
Bilder des Jahres 2018: Oh, wie schön ist Brandenburg
Seine Bilder ragen heraus aus der täglichen Bilderflut: Der Fotograf Patrick Pleul zeigt Brandenburg von seiner schönsten Seite.
Potsdam - Welcher Termin 2018 sein schönster war? Patrick Pleul muss nicht lange überlegen: Es war das Treffen mit Paul Sömmer, der in den Wäldern zwischen Himmelpfort und Lychen in der Naturschutzstation wohnt, die er leitet. Ein Eigenbrötler, der der Menschen überdrüssig ist, die sich in der Natur nicht zu benehmen wissen. Pleul und eine Reporterin waren mit Sömmer verabredet, um über seine Arbeit zu berichten.
Sömmer holte an jenem Tag drei junge Fischadler aus ihrem Nest auf einem Strommast, um sie zu beringen und zu vermessen. Seine beiden Foxterrier waren wie immer dabei – und begannen mit den Adlern zu raufen, die sich das nicht gefallen ließen. Während die Kollegin schrieb und schrieb, vertiefte sich Pleul ins Duell von Hund und Adler – und hielt das kuriose Tête-à-Tête fest.
Der 49-Jährige ist als Fotograf bei der Nachrichtenagentur dpa fürs östliche Brandenburg zwischen Uckermark und Lausitz zuständig. Eine Gegend, in der viel Zeit ist, grandiose Fotos zu machen, wenn man es kann. Seit Jahren ragen Pleuls Bilder mit ihren besonderen Blickwinkeln und Kompositionen heraus aus der täglichen Flut der Agenturfotos – erst recht, seit eine Drohne ganz neue Blickwinkel ermöglicht.
Gleich neben Potsdam und Berlin
Die Bilder stammen aus einer Region, von der eher wenig nach Potsdam und Berlin dringt, obwohl sie gleich nebenan liegt. Ein Grund mehr, ein paar Highlights aus 2018 zu zeigen. Wobei das vergangene Jahr „fototechnisch für mich nicht so toll war“, wie Pleul sagt, „viel mehr aktuelle Termine als sonst.“ Also weniger Zeit, um nachts Sternschnuppen zu jagen oder morgens um fünf zur Goldenen Stunde über die taunassen Oderauen zu streifen, wenn sich im ersten Sonnenlicht der Nebel von den Wiesen hebt. Mittags, wenn die Sonne brennt, ist die Landschaft immer noch schön, aber es liegt kein Zauber mehr über ihr.

Abends kommt der Zauber wieder. So wie an jenem Tag, als Pleul einen Mann traf, der seine Zeit an Tümpeln verbringt, um Fröschen und Kröten zu lauschen. Der Fotograf wäre dageblieben bis zur Dämmerung, hätte nicht im Auto die Reporterin gewartet.
Wenn mehr Zeit wäre, würde Pleul sie in der Uckermark verbringen mit ihren Hügeln, Tümpeln und Seen. „Aber dafür bräuchte ich mehrere Tage.“ Einfach loszufahren und zu hoffen, dass am Straßenrand das richtige Motiv vorbeizieht, ist ihm zu vage.

Beim Blick auf die von dieser Zeitung ausgesuchten Fotos sagt er, dass er im Dezember gern mehr Schnee gehabt hätte: Am besten zehn Zentimeter und dann Sonne. „Und das Mai-Motiv passt eigentlich nicht. Es ist das einzige, das in einem Gebäude aufgenommen ist.“ Aber natürlich weiß er, dass die Wendeltreppe in der Cottbuser Uni-Bibliothek wie der frische Trieb eines Farns wirkt, wenn man sie nur aus der richtigen Perspektive aufnimmt. Wenn es einer sieht, dann er.
