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Rapper Finch als Taxifahrer im neuen Brandenburger Werbe-Musikvideo.
© Landesmarketing Brandenburg/Nikita Teryoshin
Update

Neue Brandenburg-Hymne: Rapper Finch wirbt für die Mark

Tausende Klicks gleich nach der Veröffentlichung: Ein Musikvideo des Rappers Finch im Auftrag des Landesmarketings nimmt Brandenburger Klischees auf die Schippe.

Potsdam - Rainald Grebe muss jetzt ganz tapfer sein. Seit 17 Jahren gilt sein „Brandenburg“-Lied als inoffizielle Hymne der Mark. Ein Anti-Song eigentlich, über die Ödnis des Landes, Nazis auf dem Hügel, schlechtes Essen und junge Leute, die vor lauter Langeweile gegen Alleebäume gurken. Nun schickt sich ein anderer an, den neuen Soundtrack für Brandenburg zu setzen – der all die überkommenden Klischees mit viel Selbstironie auf den Kopf stellt: Finch, Battle-Rapper aus Frankfurt (Oder), wirbt in einem kultverdächtigen, am Freitag veröffentlichten Musikvideo für das Märkische – und das im offiziellen Auftrag des Landes. 

Partyhipster aus Berlin landen im Taxi 

Mit einem Taxi, rot wie der Brandenburger Adler, braust Finch über baumbestandene Landstraßen. Auf der Rückbank zwei Partyhipster aus der Hauptstadt, die offenbar nach einer durchfeierten Nacht von ihrem Nickerchen erwachen, nach draußen auf die Landschaft blicken und schockiert den Fahrer fragen: „Oh Gott, wo sind wir denn gelandet?!“ „Na jwd“, antwortet Finch und rappt ihn los, den neuen Brandenburg-Werbeslogan. „Jeder will dahin, jeder will dahin, jeder will dahin, jottweedee.“ 


Janz weit draußen ist jetzt in. Die Zahlen belegen das. Brandenburg wächst. 2021 sind 83 360 Menschen in die Mark gezogen. Rechnet man die Fortzüge ab, bleibt ein positiver Saldo von 17 000 Zuzüglern. Brandenburg ist eine Gewinnerregion – das wollen die Marketingexperten des Landes mit der vor zwei Wochen vorgestellten jwd-Kampagne transportieren. Das in der Nacht zu Freitag in den sozialen Netzwerken veröffentlichte Finch-Video ist der Überraschungscoup und das Highlight der neuen Werbekampagne.

Das Video wird nach kurzer Zeit zum Klickhit 

„Das Ding geht durch die Decke und das ist geil“, sagt Thomas Braune, Brandenburgs früherer Regierungssprecher und seit 2015 Chef des Landesmarketings in der Potsdamer Staatskanzlei. Bei Youtube wurde das Video bis Freitagnachmittag gut 4500-mal aufgerufen, bei Instagram gab es mehr als 35 000 Aufrufe – und überwiegend begeisterte Kommentare in allen sozialen Medien. „Hammer!!“, „Cooooler Song“, „Das ist ja echt mal ne geile Kampagne für Brandenburg“, „Die beste Werbung ever“ lauten einige der Facebook-Kommentare. So viel selbstironischen, lässigen Witz, scheint da durch, hätten viele den Werbestrategen des Landes nicht zugetraut.  Obwohl Brandenburg eine Zuzugsregion sei, gebe es da ein Defizit, erklärt Braune den Gedanken hinter der Kampagne. Bei den Fachkräften gebe es einen Mangel bei Menschen unter 30. „Wir müssen jünger werden“, sagt Braune, der selbst Jahrgang 1959 ist. Die Agentur habe dann ein Musikvideo vorgeschlagen. 

Finch stammt aus Brandenburg, wohnt inzwischen in Berlin 

Schnell sei die Wahl auf Finch gefallen, der wiederum sehr schnell zugesagt habe. Finch, mit bürgerlichem Namen Nils Wehowsky, ist ein echtes Brandenburger Gewächs. Kurz vor der Einheit, im April 1990, in Frankfurt (Oder) geboren, wuchs er in Fürstenwalde auf. Er machte eine Ausbildung zum Mechatroniker, arbeitete fünf Jahre in der freien Wirtschaft, begann dann ein Studium der Elektrotechnik. Seine Debütsingle „Ostdeutscher Hasselhoff“ erschien 2016. Sein drittes Album „Rummelbums“, im Februar 2022 veröffentlicht, erreichte Platz eins der deutschen Albumcharts. „Mit zwei restlos ausverkauft Tourneen überzeugte der Battle-Rapper aus Brandenburg die ganze Republik“, schreibt das Potsdamer Waschhaus, wo er Donnerstagabend auftrat. Seit 2013 lebt er in Berlin-Lichtenberg, aus beruflichen Gründen sei er da hingezogen, aber dass er durch und durch Brandenburg sei, das komme in dem Video deutlich durch, meint Landesmarketing-Chef Braune. 

"Ich bin in Brandenburg geboren und auch ein stolzer Brandenburger", sagt Finch selbst auf Anfrage. Er sei froh, "das neue Gesicht vom Land Brandenburg" zu sein. "Der Song wurde unter meinen Bedingungen produziert, anders hätte ich es auch nicht akzeptiert", sagt der Rapper. Das Video sei „100 Prozent Finch“, betont auch Thomas Braune. Musik und Text stammen von dem Rapper, „wenn man mit so einem Knaller zusammenarbeitet, ist klar, dass man ihm komplette künstlerische Freiheit lassen muss“. Dass der Song Ohrwurmpotenzial hat, sei gleich beim Sichten der Video-Rohversion klar gewesen. „Da wippten schon alle mit“, sagt Braune.

Gedreht wurde auch in und um Potsdam 

Gedreht wurde in und um Potsdam und in der Märkischen Schweiz. Finch, in nachgemachter Preußen-Uniform, turnt vor Schloss Sanssouci, dem Lieblingsort Friedrichs des Großen. In einer anderen Szene spielt er Wilder Osten. Vor der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam schält er im geöffneten Schaffellmantel, der den Blick auf den nackten, tätowierten Oberkörper freigibt, Kartoffeln. Auf dem Landhof Schmergow streichelt eine Bäuerin eine Kuh. Die Strauße des Straußenhofs Weideblick in Neuhardenberg bekommen eine besondere Statistenrolle. Mehrmals rennen sie durchs Bild, recken im Rhythmus des gerappten jwd-Slogans die Hälse. Und, noch so ein Running Gag im Video: Fünf nicht mehr ganz junge Damen mit roten Badekappen und schwarzen Badeanzügen turnen auf dem Steg des Volksbads Waldsieversdorf am Großen Däbersee, lassen synchron die Arme kreisen. 
„Berlin, Halleluja Berlin, alle wollen dahin“, heißt es noch bei Grebe. Finch rappt dagegen: „Berlin ist echt schön, aber Brandenburg ist wunderbar.“

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