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Nach der Wahlpleite von Yon: Potsdams FDP stürzt sich in die Krise

Am Donnerstagabend verlor Kreischef Marcel Yon eine Wahl, am freitg trat dann der Vorstand fast komplett mit ihm zurück. Am Freitagabend dann lud Yon seine Getreuen in seine Villa.

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Interne Machtkämpfe stürzen die Potsdamer FDP in einer schwere Krise: Nahezu der komplette Vorstand der Partei ist am Freitagabend zurückgetreten – unter anderem FDP-Chef Marcel Yon. Das bestätigte Berend Diekmann, der seinen Posten im Vorstand der Partei ebenso aufgab.

Auslöser der Krise war eine Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im Restaurant „Syrtaki“ in Potsdam-Bornim. Dort wollte sich der 45-jährige Yon eigentlich zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Bundestagswahl im Potsdamer Wahlkreis 61 küren lassen. Doch daraus wurde nichts: Die anwesenden rund 60 Parteimitglieder der Kreisverbände Potsdam, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming wählten überraschend und mit nur einer Stimme Mehrheit die 38 Jahre alte Diplom-Geoökologin Jacqueline Krüger, die außerhalb der Partei bislang kaum bekannt ist. Mit dieser Entscheidung stellte sich die Parteibasis auch explizit gegen den Vorstand der Potsdamer FDP, der mehrheitlich Yons Wahl empfohlen hatte.

Diekmann sagte, der Vorstand reagiere mit dem Rücktritt auf Yons Niederlage. Damit sei der Weg frei für eine neue Parteispitze, die das volle Vertrauen der Mitglieder des Kreisverbands genieße. Wie es hieß, hätten sich die Ex-Vorstände – obwohl zurückgetreten – noch am Freitagabend auf Einladung Yons bei ihm zu Hause getroffen, um über die Zukunft der FDP zu sprechen. Kandidatin Krüger, die auch im Vorstand der Partei sitzt, erfuhr von den Rücktritten nach ihren Angaben via E-Mail. An dem Treffen konnte sie wegen einer Wahlveranstaltung in Potsdam-Mittelmark nicht teilnehmen.

Bereits bei dem Treffen am Donnerstag hatte die Empfehlung des FDP-Vorstands für Yon einen Eklat provoziert – schon deshalb, weil sie auf der Tagesordnung nicht vorgesehen war. Empört hatte sich FDP-Urgestein Rainer Siebert, einst Landesschatzmeister und Landtagsabgeordneter, gemeldet. Eine solche Wahlempfehlung durch den Vorstand einer Kreispartei sei absolut ungewöhnlich und unangebracht, da es sich um eine Versammlung von drei Kreisverbänden handle. Ähnlich äußerten sich Hans-Peter Goetz, Chef des Kreisverbands Potsdam-Mittelmark, aber auch Potsdamer Parteimitglieder.

Die Unterschiede zwischen den Kandidaten waren deutlich. Krüger hatte erklärt, die FDP sei keine Partei der Banker und Schlipsträger, sondern müsse als bunt und vielfältig wahrgenommen werden. Yon dagegen hatte in seiner Bewerbungsrede gefordert, dass mehr Unternehmer in die Politik müssten, also „Menschen, die grundlegende Veränderungen herbeiführen“. Erfolg sei nur möglich mit dem besten Team – und aus solchen Teams müssten jene ausgeschlossen werden, die nicht so gut sind.

Trotz seines schlechten Abschneidens bei der Oberbürgermeisterwahl 2010, als er nur den letzten Platz belegte, hatte Yon deutlich gemacht, dass er wenig an seinem Stil ändern wolle: Er werde mit Durchhaltevermögen weitermachen. Krüger hatte widersprochen, die FDP dürfe nicht nur in einem Teich fischen – gemeint war die Konzentration auf betuchtes Klientel in der Berliner Vorstadt –, sondern müsste alle Wählergruppen ansprechen.

Neben diesen inhaltlichen Unterschiegibt es Machtkämpfe hinter den Kulissen: So hieß es aus der Partei, der Termin für die Mitgliederversammlung sei um Monate vorgezogen worden, um eine Direktkandidatur der Landtagsabgeordneten Linda Teuteberg für den Bundestag zu verhindern. Anwesend war auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Neumann. Der soll Spitzenkandidat der FDP Brandenburg für den Bundestagswahlkampf werden und ist für Listenplatz eins vorgesehen. Neumann bestritt am Rande der Veranstaltung, dass er eine Absprache mit Landeschef Beyer und Yon gehabt habe, wonach er nach der Hälfte der nächsten Legislaturperiode seinen Platz im Bundestag räumen werde – für Yon. Zwar gilt es als aussichtlos, dass ein FDP-Kandidat den Wahlkreis 61 direkt gewinnt. Doch die Spitzenkandidatur sichert normalerweise einen vorderen Listenplatz und damit womöglich den Einzug über die Parteiliste in den Bundestag. HK/ pet

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