TSG in der „Trümmer-Troika“ : Rettet ausgerechnet er die SPD? Könnte sein

Thorsten Schäfer-Gümbel ist genau der Typ Politiker, den die Sozialdemokraten nach dem Rücktritt von Andrea Nahles brauchen. Ein Kommentar.

Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Vorsitzender in Hessen, am Montag in Berlin.
Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD-Vorsitzender in Hessen, am Montag in Berlin.Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Da sucht die SPD nun eine oder einen oder zwei, die sie repräsentieren. Eine nicht ganz einfache Suche. Nun hat man ja auf den ersten Blick das Gefühl, die Zeiten der „Troika“ kehrten zurück, damals mit Rudolf Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder, nur eben unter verkehrten Vorzeichen. Damals, in den neunziger Jahren im Westen, ging es ums Siegen, heute darum, sich nicht ganz zu verlieren. Beginnen wir dennoch mal damit, mit der Rückschau.

Er gestattet immerhin den Hinweis: Schlecht war die Idee nicht. Wenn nämlich diese drei durchgehalten, zwei davon sich im Zaum gehalten, ihre Egos zurückgehalten hätten – die SPD hätte 1994 davon profitiert. Scharping, Helmut Kohls SPD-Nachnachfolger als Regent in Rheinland-Pfalz, zu der Zeit noch „Genosse Scharfsinn“ genannt, hätte Kohl wirklich und nicht nur um ein Haar auf Bundesebene geschlagen. Man stelle sich vor: Scharping hatte Chancen, Kanzler zu werden. Und wer weiß, wo und wie die SPD heute dastünde. Das mit dem Gewinnen sagten übrigens die Meinungsforscher. Bloß die Jungs, die sich um die Förmchen im Sandkasten stritten, wie Ministerpräsidentin Heide Simonis mal meinte, die hatten eine andere Meinung, vor allem eine besonders hohe von sich. So ging das am Ende nicht zusammen, sondern auseinander. Chance passée.

Seit Jahren unterschätzt

Nun gilt aber seither, dass etwas größer ist als der Einzelne, nämlich die Sozialdemokratie als eine Vorstellung vom besseren Leben. Und hier kommt der männliche Teil der „Trümmer- Troika“ ins Spiel. Der Hesse Thorsten Schäfer-Gümbel, knapp 50, hört auch demnächst auf, wird Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dabei ist er – neben den Frauen Manuela Schwesig und Malu Dreyer, deren Bedeutung für die SPD gerade gar nicht überschätzt werden kann – der Typus Sozialdemokrat, den die SPD seit Jahren unterschätzt. Wie man jetzt sieht. Es geht um den Typus „ehrbar, arbeitsam, gründlich“ und, daraus folgend, vertrauenswürdig.

Es war TSG, der vor den anderen diese Themen gründlichst bearbeitet hat: bezahlbares Wohnen, gute und gebührenfreie Bildung, bessere Verkehrsverbindungen, gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land. Er hat damit früh die Themen der absoluten Mehrheit der Bevölkerung angesprochen. Nicht bloß in Hessen. Wer will schon mehr als ein Drittel seines Einkommens für die Miete aufbringen müssen? Sein ärgster Gegner aber war: genau, die SPD. Die im Bund, die wieder einmal um sich selbst kreiste.

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Die Frauen und der ehrbare Sozi, diese drei können jetzt im Bund zeigen, dass es auch anders geht. Und wenn es anders geht, dann wäre es gut für die SPD, sich immer mal wieder daran zu erinnern: Gemeinsam ist man stärker. Man kann sogar gewinnen.

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