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Stromausfall im Südwesten Berlins: Teltow und Kleinmachnow richten Notunterkünfte ein
Das Umland bietet den vom Stromausfall betroffenen Berlinern Hilfe an. Auch die Landeshauptstadt Potsdam steht bereit, sollte mehr Unterstützung benötigt werden.
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Berlins Nachbarkommunen in Potsdam-Mittelmark bieten Unterstützung für die Tausenden vom Stromausfall betroffenen Menschen im Südwesten der Hauptstadt an. Die Stadt Teltow stelle eine Notunterkunft in der Sporthalle in der Albert-Wiebach-Straße 4 zur Verfügung, teilte die Verwaltung am Sonntagabend mit. Zuvor hatte ein Krisenstab getagt, an dem neben Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auch Teltows Stadtchef Thomas Schmidt (SPD) teilnahm.
Jeweils 100 Notplätze in Teltow und Kleinmachnow
Die Unterkunft werde derzeit eingerichtet und habe Kapazitäten für bis zu 100 betroffene Personen. „Sollte Bedarf an weiteren Plätzen bestehen, ist die Stadt Teltow in der Lage, kurzfristig eine weitere Notunterkunft bereitzustellen, die abermals Schutz für 100 Personen bietet“, so die Stadt.
Notfalls wäre noch mehr möglich: Stadtsprecher Jürgen Stich hatte am Sonntagnachmittag auf Anfrage der Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) mitgeteilt, dass Teltow insgesamt 300 Menschen in städtischen Einrichtungen vorübergehend unterbringen könne.
Auch die Gemeinde Kleinmachnow hilft. Deren Bürgermeister Bodo Krause (CDU) nahm ebenfalls an der Krisenrunde mit dem Land Berlin teil. Die Gemeinde habe im Bürgersaal des Rathauses im Adolf-Grimme-Ring 10 eine Notunterkunft und Anlaufstelle mit 100 Feldbetten eingerichtet, teilte die Gemeinde am Sonntagabend mit. Zudem besteht dort die Möglichkeit, eine warme Suppe und warme Getränke zu erhalten sowie Mobiltelefone aufzuladen.
Ein privates Gesundheitszentrum in Kleinmachnow bietet ebenfalls offene Türen an. Wer betroffen sei, könne Telefone oder Powerbanks aufladen, Wasser trinken, sich duschen oder waschen, sagte der Geschäftsführer des Biothera Gesundheitszentrums, Lieven Glimpel, der Deutschen Presse-Agentur. Das Zentrum, das Therapie, Yoga und Schwimmen anbietet, liege nahe dem betroffenen Gebiet des Stromausfalls.
Potsdamer Kliniken in Bereitschaft
Auch die Potsdamer Stadtverwaltung und die Potsdamer Feuerwehr stehen bereit. Man sei mit den Einsatzstellen in Berlin sowie dem brandenburgischen Innenministerium in ständigem Kontakt, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Sonntagmittag. „Die Kliniken in Potsdam nehmen bereits Patientinnen und Patienten aus Berlin auf und haben weitere Hilfe angeboten. Auch die Feuerwehr hat Unterstützung angeboten.“ Es werde lageabhängig entschieden, wie diese in Anspruch genommen wird.
Im Laufe des Samstags sei es zu einer deutlichen Zunahme des Patientenaufkommens über die Rettungsdienste gekommen, sagte der Sprecher des katholischen St. Josefs-Krankenhauses, Benjamin Stengl, am späten Samstagabend auf Anfrage. Dadurch sollten die Krankenhäuser im unmittelbar betroffenen Gebiet entlastet werden.
„Konkrete Hilfsanfragen aus Berlin liegen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht vor“, so Stengl. Das St. Josefs-Krankenhaus stelle sich aber vorsorglich darauf ein, im Bedarfsfall unterstützend tätig zu werden und zusätzliche Patientinnen und Patienten aufzunehmen, sofern es die Lage erfordere. Auf den Betrieb des Potsdamer Krankenhauses habe der Stromausfall in Berlin derzeit keine direkten Auswirkungen, hieß es in der Nacht von Samstag auf Sonntag.
Auch das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“ (EvB), Potsdams größtes Krankenhaus, steht für Hilfe bereit. „Wir waren gestern den ganzen Tag über mit den Leitstellen der Feuerwehr in Potsdam und in Berlin in Kontakt, um uns wegen des großflächigen Stromausfalls in Berlin abzustimmen“, sagte Bernhard Fleischer, Leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme des EvB, am Sonntagmorgen.
„Sollte der Stromausfall länger andauern, desto wahrscheinlicher wird es, dass die betroffenen Krankenhäuser evakuiert werden müssen“, so Fleischer. In diesem Fall sei eine Übernahme von Berliner Patientinnen und Patienten auch im Potsdamer Klinikum möglich. Am Samstag hätten vereinzelt Menschen die Notaufnahme aufgesucht, die auf eine Heimsauerstoffbeatmung und damit auf eine funktionierende Stromversorgung angewiesen seien.
Am Sonntagnachmittag entspannte sich aber die Lage. Die fünf betroffenen Berliner Kliniken wurden wieder ans Stromnetz angeschlossen. Eine Evakuierung scheint nicht mehr nötig. Die Rettungsstellen allerdings bleiben geschlossen.
Brandenburger Polizei unterstützt
Auch die Brandenburger Polizei hilft bei der Bewältigung der Lage im Nachbarland. „Rund 40 Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei haben in der Nacht die Berliner Kollegen bei Evakuierungsmaßnahmen unterstützt“, teilte der stellvertretende Sprecher des Potsdamer Innenministeriums, Andreas Carl, auf Anfrage am Sonntagmorgen mit.
Hilfe, die nicht die Polizei betreffe, sei bislang nicht angefordert worden. Der Rufbereitschaftsdienst des Koordinierungszentrum für Krisenmanagement (KKM) stehe aber selbstverständlich zur Verfügung und werde vorab informiert, sollte das Land Berlin aufgrund einer Lageverschlechterung eine Anforderung an das Land Brandenburg in Erwägung ziehen.
Keine S-Bahn nach Potsdam
Auswirkungen gibt es auch auf den S-Bahn-Verkehr von und nach Potsdam: Weiter fahren keine Bahnen zwischen Berlin-Wannsee und dem Potsdamer Hauptbahnhof.
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