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Farbenfrohes Potsdam: Impressionen von "Unterwegs im Licht" 2019

Mit Einbruch der Dunkelheit waren wieder tausende Potsdamer in der Innenstadt unterwegs, wo viele Fassaden farbenfroh erleuchtet wurden. Der Andrang war größer als im vergangenen Jahr.

Potsdam - Manche brachten ein Stativ mit, auf dem sie ihre Kamera befestigten. Andere nahmen kleine Fotoapparate zur Hand und steckten sie vorsichtig durch die Gitterstäbe des Bauzauns. Immer wieder kamen Menschen, um diesen einen bestimmten Blick im Potsdamer Zentrum fotografisch festzuhalten: Die Sicht von der Friedrich-Ebert-Straße über den Standort der abgerissenen Fachhochschule hinüber zur Nikolaikirche und zum Alten Markt mit dem an diesem Abend in rotes Licht getauchten Obelisken. Ganz hinten, am Rand des Platzes, erstrahlte das Museum Barberini in Grün, Violett und Rosarot. Und damit noch nicht genug Romantikzauber: Auch der Mond hatte sich eingestellt, direkt neben der Kuppel der Nikolaikirche.

"Unterwegs im Licht" - hier auf dem Alten Markt in Potsdam.
"Unterwegs im Licht" - hier auf dem Alten Markt in Potsdam.
© Andreas Klaer

Später wanderte der Erdbegleiter am Himmel über dem Alten Markt. Auch die anderen prominenten Häuser in Potsdams Mitte waren bei der diesjährigen Auflage von „Unterwegs im Licht“ am Samstagabend in verschiedene Farben getaucht – das Fortunaportal, der Portikus der Nikolaikirche und die Schaufassade des Alten Rathauses. Zahlreiche Menschen strömten herbei, um die Illuminationen zu bewundern oder beim Laternenumzug dabei zu sein, vielleicht auch einen Blick von der Dachterrasse des Bildungsforums hinunter auf die Stadt zu werfen. Doch es ging nicht nur ums Schauen: Im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) konnten Besucher in eine Figur der Commedia dell’Arte schlüpfen: Kostüm an, Maske auf, dazu vielleicht noch einen Hut. Schon war die Verwandlung in einen Harlekin oder eine Colombina perfekt. Die meisten Kostüme hat Edmundo Torres, der vor Ort die Menschen einkleidete, selbst hergestellt. Die Besucher konnten sich aber auch in eine Fantasiefigur verwandeln. Einfach eine Maske schnappen, dazu ein Kleid oder eine Hose und ein Hemd, fertig. So wie etwa der Potsdamer Schüler Jasper Ceglarek, der mit seiner Mutter gekommen war. Ihm hatten es eine Vogelmaske, dazu ein mit farbigen Dreiecken übersätes Oberteil sowie eine bunt gestreifte Hose angetan. „Das kann man durchgehen lassen, sieht ein bisschen italienisch aus“, befand Jaspers Mutter Petra Ceglarek schließlich.

Zuvor hatte Jasper schon an einer Kinderführung im HBPG teilgenommen,. Um Migration im Brandenburg früherer Jahrhunderte sei es dabei gegangen. Und, war es langweilig? „Ganz im Gegenteil“, meinte Jasper. Auch Annette und Ingmar Buchelt, ebenfalls aus Potsdam, verkleideten sich mit den von Torres mitgebrachten Sachen und ließen sich auf einer Minibühne von der Potsdamer Künstlerin Heike Isenmann fotografieren. „Wir haben Freunde in Italien und wir wollen denen ein Foto schicken“, erklärte Annette Buchelt.

Das Thema Italien soll sich in diesem Jahr wie ein roter Faden durch verschiedene Veranstaltungsformate in Potsdam ziehen. Eine Einstimmung darauf gab es am Samstag nicht nur mit den Figuren der Commedia dell’Arte. Gleich neben dem HBPG im Kutschstallhof war eine venezianische Gondel zu bestaunen. Ja, das gute Stück aus Holz, schwarz lackiert und mit Messingbeschlägen versehen, sei wirklich aus Venedig, versicherte Gondelbesitzer Alexander Fuchs. Wenn alles klappt, habe er vor, ab diesem Frühjahr von der Freundschaftsinsel aus Fahrten mit dieser Gondel für jeweils bis zu sechs Personen anzubieten.

Ausstellung eröffnet

Bei „Unterwegs im Licht“ wurde auch die neue Wissenschaftsausstellung am Bauzaun in der Friedrich-Ebert-Straße offiziell eröffnet. Den ganzen Nachmittag über konnten Kinder Lampions basteln und bemalen, die sie dann beim großen Laternenumzug gleich ausprobieren konnten. Der Umzug, an dem mehrere Hundert Erwachsene und Kinder teilnahmen, war dann allerdings erstaunlich lichtarm. Mit den unüberhörbaren Trommlern, die an der Spitze des Zuges vorweg liefen, und den wenigen Lampions erinnerte das Ganze so eher an eine politische Demonstration.

Einen großen Ansturm gab es am Samstag auf die nur selten öffentlich zugängliche Dachterrasse des Bildungsforums. Wer dort hinauf wollte, musste sich zumindest zeitweise in eine lange Schlange einreihen. Dabei ging es allerdings verhältnismäßig zügig voran. Die neue Fotoausstellung („Wenn Menschen Brücken treffen“) von Bernd Blumrich aus Kleinmachnow ließ für interessierte Besucher das Warten überdies noch etwas weniger lang erscheinen, wälzte sich die Menschenschlange doch direkt an Blumrichs Fotos vorbei.

Oben angekommen, wurde man mit einem herrlichen Blick auf den Alten Markt und seine illuminierten Gebäude belohnt. Allerdings erwies sich der Holzboden auf der Dachterrasse über weite Strecken als ein überaus rutschiger Untergrund. Immer wieder hörte man die Menschen Bemerkungen über die Glätte machen. „Sei vorsichtig, es ist sauglatt“, sagte etwa eine Frau zu ihrer Begleiterin. Eine andere Frau beschwerte sich beim Aufsichtspersonal: „Das ist spiegelglatt da oben.“ Doch freilich nutzten dennoch viele Besucher den Ausblick, standen minutenlang am Geländer und machten Fotos. Dazu konnte man heiße Schokolade, Früchtepunsch und Glühwein sowie Laugenbrezeln erwerben. Und die bunt erleuchtete Stadt genießen.

Eine Stadtsprecherin sagte am Sonntagabend gegenüber den PNN, dass das Spektaktel in diesem Jahr mehr Menschen als noch im vergangen Jahr angelockt hat. Vor einem Jahr gingen die Schätzungen von 16.000 Menschen aus.

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