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Wer braucht schon Meer. Entspannen am Laga-Teich in Beelitz.
© Andreas Klaer

Tourismus in Brandenburg: Ein Land zum Anbeeten

Brandenburgs Tourismus erholt sich von der Corona-Flaute. Das liegt auch an der Landesgartenschau in Beelitz, die viele Besucher anzieht.

Beelitz - Sex on the beach gibt es nicht für den Ministerpräsidenten. Am Eingang der Landesgartenschau (Laga) in Beelitz locken nur die Ingredienzien des hochprozentigen Cocktails. In runden Themengärten sind Kräuter angepflanzt, die in Bargetränke wie den genannten Sommerklassiker gehören, ein überdimensionaler Strohhalm mit entsprechender Beschriftung verdeutlicht, was aus den Pflanzen gemixt werden könnte. Doch Dietmar Woidke kommt erst etwas später zum Zug. Unweit des Kinderspielplatzes auf dem Laga-Gelände darf er vor dem Stand der Landfrauen von einem Gin Tonic kosten, mit mittelmärkischem Moody Albert, Gin aus Nuthetal. Mut antrinken muss sich der SPD-Politiker bei seiner traditionellen Tourismus-Pressefahrt am Mittwochvormittag nicht. Die Zahlen sind eher ein Grund, vorsichtig-optimistisch einen zu heben: Nach der Corona-Flaute erholt sich Brandenburgs Tourismusbranche, das Land lockt wieder Besucher an – mit der seit April laufenden Laga unter dem Motto „Gartenfest für alle Sinne“ als einem Magneten. 

Laga erwartet 450.000 Besucher bis Ende Oktober 

Demnächst werde der 350 000 Besucher erwartet, so der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (parteilos). „Unser Ziel von 450 000 Besuchern bis Ende Oktober werden wir sicher erreichen“, sagt er. Auch Woidke lobt die Macher. „Die Schau in der Spargelstadt ist zu einem wahren Aushängeschild des Landes auch für Gäste von außerhalb geworden: nachhaltig, innovativ und einfach schön anzusehen“, sagt er bei seinem Rundgang. Auf dem 15 Hektar großen Laga-Gelände am Rande der Beelitzer Altstadt wurden rund 22 Millionen Euro investiert. Hinzu kamen rund 15 Millionen Euro für die Stadtentwicklung im Zuge der Laga, davon 75 Prozent Fördermittel des Landes. Wenn die Laga Ende Oktober schließt, soll das Areal als Stadtpark erhalten werden. Mit den Ausrichtern der nächsten Laga 2027 in Wittenberge in der Prignitz sei man im engen Austausch, sagt Bürgermeister Knuth. 

Dietmar Woidke (M.) Bürgermeister Bernhard Knuth (r.) und Landrat Marko Köhler.
Dietmar Woidke (M.) Bürgermeister Bernhard Knuth (r.) und Landrat Marko Köhler.
© Andreas Klaer

Die Übernachtungszahlen steigen wieder 

Blumenschau unter freiem Himmel – coronakonformer geht es kaum. Aber auch Hotels im Land geht es nach der langen Lockdown-Durststrecke wieder besser. Die Übernachtungszahlen in Brandenburg haben im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zugelegt – auch wenn sie immer noch unter dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie liegen. Rund 5,8 Millionen Übernachtungen wurden in den märkischen Beherbergungsbetrieben gezählt, wie das Statistische Landesamt nach einer vorläufigen Berechnung am Mittwoch mitteilte. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021, in dem die Vermietung zu touristischen Zwecken bis zum 10. Juni untersagt war, sei dies eine Steigerung von 125,3 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 gab es 7,9 Prozent weniger Übernachtungen. Nach Angaben der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH wurden im ersten Halbjahr 2022 rund 2,1 Millionen Ankünfte von Gästen verzeichnet. Im Vergleich zu 2019 sei dies ein Minus von 14 Prozent, so Marketingleiter Mathias Knospe. Bei Tagungen und Kongressen laufe es noch nicht wieder. Bei naturnahem Camping und Ferienwohnungen sei die Nachfrage hingegen wieder gut. 

Die Energiekrise könnte der Tourismusbranche wieder schwer zusetzen 

„Auch dank der Hilfen von Bund und Land konnten die pandemiebeschränkten Einschränkungen über weite Strecken gut geschultert werden“, meint Regierungschef Woidke. Die allermeisten Betriebe in Brandenburg seien gut aufgestellt. Aber: Die nächsten Probleme drohen. Die Pandemie ist noch nicht überstanden und könnte im Herbst und Winter das Geschäft noch einmal beeinträchtigen. Und: Im zweiten Halbjahr 2022 könne es sein, dass Menschen wegen hoher Inflation und Energiekosten beim für Brandenburg wichtigem Kurztourismus sparen, prognostiziert Marketingexperte Knospe. Wegen der Energiekosten und Personalmangels könnten Betriebe der Branche im Winter schließen. Woidke hingegen sagt: „Ich bin zuversichtlich, dass auch die aktuellen Herausforderungen wie dem teilweisen Fachkräftemangel und der steigenden Energiepreise gemeistert werden.“ Zu schaffen machen höhere Kosten der Landesgartenschau schon jetzt. Wegen der Trockenheit und Hitze schlägt die Bewässerung sehr zu Buche. Der wetterbedingte Mehraufwand werde voraussichtlich auf einen hohen sechsstelligen Betrag hinauslaufen, rechnet die Betreibergesellschaft.  „Brandenburg. Es kann so einfach sein“ – der viel zitierte Werbeslogan des Landes gilt in diesen Zeiten für den Tourismus trotz allem Optimismus nur bedingt. Besser will da dieser Slogan passen, der auf einem Holzbilderrahmen steht, in den sich Woidke für ein Foto vor dem idyllischen Laga-Teich stellt: „Ein Land zum Anbeeten.“ 

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