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Seit dem 30. Juni gibt es keine kostenlosen Bürgertests mehr für alle, sondern nur für bestimmte Gruppen. 
© Ottmar Winter

Coronatests nicht mehr für alle kostenlos: So geht clever testen

14,99 Euro kostet aktuell der teuerste Corona-Schnelltest in Potsdam. Wer so viel zahlen, wann es günstigere oder sogar kostenfreie Tests gibt. Die PNN geben einen Überblick.

Von Erik Wenk

Neues Test-Chaos: Seitdem am 30. Juni die bundesweite Corona-Testverordnung geändert wurde, sind viele Menschen verunsichert, unter welchen Voraussetzungen sie noch einen kostenlosen Bürgertest bekommen und ab wann sie drei Euro oder mehr bezahlen müssen. Bestimmte vulnerable Gruppen müssen weiterhin nichts bezahlen, andere hingegen drei Euro, wenn sie sich einer Risikoexposition aussetzen, also einer Situation, in der man Gefahr läuft, sich oder andere mit Corona anzustecken. Doch was genau gilt als Risikoexposition und wer prüft, ob eine solche vorliegt? 

Warum wurde die Testverordnung überhaupt verändert?

Seit dem 30. Juni gibt es keine kostenlosen Bürgertests mehr für alle, sondern nur für bestimmte Gruppen. Damit wolle man die „vorhandenen Testkapazitäten noch gezielter einsetzen“, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium. Der Bund stützt sich hier auf die Meinung des „Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.“, dem Berufsverband anerkannter medizinischer Labore in Deutschland: Laut diesem seien „anlasslose Massentests“ nicht notwendig. Der Hauptgrund dürften jedoch die Kosten sein: Als der Bund noch alle Bürgertests bezahlte, gab er dafür im Schnitt eine Milliarde Euro im Monat aus. „Das können wir uns in der angespannten Haushaltslage, die uns im Herbst erwartet, leider nicht leisten“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Wer bekommt einen kostenlosen Bürgertest?

Wer zu einer vulnerablen, also gefährdeten Gruppe gehört, muss nichts bezahlen. Dazu gehören Kinder unter fünf Jahren, Besucher:innen, Bewohner:innen oder Patient:innen in Pflege- und Krankeneinrichtungen sowie pflegende Angehörige und Haushaltsangehörige von nachweislich Infizierten. Ebenfalls kostenlos ist der Test, wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann (zum Beispiel Schwangere) oder Personen, bei denen ein Test zur Beendigung der Quarantäne erforderlich ist. Für all diese Voraussetzungen müssen Nachweise vorgelegt werden, etwa eine Bestätigung des Krankenhauses oder des Pflegeheims. 

Wer muss für einen Bürgertest drei Euro bezahlen?

Für alle, die sich einer Risikoexposition aussetzen, übernimmt der Bund einen Teil der Kosten für den Bürgertest, fordert jedoch eine Eigenbeteiligung von drei Euro. Eine solche Risikoexposition liegt zum Beispiel vor, wenn die Corona-Warn-App rot ist („Statusanzeige: Erhöhtes Risiko“). Gleiches gilt für Personen, die am Tag der Testung eine Veranstaltung in einem Innenraum besuchen möchten oder Kontakt zu einer Person haben werden, die über 60 Jahre alt ist oder eine Vorerkrankung hat. 

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Entscheidend ist die Formulierung „am Tag der Testung“: Wer seine Großeltern erst in zwei Tagen besuchen möchte, hat keinen Anspruch auf den Drei-Euro-Test. Zudem gilt die Regelung nur vor einer Risikoexposition: Wer auf einem großen Konzert war und sich im Nachhinein testen möchte, für den gilt der Drei-Euro-Test ebenfalls nicht. Situationen wie der Antritt eines Urlaubes, der Besuch eines Open-Airs oder große Treffen mit Freunden unter 60 Jahren gelten nicht als Risikoexposition.

Ein Coronatest-Zentrum am Brandenburger Tor in Potsdam.
Ein Coronatest-Zentrum am Brandenburger Tor in Potsdam.
© Ottmar Winter

Wie muss man eine Risikoexposition nachweisen?

Hier arbeiten die Teststellen unterschiedlich, da es noch keine konkreten Vorgaben vom Bund gibt: Manche, wie die Teststelle am Kutschstall, verlassen sich auf die Selbstauskunft ihrer Kund:innen. Sprich: Wer seine Großeltern oder ein Konzert besucht, muss dies nur in einem Fragebogen ankreuzen, ohne dass es eine genaue Prüfung gibt. Andere Teststellen hingegen kontrollieren, ob die Corona-Warn-App rot ist, oder wollen die Eintrittskarte für die jeweilige Veranstaltung oder eine Einladung sehen. 

Das gilt zum Teil auch für den Besuch der Eltern oder Großeltern: In einer Babelsberger Apotheke beispielsweise muss man eine Kopie des Ausweises der Über-60-jährigen Personen vorweisen, die man besuchen möchte. Laut Bundesgesundheitsministerium ist dies jedoch nicht zwingend nötig: „Der Kontakt mit einer vulnerablen Person am selben Tag kann mittels einer Selbstauskunft dargelegt glaubhaft gemacht werden“, sagt Marina Schmidt, Pressesprecherin des Bundesgesundheitsministeriums.

Was kostet ein normaler Coronatest in Potsdam?

Alle, auf die die oben genannten Kriterien nicht zutreffen, müssen in der jeweiligen Teststelle den Normalpreis für einen Antigenschnelltest bezahlen. Dieser liegt in der Regel um die 10 Euro: Das Testzentrum am Brandenburger Tor verlangt 9,95 Euro, in der Ribbeck Apotheke 9,50 Euro, und am Kutschstall sind es 10 Euro. 

Es gibt jedoch auch Teststellen, die mehr verlangen: Am Hauptbahnhof kostet der Test 14,99 Euro. Eine staatliche Vorgabe für den Preis gibt es nicht: „Bei anlasslosen Tests ist eine Testung möglich, allerdings legt das Testzentrum den Preis fest“, sagt Marina Schmidt.

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