
© REUTERS/ANNEGRET HILSE
„Allein der Geruch gibt mir PTBS vom Kadertraining früher“: Moritz und Franz Wagner sind zurück in ihrem „Hinterhof“
Die Wagner-Brüder sind mit den Orlando Magic in ihrer Heimat angekommen. Bei Franz bleiben kleine Fragezeichen, ob er für das erste NBA-Spiel in Berlin am Donnerstag fit wird.
Stand:
Zur Wohnung ihrer Eltern in Prenzlauer Berg könnten Moritz und Franz Wagner in wenigen Minuten entspannt spazieren, doch entspannt ist für die zwei Basketball-Weltmeister kurz vor dem ersten NBA-Spiel in Berlin am Donnerstag (20 Uhr, Prime Video) nichts.
Am Montag sind sie mit ihren Orlando Magic in Berlin gelandet, am Dienstag steht das erste Training auf dem Programm. Drumherum zig Medien- und Sponsorentermine. „Es ist eine coole Erfahrung, die NBA nach Deutschland zu bringen“, sagt Moritz Wagner. „Das heißt aber auch, dass wir viele Termine haben und nicht wissen, wo oben und unten ist.“
Kurz vor dem Training sitzen die Brüder im Pressekonferenzraum der Max-Schmeling-Halle vor Dutzenden Journalisten. Hier haben sie als kleine Jungs die ersten Spiele von Alba Berlin gesehen, in einer der Nebenhallen die ersten Schritte im Vereinsbasketball gemacht und später Lehrgänge mit der Berliner Auswahl absolviert. „Das ist unser Hinterhof, hier sind wir aufgewachsen“, sagt Moritz Wagner. „Allein der Geruch gibt mir PTBS vom Kadertraining früher.“
Am vergangenen Sonntag hat er nach seinem Kreuzbandriss zum ersten Mal seit einem Jahr gespielt. Anschließend ging es direkt zum Flughafen und ab in die Heimat. „Deshalb hatte ich noch gar nicht die Zeit, das richtig zu reflektieren“, sagt Moritz Wagner. In der Reha müsse man viel opfern und verbringe viel Zeit allein. „Jetzt freue ich mich, dass ich es hinter mir habe.“

© dpa/AP/John Raoux
Bei seinem Bruder Franz ist immer noch nicht sicher, ob er nach seiner Sprunggelenksverletzung rechtzeitig fit wird. Gespielt hat der beste deutsche Basketballer seit dem 7. Dezember nicht mehr. „Mir geht’s gut. Ich will heute ein gutes Training machen und sehen, wie der Fuß reagiert. Dann hoffe ich, dass ich Donnerstag spielen kann“, sagt Franz Wagner.
In dem kurzen Teil des Trainings, das für die Medien geöffnet ist, bewegt er sich rund; die Verletzung ist ihm nicht anzusehen. Allerdings ist es auch nicht mehr als ein lockeres Warm-up. Es deutet dennoch einiges darauf hin, dass er am Donnerstag gegen die Memphis Grizzlies mitwirken kann.
Früher hat sich die NBA für uns sehr weit weg angefühlt. Ein Ziel dieses Trips ist, diesen Weg etwas klarer werden zu lassen.
Franz Wagner
Für die Wagners schließt sich mit dem Spiel in ihrer Heimat ein Kreis. „Das ist surreal“, sagt Moritz Wagner. Die Brüder sind sich bewusst, dass sie nicht nur eines von 82 Saisonspielen erwartet. „Früher hat sich die NBA für uns sehr weit weg angefühlt. Ein Ziel dieses Trips ist für Moritz und mich auch, diesen Weg etwas klarer werden zu lassen“, sagt Franz Wagner.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Der dritte Deutsche in Orlandos Team befindet sich als Münchner etwas im Schatten der Wagner-Brüder, freut sich aber ebenfalls auf ein besonderes Erlebnis. Tristan da Silva hat im vergangenen Sommer mit der Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewonnen und hat – insbesondere während der Verletzungspause von Franz Wagner – eine immer größere Rolle bei den Magic eingenommen.
Auf dem Speiseplan steht Döner
Wie Moritz und Franz Wagner hat er kulinarisch klare Pläne. Denn die USA mögen einmal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen sein, einen guten Döner bekommt man in Florida aber offenbar nicht. „Das steht heute auf dem Programm“, sagt da Silva.
Ganz so viele Ticketwünsche wie die Wagners – Moritz sprach vor Kurzem von 150 bis 200 Karten, die er für Familie und Freunde besorgt habe – musste da Silva nicht erfüllen. „Meine Mutter kommt, mein Vater kommt, ein paar meiner besten Freunde kommen. Wir werden die Zeit genießen“, sagt da Silva.
Sein Bruder Oscar, einst Profi bei Alba, wird allerdings nicht dabei sein. Mit Bayern München spielt er am Donnerstag fast zeitgleich in der Euroleague gegen Panathinaikos Athen. „Das gehört zum Leben als Profisportler dazu. Leider Gottes bin ich es schon gewohnt, dass ich ihn während der Saison nicht sehe“, sagt Tristan da Silva. Viel Zeit für seinen Bruder hätte er bei all den Medien- und Promoterminen aber ohnehin kaum.
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: