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Vorwahlkampf der US-Demokraten : Joe Biden auf dem Weg zur Nominierung

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden kann sich erneut über einen erfolgreichen Wahlabend freuen. Für den linken Senator Bernie Sanders wird es nun sehr schwer.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden mit seiner Frau Jill Biden in Philadelphia, Pennsylvania.
Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden mit seiner Frau Jill Biden in Philadelphia, Pennsylvania.Foto: MANDEL NGAN/AFP

Mit einem weiteren erfolgreichen Wahlabend hat sich der US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden von seinem letzten verbliebenen Konkurrenten Bernie Sanders abgesetzt. Der ehemalige Vizepräsident gewann Prognosen zufolge die Vorwahl der Demokraten am Dienstag in den Bundesstaaten Michigan, Mississippi, Missouri und Idaho.

Der linksgerichtete Senator Bernie Sanders konnte sich lediglich in North Dakota durchsetzen. Allerdings war der Ausgang im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA auch am Mittwochmorgen (Ortszeit) noch offen. Insgesamt wurde über 352 der 3979 Delegierten entschieden.

Der Wahlausgang in Michigan ist bemerkenswert

Vor allem Bidens offenbar überraschend deutlicher Sieg in Michigan ist bemerkenswert. In diesem Industriestaat im Mittleren Westen der USA ging es um 125 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli. Mindestens 1991 Delegierte braucht, wer dort zum Kandidaten gewählt werden will.

Immer schwieriger wird es nun für Sanders, den Trend noch umzukehren, auch wenn es nicht ausgeschlossen ist. Noch am Dienstagabend wurden zwar Stimmen laut, die ihn aufforderten, aus dem Rennen auszusteigen, um die Demokratische Partei nicht unnötig zu spalten. Dem wird er aller Voraussicht nach aber nicht nachkommen. Am Wahlabend lehnte er es erstmals ab, sich zu den Ergebnissen zu äußern.

"Ein weiterer guter Abend"

Dagegen wandte sich Biden aus Philadelphia (Pennsylvania) an seine Unterstützer. Es sehe nach "einem weiteren guten Abend aus", rief er ihnen zu. "Heute Nacht sind wir dem Ziel einen Schritt näher gekommen, wieder Würde, Anstand und Ehre im Weißen Haus einzuführen", sagte Biden. "Wir brauchen amerikanische Führung."

Gleichzeitig bedankte er sich bei Sanders und dessen Unterstützern für ihren "unermüdlichen und leidenschaftlichen Wahlkampf". Gemeinsam werde man US-Präsident Donald Trump besiegen.

Viele neue Unterstützer für Joe Biden

Biden, der bereits seit dem "Super Tuesday" am vergangenen Dienstag bei der Zahl der Delegierten in Führung lag, konnte seinen Vorsprung weiter ausbauen. Dabei geholfen haben sicherlich die Mitbewerber, die in der letzten Woche aufgegeben und sich mehrheitlich auf seine Seite geschlagen hatten.

So hatten sich der Milliardär Michael Bloomberg, der ehemalige Bürgermeister Pete Buttigieg und die Senatorin Amy Klobuchar für den als moderat geltenden Biden als Kandidaten ausgesprochen. Ihre Begründung: Dieser sei am ehesten in der Lage, die Partei zu einen und Trump bei der Wahl im November zu schlagen.

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Auch zwei schon früher ausgeschiedene Bewerber, Kaliforniens Senatorin Kamala Harris, Senator Cory Booker aus New Jersey sowie der ehemalige Abgeordnete aus Texas, Beto O'Rourke, wollen nun für den ehemaligen Vizepräsidenten Wahlkampf machen. Und noch am Wahlabend sprach sich der Tech-Unternehmer Andrew Yang für Biden aus, der beim letzten Mal noch Sanders gegen die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton unterstützt hatte.

Andrew Yang spricht sich für Joe Biden aus

Die Senatorin Elizabeth Warren, die als letzte aufgegeben hatte und ähnliche Positionen wie Sanders vertritt, hat sich dagegen noch nicht entschieden. Ihre Wähler sind aber offenbar in großen Teilen bereits in das Lager von Biden gewechselt.

Seit der Vorwahl in South Carolina feiert Biden einen Erfolg nach dem anderen. Dort hatten dem einstigen Stellvertreter des ersten schwarzen Präsidenten Barack Obama vor allem die afroamerikanischen Wähler einen klaren Sieg beschert. Am "Super Tuesday", wo am 3. März in 14 Bundesstaaten abgestimmt wurde, gewann er dann überraschend in zehn Staaten. Inzwischen ist er 77-Jährige wieder der klare Favorit auch in den nationalen Umfragen und scheint nur noch schwer aufzuhalten.

Bernie Sanders will weitermachen

Für Sanders läuft es dagegen alles andere als rund. Der 78-jährige Senator hatte seinen Wahlkampf in den vergangenen Tagen sehr auf Michigan fokussiert, wo er bei den Vorwahlen 2016 gegen Clinton gewonnen hatte. Michigan sei für das Rennen "sehr, sehr bedeutsam", hatte Sanders am Wochenende erklärt, aber auch betont, dass er auf keinen Fall aufgeben werde, sollte er dort unterliegen.

Michigan ist ein "Swing State", bei dem das Rennen zwischen Demokraten und Republikanern traditionell knapp ausfällt. Hier gewann Trump vor vier Jahren gegen Clinton, und auch bei der Präsidentschaftswahl im November könnte dieser Staat eine entscheidende Rolle spielen.

Die Wahlen am Dienstag widerlegten erneut Sanders' These, dass er Scharen von bisherigen Nichtwählern mobilisieren könne. Zwar schneidet er bei jüngeren Wählern deutlich besser ab als Biden. Aber offensichtlich gehen diese nicht auffallend häufiger zu Wahl als in früheren Abstimmungen.

Die Coronavirus-Krise hat den Vorwahlkampf erreicht

Welche Auswirkungen die sich verschärfende Coronovirus-Krise auf die Wahlbeteiligung hatte, ist noch nicht klar. Sowohl Biden als auch Sanders sagten für Dienstagabend geplante Auftritte in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab, wo in einer Woche gewählt wird. Zur Begründung verwiesen ihre Wahlkampfteams auf Bedenken der Behörden hinsichtlich größerer Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen. Außerdem verkündetet der Sender CNN, dass die anstehende TV-Debatte zwischen Biden und Sanders am kommenden Sonntag ohne Publikum ausgetragen wird.

Neben Ohio wird in einer Woche auch in den Bundesstaaten Arizona, Florida und Illinois abgestimmt. Auch dann geht es noch einmal um viele Delegiertenstimmen. Sollte Biden hier ebenfalls so stark abschneiden, wird es wirklich eng für Sanders.

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