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Harmonie. Hüttl, Grenell und Woidke (v. l.) vor dem Satelliten-Modell.
© F. Hackenbruch

ORTSTERMIN: Sprachlos in Potsdam

Potsdam - Ein erklärter Klimaleugner bei Klimaforschern: Hat sich Ministerpräsident Dietmar Woidke einen kleinen Scherz erlaubt? Nein.

Potsdam - Ein erklärter Klimaleugner bei Klimaforschern: Hat sich Ministerpräsident Dietmar Woidke einen kleinen Scherz erlaubt? Nein. Er hat US-Botschafter Richard Grenell zum Antrittsbesuch geladen. Gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Direktor Reinhard Hüttl trifft er ihn am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) auf dem Telegrafenberg. Und so fahren am gestrigen Freitagmorgen ein halbes Dutzend Polizeiautos, vier Motorräder und verdunkelte Limousinen vor.

Das Interesse am US-Botschafter ist groß, schließlich gibt sich der Spitzendiplomat gerne undiplomatisch: Zum Amtsantritt im Mai twitterte er in Trump-Manier, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte mit dem Iran zügig beenden. Wenig später gab er der rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart ein Interview und tat seine Hoffnung kund, dass neue Konservative in Europa stärker werden. Die Empörung folgte prompt.

Doch an diesem Morgen präsentiert sich Grenell zurückhaltend. Nach einem 45-minütigen Gespräch mit dem Ministerpräsident, darf die Presse in den Besprechungsraum und die Übergabe der Geschenke beobachten: ein Buch über die Geschichte der Erde und Wein aus dem renaturierten Tagebau in der Lausitz. Eine kleine Botschaft. Dann heißt es für die Journalisten wieder raus und warten.

45 Minuten später: Woidke, Grenell und Hüttl kommen aus ihrer Besprechung. Das Modell eines Satelliten wird besichtigt. „Es ist so interessant“, betont Grenell. Ein GFZ-Wissenschaftler erklärt das Messprinzip. „Großartig“, sagt der Botschafter. Er will weiter. „Mister Grenell, eine Frage“, setzt eine Journalistin an. Doch Grenell hat andere Pläne. „Wir sind nur hier, um uns umzuschauen“, sagt er und schreitet in Richtung Einsteinturm. Ein „Bild“-Reporter setzt Grenell nach. Eine Botschaftsmitarbeiterin versucht es noch zu verhindern, greift dem Reporter an die Schulter – vergebens. Immerhin: Jetzt wird ein Gruppenfoto zugelassen.

Danach verschwinden die drei Männer im Turm. Draußen beschwert sich die Sprecherin der Botschaft beim Sprecher der Staatskanzlei über die unverschämte Presse. Um erneute Fragen zu verhindern, fahren die Wagen der Botschaft schon einmal vor. Wenig später: Grenell verlässt den Einsteinturm, verabschiedet sich, dreht der Presse den Rücken zu, eilt zur Limousine. Der „Bild“-Reporter gibt nicht auf: „Haben Sie über den Klimawandel gesprochen“, fragt er während sich vor ihm bereits Bodyguards aufbauen. Grenell grinst. Es sei eine schöne Tour gewesen, dann steigt er ins Auto.

Woidke und Hüttl immerhin bleiben. Man habe über wirtschaftliche Verbindungen, Wassermanagement und die Beziehungen zu Russland gesprochen. „Es gibt natürlich Diskussionen beim Thema Klimawandel“, gibt Woidke zu. Was Grenell zu dem Thema gesagt hat, will er nicht verraten. „Er wollte kein Pressestatement geben und ich werde aus einem internen Gespräch nicht berichten.“ Am Rand lässt die Sprecherin der US-Botschaft ihr Aufnahmegerät mitlaufen.

Ein paar Stunden später trudelt eine Pressemitteilung der US-Botschaft ein – mit Zitaten von Grenell.

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