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Jens Spahn und Lothar Wieler warnen vor der dramatischen Corona-Entwicklung.
© REUTERS/Christian Mang
Update

Spahn über Lockdown auch für Geimpfte: „Wir sind in einer Lage, wo man nichts ausschließen sollte“

RKI-Präsident Wieler und Gesundheitsminister Spahn zeichnen ein dramatisches Bild der Corona-Lage. „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch“, sagte Wieler.

RKI-Präsident Lothar Wieler zeichnet ein dramatisches Bild der Corona-Lage. In mehr als einem Viertel der Landkreise liege die Sieben-Tage-Inzidenz über 500, viele Krankenhäuser seien am Anschlag, warnte Wieler auf einer Pressekonferenz in Berlin am Freitag. "Wir müssen jetzt das Ruder herumreißen. Wir dürfen wirklich keine Zeit verlieren."

In vielen Regionen seien die Klinken und Intensivstationen am Anschlag, erklärte Wieler weiter, der zusammen mit dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur aktuellen Pandemiesituation informierte. „Die medizinische Versorgung ist dort zum Teil nicht mehr gewährleistet.“ Impflücken zu schließen und 2G-Regeln reichten nicht aus. Zusätzlich brauche es eine „massive Kontaktreduktion, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“.

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Wieler rief dazu auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben, Großveranstaltungen abzusagen, die Personenzahl bei kleineren Veranstaltungen zu reduzieren und „Hotspots, wie schlecht belüftete Bars und Clubs“ zu schließen.

„Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch. Das ist eine nationale Notlage. Wir müssen jetzt die Notbremse ziehen“, warnte er.

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Der RKI-Chef verglich die Lage mit einem Tanker, der auf eine Hafenmauer zufährt. „Wenn wir sofort mit aller Kraft gegensteuern, dann wird er noch eine Weile weiterfahren und die Hafenmauer vielleicht noch seitlich rammen. Er wird sie aber hoffentlich nicht mehr frontal einreißen. Wir alle müssen jetzt gegensteuern.“ Die täglichen Fallzahlen dürfe man nicht mehr hinnehmen. Beinahe täglich vermeldete das RKI zuletzt Höchstinzidenzen, am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfektionen bei mehr als 60.000.

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Um den Anstieg der Inzidenzen zu stoppen, hatten Bund und Länder am Donnerstag einen Stufenplan verabschiedet. Ab einem Hospitalisierungswert von 3 gelten demnach die 2G-Regeln, ab einem Wert von 6 gilt 2G-plus. Dann dürfen nur Geimpfte und Genesene, die getestet sind am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Ab einem Wert von 9 dürfen auch weitergehende Maßnahmen von den Ländern ergriffen werden. Am Freitag stimmte der Bundesrat dem Gesetzespaket zu.

Hier sehen Sie die Pressekonferenz von Lothar Wieler und Jens Spahn im Video:

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Wieler mahnte außerdem eine strikte Einhaltung der 2G-Regel an. "Wenn eine 2G-Regel nicht konsequent umgesetzt wird, dann kann sie auch nicht wirken, das ist doch klar. Es muss Schluss sein damit, dass man diese Laissez-faire-Haltung hat." Das gelte für alle Bereiche, auch etwa für die Fußball-Bundesliga. "Eine Regel, die nicht eingehalten wird, macht keinen Sinn."

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht zumindest Fortschritte beim Impfen. In der kommenden Woche würden mehr als sechs Millionen Dosen ausgeliefert, nach zuvor um die vier Millionen, erklärte Spahn. Mittlerweile seien wieder mehr als 45.000 Arztpraxen an Impfungen beteiligt, im Sommer seien es 20.000 gewesen und in der Hochphase 75.000. Die Tendenz gehe also "klar in die richtige Richtung", sagt der CDU-Politiker.

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"Wir sind in einer nationalen Notlage, die auch eine gemeinsame Kraftanstrengung braucht", warnte Spahn in einem ähnlich dringlichen Ton wie Wieler. Auch er verwies dabei auf die Lage in den Krankenhäusern. Spahn sagte auch, dass er einen Lockdown für alle wie in Österreich nicht ausschließen möchte. Allein mit Impfen und Boostern werde die 4. Welle nicht gebrochen werden können.

Deshalb seien zusätzliche Kontaktbeschränkungen, wie ein "Lockdown für Ungeimpfte" notwendig. Auf die Frage, ob er einen Lockdown auch für Geimpfte – wie in Österreich – in Deutschland ausschließen würde, antwortete Spahn: "Wir sind in einer Lage, wo man nichts ausschließen sollte".

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Die Corona-Lage ist aus Sicht von Spahn ernster als vorige Woche. "Die Dynamik ist ungebrochen", erklärte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister. "Es ist zehn nach Zwölf." Schon jetzt müssten Patienten ins Ausland verlegt werden, weil die Intensivstationen voll seien. Bayern zum Beispiel hatte zuletzt Patienten nach Südtirol gebracht.

"Wir alle hatten durch die Impfungen auf einen anderen Winter gehofft", sagte Spahn. Nun sei es leider anders gekommen. "Das fällt schwer". (mit Agenturen)

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