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An vielen Flughäfen Deutschlands herrschte in den vergangenen Wochen Chaos
© dpa/Roberto Pfeil

Trotz Ausnahmeregelung der Bundesregierung: Warum immer noch keine Saisonarbeiter aus der Türkei an Flughäfen arbeiten

Seit Wochen herrscht an deutschen Flughäfen Chaos. Das hängt vor allem mit dem Personalmangel dort zusammen.

Von Lea Schulze

Endlos lange Schlangen, verspätete oder gar gestrichene Flüge: Für viele, die in den Urlaub fliegen, ist der Start in diesen bisweilen frustrierend.

Seit Wochen herrscht Chaos an den deutschen Flughäfen und die Personaldienstleister können mangels verfügbarer Arbeitskräfte kaum aushelfen. Hinzu kamen jüngst Streiks des Bodenpersonals, ein Streik der Pilot:innen könnte folgen.

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Verzweifelt hatte sich die Luftverkehrsbranche im Mai an die Bundesregierung gewandt und um kurzfristige Hilfe gebeten.

Luftverkehrsbranche wandte sich an Bundesregierung

Die Bundesregierung habe auf ausdrückliche Bitten der Luftverkehrswirtschaft ausnahmsweise und innerhalb kürzester Zeit die arbeits- und einreiserechtlichen Voraussetzungen für eine auf drei Monate befristete Arbeitsaufnahme von Arbeitskräften aus einem Drittland, hier der Türkei, geschaffen, sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Digitalisierung und Verkehr dem Tagesspiegel.

„Die Gespräche mit den Ländern, um unbürokratische Verfahren der Länder gerade bei der allgemeinen Mitarbeitergewinnung voranzutreiben, haben wir angeregt.“
Der Bundesregierung sei von der Luftverkehrswirtschaft ein hoher vierstelliger Bedarf an Hilfskräften für die Bodenabfertigungsdienste für die Bewältigung der Sommerreisewelle angetragen worden.
Tatsächlich nachgefragt worden seien bis zum 3. August jedoch nur eine Anzahl von türkischen Arbeitskräften in einem geringen dreistelligen Bereich.

„Dass diese geringe Anzahl auf die Anforderungen des Bundes an türkische Arbeitskräfte zurückzuführen ist, ist nicht ersichtlich.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte im Juni versprochen, mit sehr kurzfristigen Maßnahmen zu helfen.

„Wir ermöglichen, dass die Unternehmen Hilfskräfte aus dem Ausland, vor allen Dingen aus der Türkei, einsetzen können. Die nötigen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse erteilen wir sehr schnell“ erklärte Faeser dazu in einer Pressekonferenz.

Faeser versprach kurzfristige Maßnahmen

Es gelte aber ganz klar, dass diese Hilfskräfte die gleichen strengen Zuverlässigkeitsüberprüfungen wie alle anderen durchlaufen müssten. Gleichzeitig gab die Bundesregierung das Go, dass die notwendigen Verfahren zur Zuverlässigkeitsprüfung von neuen Mitarbeitern aus Drittstaaten von den Behörden beschleunigt durchgeführt werden sollten, damit die Arbeitskräfte während der Sommermonate kurzfristig eingesetzt werden könnten. Erst in dieser Woche werden die ersten Saisonarbeiter aus der Türkei jetzt erwartet, statt 2000 sollen es nun weniger als 300 sein.

„Wenn die Peak-Zeiten vorüber sind, mehr Leute einzustellen ergibt keinen Sinn“

Thomas Richter, der das Projekt als Vorsitzender des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) in Gang gebracht hatte, sagt im Gespräch mit dem Tagesspiegel, dass die Zahl sich vor allem deswegen reduziert habe, weil in vielen Bundesländern die Sommerferien nun zuende seien oder bald endeten. „Wenn die Peak-Zeiten vorüber sind, mehr Leute einzustellen ergibt keinen Sinn. Die Leute, die jetzt kommen, gehen nach Frankfurt, Nürnberg und München, dort besteht weiterhin Bedarf, und sie können dann noch die Herbstferien mitnehmen.“

Abgeschmolzen sei die Zahl jedoch auch, weil es Irritationen hinsichtlich der geforderten Qualifikationen gegeben habe. „Teilweise ging es eben nicht nur um helfende Hände, sondern es fehlten Menschen mit einer Ausbildung, die der türkische Dienstleister nicht bieten konnte“

Komplexe Flugverkehrsüberprüfung an Flughäfen

Dass es nicht schneller geklappt habe, bedauert Richter. „Aber die Zuverlässigkeitsüberprüfung für Flughäfen ist komplex, es bedarf eines eintragsfreien Führungszeugnisses, eines lückenlosen Wohnortnachweises der letzten zehn Jahre und eines Beschäftigungsnachweises der letzten fünf Jahre.

Bei ungelernten Kräften sind die Leute eben manchmal etwas bunter, die Prüfung dauert, trotz des Entgegenkommens der Regierung.“ Dass nun doch so wenige Unternehmen das Angebot in Anspruch nehmen könnte auch damit zusammenhängen, dass mit der Vermittlung der Arbeitskräfte die horrende Dienstleistervermittlungspauschale von 4500 Euro einhergehen soll.

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