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Per Kran wurde die sogenannte Helmflügeltrophäe am Dienstag auf das Fortunaportal des Landtags am Alten Markt gesetzt. 
© Foto: Jens Kalaene/dpa

Kuppel des Fortunaportals wieder komplett: Dem Stadtschloss die Krone aufgesetzt

Die Helmflügeltrophäe wurde am Dienstag in Potsdam als letzte von vier Skulpturen auf das Portal gesetzt. Die Arbeit des Stadtschloss-Vereins ist damit aber noch nicht beendet.

Von Erik Wenk

Potsdam - Sachte dreht sich die sieben Tonnen schwere Skulptur an den Kranseilen, bevor sie Zentimeter für Zentimeter auf den für sie vorgesehenen Steinsockel herabsinkt. Zu den Klängen von Bachs Erstem Brandenburgischen Konzert, die von den Potsdamer Turmbläsern auf der gegenüberliegenden Aussichtsplattform des Landtags herüberschallen, wird die meterhohe Helmflügeltrophäe auf die letzte noch leere Ecke neben der Kuppel des Fortunaportals gesetzt. Rund 50 Schaulustige wohnten dem Ereignis am Dienstag bei und applaudierten, als die Figur aus schlesischem Sandstein endlich fest auf ihrem Platz stand.

Nach den Trophäen mit dem Bärenfell, dem Helmbusch und dem Lindwurm folgte nun das Tropaion mit den Helmflügeln. Zugeschrieben werden sie den französischen Bildhauern René Charpentier und Guillaume Hulot, die um 1700 in Berlin und Potsdam arbeiteten.

Rund 50 Schaulustige waren bei dem Ereignis am Dienstag dabei.
Rund 50 Schaulustige waren bei dem Ereignis am Dienstag dabei.
© ZB

„Es ist großartig, wir haben es geschafft!“

Damit ist der Skulpturenschmuck rund um die Kuppel des Portals wieder komplett. „Es ist großartig, wir haben es geschafft!“, sagte Hans-Joachim Kuke vom Vorstand des Vereins Potsdamer Stadtschloss e.V., der sich seit Jahren dafür einsetzt, dass die Skulpturen des früheren Stadtschlosses wieder auf das Dach des Gebäudes zurückkehren, in dem sich heute der Landtag befindet. „Nun kommt die Trophäe wieder dorthin, wo sie 250 Jahre stand“, sagte Kuke im Rahmen des Festaktes im Hof des Landtages, an dem neben Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) auch die Landtagsabgeordneten Steeven Bretz (CDU) und Uwe Adler (SPD) teilnahmen.

Hans-Joachim Kuke, Vorstand des Vereins Potsdamer Stadtschloss e.V.
Hans-Joachim Kuke, Vorstand des Vereins Potsdamer Stadtschloss e.V.
© Andreas Klaer

Für den Stadtschloss-Verein ist es ein großer Tag: „Wir setzen dem Landtag die Krone auf“, heißt es stolz auf deren Webseite. „Für uns schließt sich ein Kreis.“ Das gelte auch musikalisch: Die Potsdamer Turmbläser hatten schon damals 2002 bei der Einweihung des Portals gespielt.

Zehn Jahre habe es gedauert, das Geld für die letzte der vier Trophäen-Skulpturen zu zusammenzubringen, so Kuke, die letzte war 2011 aufgesetzt worden. Damals hatte ein privater Großspender die Summe aufgebracht, diesmal war es der Verein selbst, der in jahrelanger Arbeit 50.000 Euro eingesammelt hatte, so dass die Hürde zur Förderung durch die Stiftung preußischer Kulturbesitz genommen werden konnte, die weitere 50.000 Euro dazugab. Insgesamt liegen die Kosten also bei 100.000 Euro. „Außerdem ist erfreulich, dass erstmals der Landtag Brandenburg die Aufstellung der Figur aus seinem Etat finanziert hat“, sagte Kuke.

Nachdem die finanziellen Voraussetzungen gegeben waren, mussten noch die bürokratischen gemeistert werden: Bevor die Statue, die vom Berliner Bildhauer Andreas Artur Hoferick nach einem Modell gefertigt wurde, aufgestellt werden konnte, hatte der Stadtschloss-Verein eine zweistellige Zahl von behördlichen Genehmigungsverfahren abarbeiten müssen.

Die Figur wurde von einem Gabelstapler angeliefert.
Die Figur wurde von einem Gabelstapler angeliefert.
© ZB

Fortunaportal noch lange nicht komplett

Kuke betont, dass der Verein bewiesen habe, dass er große Spendensummen einsammeln könne: „Das macht Mut für den Rest.“ Komplett ist das Fortunaportal noch lange nicht: Auf der Galerie warten drei quadratische Sockel auf ihre früheren Figuren, drei Adlergruppen, die noch etwas größer und aufwändiger gestaltet waren, als die Trophäen darüber. 

Eines der Originale steht schon, die anderen müssen mit viel Aufwand restauriert oder rekonstruiert werden. Kuke schätzt die Kosten pro Adlergruppe auf etwa 200.000 Euro. Für ihn habe das Fortunaportal einen ganz besonderen Stellenwert: „Es ist der Ausgangspunkt der Potsdamer Baukunst.“

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Auch auf dem Dach des Stadtschlosses fehlen noch viele Skulpturen, darunter 33 Attikafiguren. Für sie fehlt derzeit jedoch das Geld. Gleiches gilt für zwölf Trophäen auf der ehemaligen „Schloßwache“ und auf der Attika, sowie für 56 fast zwei Meter hohe Prunkvasen. Alles in allem braucht der Stadtschloss-Verein noch rund fünf Millionen Euro, um alle fehlenden Skulpturen und Schmuckelemente wiederherzustellen. 

Im September steht der nächste Meilenstein an

Immerhin hatte 2020 eine Großspende des SAP-Gründers Hasso Plattner dafür gesorgt, dass zehn Attikafiguren wieder aufgestellt werden konnten; derzeit sind die südwestliche sowie die nordöstliche und nordwestliche Spitze des Landtagsdaches von Figurengruppen gesäumt. „Zum Alten Markt hin ist die Attika fast wieder vollständig“, sagte Kuke. Was ebenfalls noch fehlt: Bis zur Kaiserzeit befanden sich gekübelte Orangenbäume auf den Flügeln links und rechts des Fortuna-Portals; der Stadtschloss-Verein setzt sich auch für deren Wiederaufstellung ein.

Der nächste Meilenstein in der Stadtschloss-Rekonstruktion erfolgt am 11. September: Dann bekommt die auch als „Puttentreppe“ bekannte Fahnentreppe gegenüber dem Filmmuseum ihr reich verziertes Geländer aus vergoldetem Bronzeguss zurück. Die Cornelsen Kulturstiftung hatte rund eine halbe Million Euro für die Wiederherstellung der barocken Treppe mit seinen vergoldeten Engelsfiguren gespendet, welche bereits wieder aufgestellt wurden.

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