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Homepage: Verdienstkreuz für Historiker Schoeps Ehrung zur Konferenz „Verfemt und Verboten“

Dem Potsdamer Historiker Prof. Julius H.

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Dem Potsdamer Historiker Prof. Julius H. Schoeps wird am kommenden Freitag das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Wie nun bekannt wurde, wird Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) im Rahmen der Konferenz „Verfemt und Verboten – Bücherverbrennung in Deutschland“ dem Historiker, der auch Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien ist, die Auszeichnung im Namen von Bundespräsident Horst Köhler übergeben. Das Bundesverdienstkreuz wird für herausragendes gesellschaftliches Engagement vergeben, die Begründung für die Ehrung wird traditionell erst zur Übergabe bekannt gemacht. Der 1942 als Kind jüdischer Eltern im schwedischen Exil geborene Schoeps spielt seit der Wende in Potsdam eine gewichtige Rolle. Neben der Beteiligung am Aufbau der Historischen Fakultät der Universität Potsdam gründete er das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) und rief die Jüdischen Studien ins Leben. Als Historiker beschäftigt sich Schoeps vornehmlich mit der deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte, unter seinen zahlreichen Publikationen finden sich ebenso Standardwerke wie das „Handbuch zur Geschichte der Juden in Europa“ als auch Arbeiten zum Antisemitismus („Deutsch-jüdische Symbiose oder die mißglückte Emanzipation“, „Leiden an Deutschland, vom Antisemitischen Wahn und der Last der Erinnerung“) aber auch Bände wie „Preußen – Geschichte eines Mythos“. Hinzu kamen zahlreiche Aktivitäten wie der Aufbau des Jüdischen Museums Wien, das zeitweilige Engagement in der Jüdische Gemeinde Berlin, die Herausgeberschaft verschiedenster Publikationen und die Initiative für die Moses Mendelssohn Akademie in Halberstadt. Nach eigenem Bekunden fühlt sich Prof. Schoeps mental als Bürger der Bundesrepublik mit jüdischer Identität, vom protestantischen Milieu geprägt. Zwar behalte er Distanz zur preußischen Geschichte, schrieb der heute 63-Jährige in seinen autobiographischen Notizen. Doch kann er eine „gewisse Sympathie“ für den „preußischen Stil“ nicht verhehlen. Noch sein Vater hatte sich als Jude, Preuße und Konservativer gesehen. Nach der Wende war es für Schoeps „Ehrensache“ sich am Aufbau der Potsdamer Universität zu beteiligen. Durch alte Familienbande beeinflusst – seine Vorfahren waren als preußische Juden zutiefst mit der Region Berlin-Brandenburg verbunden – begab er sich von der Universität Duisburg 1991 nach Potsdam. Mit der Gründung des MMZ eröffnete Schoeps der Potsdamer Universität ein Fenster zur Erforschung des europäischen Judentums. Auch der Studiengang Jüdische Studien und das Rabbinerkolleg wurden zwischenzeitlich zur Erfolgsgeschichte, die der Hochschule ein unverwechselbares Profil gaben. In jüngster Zeit mehrten sich allerdings skeptische Äußerungen von Schoeps bezüglich der Zukunft des Standortes. Ob das Erreichte von längerer Dauer sein werde, sei nicht mehr absehbar. Was zum einen dem engen Haushaltsrahmen des Landes zum anderen aber auch ungeklärten Strukturen an der Universität Potsdam geschuldet sei. Jan Kixmüller

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