als Gründe für die Enttäuschung nennen die Deutschen Mütze zufolge vor allem seine starke Rücksicht auf den Koalitionspartner, fehlende Führungsstärke und zu wenig Mut zu unpopulären Entscheidungen.

Ob sich daran 2026 etwas ändert, sei offen. „Fünf Landtagswahlen, drohende AfD-Erfolge in Ostdeutschland und innerparteiliche Konflikte erschweren die Regierungsarbeit“, schreibt Mütze. Von der Unzufriedenheit profitiere vor allem die AfD, sie liegt auch in einer anderen aktuellen Umfrage weiter vor der Union.

Schlechte Prognose für die FDP

Merz hatte zu Weihnachten Probleme eingeräumt. So sagte er in einer Rede an die CDU-Mitglieder zur Regierungsarbeit: „Es gab Diskussionen und nicht alles verlief völlig reibungslos. Es ist klar, dass eine Koalition auch uns als CDU und unseren Mitgliedern etwas zumutet“, sagte der Kanzler. Viele Entscheidungen kämen erst in die Umsetzung oder wirkten langfristig.

An eine schnelle Rückkehr der FDP in den Bundestag glaubt Mütze nicht. Zwar sagen 32 Prozent der Befragten, die FDP im Bundestag zu vermissen. Und über 40 Prozent geben an, eine an Bürgerrechten, an Marktwirtschaft oder an Haushaltsdisziplin orientierte Politik zu vermissen.

Dennoch bleibe der Weg der FDP zurück in den Bundestag schwierig. „Ohne parlamentarischen Einfluss und bei noch nicht zurückgewonnenem Vertrauen lässt sich diese Zustimmung nicht so leicht in politische Wirkung übersetzen.“ (lem)

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