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Ein junges Team organisiert das Festival.
© Jona Freigang

Colorossa-Festival Potsdam: Eine Bühne für die Newcomer

Nach der Premiere im Vorjahr bringt das Festival am Freitag und Samstag wieder verschiedenste Jugendkulturen auf die Bühne des Lindenparks. Der Eintritt ist frei.

Von Erik Wenk

Potsdam - Graffiti, Poetry Slam, Kunst, Musik, Breakdance, Kino: Wer hungrig auf Kultur ist, wird beim Colorossa-Festival auf jeden Fall fündig, und das ohne Eintritt. Rund hundert junge Künstler:innen unterschiedlichster Couleur stehen am Freitag und Samstag auf der Open-Air-Bühne des Lindenparks und machen sichtbar, was in den letzten zwei Jahren beinahe aus der Öffentlichkeit verschwunden war: „Wir wollen die Jugendkultur in Potsdam stärken, Newcomer fördern und Szenen zusammenbringen, die sich sonst kaum begegnen“, sagt die 20-jährige Ise Buchholz. Die Potsdamer Kulturarbeitsstudentin gehört zu den Mitgründer:innen des Colorossa-Festivals.

Entstanden war die Idee im vergangenen Jahr: Vier Jugendliche, die damals ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Lindenpark und im Rechenzentrum absolvierten, wollten nach der langen Corona-Durststrecke endlich wieder etwas Kultur nach Potsdam bringen: Mit Förderung der Stadt fand 2021 das erste Colorossa-Festival statt, das aus dem Stand 650 Besucher:innen anlockte. „Das hat uns ziemlich überrascht“, sagt Buchholz. „Es war ja die erste Veranstaltung und man konnte nicht auf Mundpropaganda setzen.“

Vom Zuschauer zum Singer-Songwriter

Das Ziel, dass sich verschiedene Jugendkulturen miteinander vernetzen, war aufgegangen: „Ich war erstaunt, wie voll der Lindenpark auf einmal war“, sagt der 22-jährige Jona Freigang. Vor allem das Breakdance-Battle beeindruckte die Besucher:innen: „Die meisten hatten so etwas noch nie live gesehen“, sagt Freigang. Für manche war das Colorossa sogar die erste Möglichkeit, öffentlich aufzutreten: „Ein Singer-Songwriter sagte zu uns, dass er schon seit zwei Jahren in Potsdam studiert und Musik macht, aber noch nie die Gelegenheit hatte, irgendwo zu spielen“, sagt die 19-jährige Kiara Heinrich vom Colorossa-Team. Die Veranstaltung inspirierte auch andere junge Menschen, kreativ zu werden: „Ein Singer-Songwriter, der beim diesjährigen Colorossa spielt, war letztes Jahr als Zuschauer da“, sagt Heinrich. „Er hatte sich das Programm angeschaut und dann dadurch selber angefangen, Musik zu machen.“

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Im letzten Jahr dauerte das Colorossa nur einen Tag, nun beginnt es bereits am Freitagabend mit einer Kunst-Ausstellung inklusive Live-Jazz vom Melancholu-Trio: Rund 30 Bilder, Fotos und Plastiken von 16 lokalen Künstler:innen werden zu sehen sein. Im Anschluss folgen mehrere Workshops, unter anderem eine Songwriting-Masterclass mit dem Musiker Nathan Trent, ein Nähworkshop zum Upcycling von alten Klamotten oder ein Workshop über das Musikmachen mit iPad und Co. Den Abschluss des Abends bildet die Aufführung von „Medea“ durch die Theatergruppe „Aloha Hermannswerder“.

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Situation für kleine Bands weiter schwierig

Der Samstag beginnt mit einem gemeinsamen Brunch, anschließend haben eine Singer-Songwriter-Bühne, eine Rap-Bühne und eine Poetry Slam-Bühne geöffnet, hinzu kommt ein großes Breakdance Battle (moderiert von Breakdance-Urgestein Robert Segner) und ein Graffiti-Workshop. Headliner für das Abschlusskonzert ist die Berliner Band Make A Move, die funkigen Brass-Rock spielen. Es war eine der wenigen Bands, die das Colorossa-Team aktiv gebucht habe, sagt Buchholz, alle anderen Künstler:innen hätten sich einfach beworben. Zu ihnen gehören viele Newcomer:innen, etwa der queere Indierock-Act Momo Tamtri aus Berlin oder Henni Lindner, die erst zwölf Jahre alt ist: Sie macht seit drei Jahren selber Musik, schreibt ihre eigenen Songs und spielt Klavier und Ukulele.

„Wir geben vielen Leuten eine Bühne, die sonst kaum eine Chance zum Auftreten haben“, sagt Heinrich. „Dadurch kommt viel Diversität ins Programm“, sagt die 19-jährige Flora Boelke vom Colorossa-Team. Auch wenn mittlerweile wieder Konzerte stattfinden können, ist die Situation für kleine Bands und Newcomer:innen nach wie vor sehr schwierig: Clubs und Konzertsäle holen derzeit noch immer die Konzerte der letzten zwei Jahre nach und müssen die finanziellen Defizite der Pandemie ausgleichen – da bleibt nicht viel Platz für unbekannte Musiker:innen. „Diesem Stillstand wollen wir mit dem Colorossa entgegenwirken“, sagt Boelke.

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