Seit der Wahl Donald Trumps : Die Deutschen wenden sich von den USA ab

Es ist paradox: Während die Mehrheit der Amerikaner das Verhältnis zu Deutschland für gut hält, urteilen die Deutschen in einer Umfrage deutlich negativer.

Donald Trump bei einem Empfang für die Justizminister des Landes am Montag im Weißen Haus.
Donald Trump bei einem Empfang für die Justizminister des Landes am Montag im Weißen Haus.Foto: Mandel Ngan/AFP

Die Wahl von US-Präsident Donald Trump hat dem deutsch-amerikanischen Verhältnis massiv geschadet - aber vor allem aus deutscher Sicht. Während die Deutschen die transatlantischen Beziehungen mit wachsender Sorge betrachten, stehen ihnen die Amerikaner weiterhin positiv gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Washingtoner Pew Research Centers und der deutschen Körber-Stiftung, für die Umfragen im Sommern und Herbst 2018 durchgeführt wurden.

Der Studie zufolge, die am Montagabend im Beisein der deutschen Botschafterin Emily Haber in Washington vorgestellt wurde, nannten 74 Prozent der Befragten in Deutschland die Beziehungen zu den USA schlecht, 17 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2017. Sieben von zehn Amerikanern wiederum erklärten, dass sich ihre Einstellung gegenüber Deutschland im gleichen Zeitraum nicht verändert habe.

"Mit der Wahl von Donald Trump haben sich das Image der USA und das Vertrauen in den amerikanischen Präsidenten enorm verschlechtert", schreiben die Autoren der Studie, Jacob Poushter und Alexandra Castillo. Nur einer von zehn Befragten in Deutschland habe Vertrauen in Trump und nur drei von zehn hätten ein positives Bild von den USA. Das sei "ein Grad an Abneigung", den es seit dem Ende der Amtszeit von Präsident George W. Bush nicht gegeben habe.

Die Deutschen wollen eine eigenständige Außenpolitik

Fast drei Viertel der Befragten vertreten außerdem die Auffassung, dass Berlin sich von Washington lösen und eine von den USA unabhängige Außenpolitik betreiben müsse. Dazu kommt, dass in Deutschland fast doppelt so viele Befragte (69 Prozent) wie in Amerika (35 Prozent) für eine intensivere Zusammenarbeit mit Russland plädieren. Dagegen sprechen sich rund zwei Drittel der Amerikaner dafür aus, die Beziehungen zu Deutschland und den europäischen Partnern so eng wie bisher zu belassen.

Immerhin sehen die Befragten in beiden Ländern engere Beziehungen zu ähnlichen Ländern als wichtig an, wenn auch in unterschiedlicher Rangfolge. Die Deutschen bezeichnen das Verhältnis vor allem mit dem Nachbarn Frankreich (61 Prozent) als wichtig, darauf folgen weit abgeschlagen die USA (35 Prozent), Russland (17 Prozent), China (12 Prozent) und Österreich (sieben Prozent). Die USA wiederum sehen Großbritannien als wichtigsten Partner an (37 Prozent), gefolgt von China (26 Prozent), Kanada (25 Prozent), Israel (12 Prozent) und Russland (10 Prozent).

Interessant ist auch, dass trotz Trumps Kritik an den Nato-Partnern das Atlantische Bündnis weiterhin als relevant empfunden wird. In den USA äußerten 64 Prozent der Befragten darüber eine positive Meinung, in Deutschland 63. Verändert hat sich der Umfrage zufolge aber die Bereitschaft der Deutschen, die Verteidigungsausgaben anzuheben. Hatten sich im vergangenen Jahr nur 32 Prozent dafür ausgesprochen, waren es nun 43 Prozent. Umgekehrt bezeichneten es nur noch 39 Prozent der Amerikaner als notwendig, dass Deutsche und Europäer hier mehr investieren, 2017 waren es noch 45 Prozent gewesen.

Der Klimawandel sorgt die Amerikaner weniger als die Deutschen

Auch beim Blick auf das aufsteigende China ähnelt sich die Einschätzung überraschend stark: Nur 39 Prozent der Deutschen und 38 Prozent der Amerikaner sehen die Volksrepublik positiv. Bislang waren vor allem die USA als Kritiker Chinas hervorgetreten.

Die Bürger beider Länder stimmen auch bei der Einschätzung internationaler Bedrohungen weitgehend überein. Als größte globale Gefahren nannten die Befragten beiderseits des Atlantiks übereinstimmend Cyberattacken, die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und den Klimawandel. Bei letzterem äußern sich die Deutschen aber wesentlich stärker besorgt als die US-Bürger. In Deutschland nannten 71 Prozent die Erderwärmung eine große Bedrohung, in den USA lediglich 59 Prozent. Der Klimawandel wird von Trump immer wieder in Frage gestellt. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt verkündete er zudem den Ausstieg der USA aus dem globalen Pariser Klimaschutzabkommen.

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