Schwieriges G7-Treffen in Kanada : Nicht reden ist auch keine Lösung

Mit US-Präsident Donald Trump am Tisch werden internationale Begegnungen problematischer. Doch die Politik darf deswegen nicht auf Gipfel wie das G-7-Treffen verzichten. Ein Kommentar.

Auch schon kein einfaches Gespräch: Merkel und Trump beim G-7-Gipfel im italienischen Taormina.
Auch schon kein einfaches Gespräch: Merkel und Trump beim G-7-Gipfel im italienischen Taormina.Foto: Michael Kappeler/dpa

Es gab einmal eine Zeit, da wuchs die Runde fast automatisch. Aus G6 wurde G7, daraus erst G8, G8 plus 5 und daraus als eigenes Forum die G20. Doch die Welt hat sich geändert, und nicht nur wegen Donald Trump. Auch Europa ist schwer mit sich selbst beschäftigt, das Wahlergebnis im G-7-Land Italien ist dafür nur das jüngste Indiz. Also warum überhaupt noch ein enorm aufwendiges und teures Gipfeltreffen der sieben führenden Industriemächte, wenn kaum einer mit zukunftsweisenden Ergebnissen rechnet? Wäre es nicht viel ehrlicher, die neuen Realitäten anzuerkennen und dem Multilateralismus als Ausdruck der westlichen Wertegemeinschaft abzuschwören?

Ganz sicher nicht. Denn es hilft ja nichts: Auf den Dialog kann die internationale Politik nicht verzichten, will sie dramatische Eskalationen vermeiden. Auch wenn der Umgang mit dem US-amerikanischen Partner derzeit mühsam wie selten zuvor ist, wie selbst die Kanzlerin unumwunden zugibt. Ja, die Problemfelder Iran, Handel und Klima sind drängend, und gerade bei Letzterem – dem einstigen Megathema – ist am Wochenende kaum mit den eigentlich so notwendigen Fortschritten zu rechnen.

Von 6 plus 1 ist in diesen Tagen die Rede, davon, dass sich Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada gegen die USA stellen müssten, wenn diese sich weiterhin so bockig verhalten. Und Donald Trump reist entsprechend gerüstet an. Er werde in Kanada beim Thema Handel für die USA kämpfen, denn sein Land habe die schlechtesten Handelsverträge aller Zeiten abgeschlossen, tönte er am Donnerstag via Twitter.

Dabei würden unter einem ausgewachsenen Handelskrieg vor allem Trumps Wähler in den ländlichen Regionen leiden. Und der eigentliche Gegner des US-Präsidenten in der Handelspolitik, da sind sich die Experten einig, ist nicht die EU, sondern China. Diese Karte könnten die G-7-Partner spielen, eine gemeinsame Strategie im Umgang mit dem als Rivale auftretenden Reich der Mitte muss das Ziel sein. Derzeit kämpft Trump an mehreren Fronten. Dass es weniger werden, sollte in seinem Interesse liegen. Der US-Präsident liebt es, persönlich zu dealen. Das ist bei einem Gipfel in kleiner Runde möglich, trotz allem.

Partner China ist problematisch

Denn ganz im Ernst: Ein Bündnis mit China, von dem manche schon träumen, kann das transatlantische nicht ersetzen. China spricht viel über Freiheit, Offenheit und Multilateralismus – Werte, für die der Westen steht. Aber die Realität sieht ganz anders aus, wie der stellvertretende EU-Kommissionschef Jyrki Katainen vor kurzem ausführte: Während chinesische Firmen problemlos in der EU investieren könnten, sei dies umgekehrt nicht der Fall. Und der Schutz geistigen Eigentums, das wissen deutsche Unternehmer nur zu gut, ist in China eher ein Fremdwort.

„Es hat keinen Sinn, Unterschiede beliebig zuzukleistern“, sagt Angela Merkel mit Blick auf das Trumpsche Amerika. Aber es hat auch keinen Sinn, sie überzubetonen und deswegen den Dialog gar nicht mehr zu versuchen. Versuch macht klug, heißt es. Und einen Versuch müssen die an globalen Lösungen interessierten Staats- und Regierungschefs in Charlevoix wagen. Mindestens den.

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