Landeshauptstadt: Wenn im Osten die Sonne aufgeht ARD-Morgenmagazin filmte gestern in Potsdam
„30 15..
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„30 15...“, ruft Beate Paffen und läuft rückwärts. Vor der TV-Aufnahmeleiterin filmt ein Kameramann, auch er geht rückwärts. Drei Leute kommen aus der Tür des kleinen Hauses in der Mittelstraße 7 und schlendern auf das Kamerateam zu: Moderator Ulrich Zille vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) interviewt Hans Göbel vom Förderverein zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam und Hartmut Dorgerloh, den Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Kamera surrt nicht grundlos so zeitig um 6.45 Uhr: Das ARD-Morgenmagazin sendet an diesem Mittwochmorgen dreimal live von hier. Das Ziel Potsdam ist mit Bedacht gewählt. Gerade tourt der Übertragungswagen des Westdeutschen Rundfunks unter dem Motto „Im Osten geht die Sonne auf“ durch die Mark Brandenburg, die Stationen waren bis jetzt Golzow und Cottbus. Der verantwortliche Redakteur hinter der Kamera heißt Ingo Lamberty: Kurze blonde Haare, Brille, braune Lederjacke, blaue Jeans. Er sucht die Themen aus, die diese Woche in der Frühe über die Mattscheibe flimmern. „Mir geht es um die Landtagswahl, aber auch um die Leute 15 Jahre nach der Wende“, sagt Lamberty. Die zweite Live-Schaltung im Morgenmagazin ist in 40 Minuten geplant. Die Techniker sind schon seit 4 Uhr auf den Beinen, der Rest der Redaktion muss ab 5.30 Uhr da sein. Warten. Kaffeeduft. Zigarettenqualm. Auch Beate Paffen raucht, nebenbei koordiniert sie die elfköpfige Crew: „Vor einer Sendung muss ich etwa das Personal bestimmen und die Hotels buchen.“ Eine letzte Probe, bevor es Ernst wird: Stimmt das Licht? Sitzen die Mikros richtig? Paffen ruft: „Es geht los“. Sechs Minuten dauert eine Schaltung. Reporter Zille blickt in die Kamera: Bürstenhaarschnitt, hellbrauner Anzug, weißes Hemd, Fernsehstimme. Im Café Heider nimmt Zille an einem Tisch Platz. Dort sitzt Hartmut Dorgerloh, daneben der Maler Alfred Schmidt. Im Gespräch geht es auch um Schmidts berühmten Nachbarn Günther Jauch, der schon zehn Bilder von Schmidt gekauft hat. Letzte Schaltung. „Guten Morgen aus Potsdam“, sagt Reporter Zille an diesem Morgen zum dritten Mal. Nach einem Markthändler und dem Wahl-Potsdamer Villensanierer Reinhard Lippeck kommt nun der Stargast zu Wort. Regisseur Volker Schlöndorff darf granteln: 15 Jahre nach der Wende wäre auch Potsdam nicht zusammengewachsen, würden sich Fehler gegenseitig vorgerechnet, herrsche oft noch Elend in den Köpfen. Moderator Zille lässt sich nicht verdrießen, weist lächelnd mit der Hand nach Norden durchs Nauener Tor. Denn heute sendet das Morgenmagazins aus Neuruppin – mit der Kamera auf der Suche nach dem Charakter von Brandenburg. Henri Kramer
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