
© dpa/Annette Riedl
Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Brandenburger Kinderarzt in Untersuchungshaft
Ein Mediziner soll sich in einer Klinik in Rathenow an einem Kind vergangen haben. Er wurde verhaftet. Die Ermittler stellten Datenträger sicher und vermuten weitere Opfer.
Stand:
Die Vorwürfe sind unfassbar: Ein Brandenburger Kinderarzt soll während des Dienstes in einer Klinik ein Kind sexuell missbraucht haben. Womöglich gibt es weitere Opfer. Die Staatsanwaltschaft Potsdam teilte am Dienstag mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen einen 45-jährigen Kinderarzt der Havellandkliniken GmbH wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Kindern führt.
Dem Beschuldigten werde zur Last gelegt, am 2. November 2025 „im Rahmen der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit ein Kind in den Räumen des Klinikstandorts Rathenow sexuell missbraucht zu haben“.
Die Kindesmutter habe Anzeige erstattet, worauf die Polizei sofort Ermittlungen aufgenommen und Durchsuchungen durchgeführt habe, so die Staatsanwaltschaft. Die Auswertung einer Vielzahl dabei sichergestellter Datenträger und weiterer Beweismittel habe einen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten begründet.
Die Auswertung der sichergestellten Datenträger hat Anhaltspunkte für das Vorliegen weiterer Missbrauchshandlungen zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen ergeben.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam in ihrer Mitteilung
Am 24. November sei der Arzt festgenommen worden. Tags darauf habe die zuständige Ermittlungsrichterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft Potsdam einen Haftbefehl, gestützt auf den Haftgrund der Wiederholungsgefahr, gegen den Beschuldigten erlassen. Der Mann befinde sich seitdem in Untersuchungshaft.
„Die Auswertung der sichergestellten Datenträger hat Anhaltspunkte für das Vorliegen weiterer Missbrauchshandlungen zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen ergeben“, so die Staatsanwaltschaft. Diese sind ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Hinweistelefon eingerichtet
Die Kriminalpolizei sucht nun mutmaßliche Opfer und Zeugen und bittet, Hinweise an die zuständige Polizeidienststelle zu richten. Dazu wurde unter der Telefonnummer 0331/5508-2848 ein Hinweistelefon eingerichtet. Der Anschluss ist täglich zwischen 7 und 20 Uhr erreichbar.
Klinik arbeitet Vorfall intern auf
Die Havellandkliniken seien „tief betroffen“, teilte eine Sprecherin am Dienstagnachmittag mit. „Unsere Gedanken sind bei den betroffenen Kindern und ihren Familien.“ Der Vorwurf richte sich gegen einen ehemaligen Arzt. Der Schutz von Kindern habe für die Havellandkliniken höchste Priorität. „Unabhängig vom Stand der strafrechtlichen Ermittlungen wurden interne Maßnahmen eingeleitet und die interne Aufarbeitung sowie die Überprüfung des Kinderschutzkonzepts angestoßen“, so die Sprecherin. Am Mittwoch will die Klinik bei einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen informieren.
Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Nauen ist ein Verbund von Gesellschaften des Gesundheits- und Sozialwesens, deren Einrichtungen über den ganzen Landkreis Havelland verteilt sind. Mit mehr als 2000 Mitarbeitern ist die Klinikgruppe, zu der die Krankenhäuser in Nauen und Rathenow gehören, der größte Arbeitgeber in der Region.
Das Brandenburger Gesundheitsministerium ist über den Fall zwar informiert, aber nicht bei der Aufarbeitung involviert, da der Missbrauch in einer privat geführten Klinik geschehen sein soll, über die das Ministerium keine Fachaufsicht führt.
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