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Syrien : Russland und Syrien setzen Luftangriffe auf Idlib fort

Syrische Armee-Hubschrauber sollen Fassbomben abgeworfen haben. Am Montag spricht ein UN-Sondergesandter erneut mit Vertretern Russlands, Irans und der Türkei.

Rauchwolken über Al Habit, einem Ort in der Provinz Idlib.
Rauchwolken über Al Habit, einem Ort in der Provinz Idlib.Foto: OMAR HAJ KADOUR / AFP

Die Vereinten Nationen starten an diesem Montag einen neuen Versuch, den seit mehr als sieben Jahren tobenden Krieg in Syrien zu beenden. In Genf trifft der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura zunächst zu vertraulichen Gesprächen mit Vertretern Russlands, Irans und der Türkei zusammen.

Ende der Woche sollen dann Gespräche mit Vertretern mehrerer westlicher Nationen, darunter auch Deutschland, folgen. Offizieller Gegenstand der Gespräche ist die Bildung einer verfassungsbildenden Versammlung für Syrien. De Mistura äußerte die Erwartung, damit ein Fundament für neue Friedensgespräche zu legen.

In der Zwischenzeit haben russische und syrische Kampflugzeuge am Sonntag ihre schwere Luftangriffe gegen Ziele in der syrischen Provinz Idlib fortgesetzt. Weit über 150 Bombardements trafen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bislang am Wochenende den Süden der Provinz sowie den Norden der angrenzenden Region Hama. Dabei hätten syrische Armee-Hubschrauber auch Fassbomben auf Dörfer im Süden der von Aufständischen gehaltenen Provinz im Nordwesten des Landes abgeworfen, berichteten Augenzeugen und Rettungskräfte. Dabei handelt es sich um mit Sprengstoff und Schrapnells gefüllte Behälter. Die syrische Armee bestreitet den Einsatz der geächteten Fassbomben; Experten der Vereinten Nationen haben dafür wiederholt Belege vorgelegt.

Nach Darstellung von Rebellen griffen russische Flugzeuge Ziele in den Orten Latamne und Kafr Seita an. Größere Städte wurden bisher nicht von den neuen Angriffen in Idlib erfasst.

Zusätzlich gab es Beschuss mit Artillerie und Raketen. Ein Krankenhaus in der Rebellenstadt Al-Lataminah in Hama musste den Betrieb wegen der Angriffe einstellen. Die staatlichen Nachrichtenagentur Sana bestätigte, die Armee habe in dem Gebiet Extremisten beschossen. Seit Freitag flohen etwa 5000 Menschen innerhalb der Region. Ob es sich bei den Attacken schon um den Start der befürchteten Großoffensive handelt, bewerteten Beobachter aber zurückhaltend.

Russland und der Iran unterstützen die Armee von Machthaber Baschar al-Assad. Nach sieben Jahren Bürgerkrieg ist Idlib die letzte große Rebellenhochburg. Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich dort etwa 10.000 Kämpfer verschanzt haben. Die meisten haben sich radikal-islamistischen Gruppen angeschlossen. In der Region leben etwa drei Millionen Menschen. Die UN fürchten, dass die Offensive der syrischen Armee Millionen Menschen in die Flucht treibt, die meisten über die nahe Grenze zur Türkei.

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Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu betonte am Samstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Antalya, dass sich die Türkei weiter darum bemühe, ein „humanitäres Drama“ in Idlib zu vermeiden. Sollten Menschen in Richtung türkische Grenze fliehen, betreffe das nicht nur die Türkei, sondern auch Europa. Der Agentur zufolge rüstete Ankara an der Grenze abermals auf: Ein Konvoi mit Panzern und Granatwerfern sollte die Truppen in der Region verstärken. (Reuters, AFP)

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