Bundesliga-Topspiel : FC Bayern nach 5:1 in Gladbach gleichauf mit Dortmund

Machtdemonstration der Bayern in Mönchengladbach: Nach dem 5:1 fehlen den punktgleichen Münchnern nur noch zwei Tore auf Tabellenführer Dortmund.

Serge Gnabry dreht ab - sein Tor zum 4:1 bedeutete die Vorentscheidung zugunsten der Bayern.
Serge Gnabry dreht ab - sein Tor zum 4:1 bedeutete die Vorentscheidung zugunsten der Bayern.Foto: dpa

Neun Weiße standen da, die Köpfe gebeugt, keiner rührte sich, keiner sagte ein Wort. Nur Jonas Hofmann suchte noch seinen Platz in der taktischen Formation. Es dauerte ein wenig, bis das Spiel, das gerade erst wieder angepfiffen worden war, fortgesetzt werden konnte. In der Südkurve mussten die Roten noch ihren Treffer zum zwischenzeitlichen 3:1 feiern. Unmittelbar nach Beginn der zweiten Halbzeit hatte der FC Bayern durch das 14. Saisontor von Robert Lewandowski die letzten leisen Zweifel an seinem Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach weitgehend beseitigt. Am Ende siegten die Münchner im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga sogar mit 5:1 (2:1).

Es war für die Bayern der elfte Sieg aus den jüngsten zwölf Bundesligaspielen – und so etwas wie der letzte Beweis dafür, dass sie in Sachen Meisterschaft tatsächlich ernst machen. „Das Momentum ist auf unserer Seite“, sagte Thomas Müller. „Jetzt geht's wieder bei null los.“ Am Samstagabend rückten die Bayern Spitzenreiter Borussia Dortmund richtig auf die Pelle. Von zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung des BVB sind gerade noch zwei Tore geblieben. Was im Herbst undenkbar schien, wird jetzt immer wahrscheinlicher. „Aber wir müssen jetzt keine große Klappe haben“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. „Es ist noch nichts entschieden.“

Die Bayern haben elf der letzten zwölf Liga-Spiele gewonnen

Nach ihren zuletzt enttäuschenden Ergebnissen hatten die Gladbacher vor allem ihre mangelnde Chancenverwertung beklagt. Das mussten sie diesmal nicht. Bevor sie zum ersten Mal gefährlich vor das Tor der Bayern kamen, lagen sie bereits 0:2 zurück. Schon nach 35 Sekunden lief Lewandowski allein auf das Gladbacher Tor zu, scheiterte aber an Torhüter Yann Sommer. Es war allerdings nur ein kurzer Aufschub, der den Borussen gewährt wurde. Die Ecke, die unmittelbar auf Sommers Rettungstat folgte, führte zum 1:0 für die Gäste. Javi Martinez, die Wiederentdeckung der vergangenen Wochen, stand im Fünfmeterraum völlig frei und traf per Kopf zur Führung. Der Videoassistent untersuchte noch, ob der Spanier seinen Gegenspieler Nico Elvedi zuvor regelwidrig zu Fall gebracht hatte, erhob aber keine Einwände. „Das kann man auch anders entscheiden“, fand Borussias Torhüter Sommer.

Die Gladbacher wirkten in der Anfangsphase, als wären ihre Spieler nach dem Zufallsprinzip auf dem Parkplatz vor dem Stadion ausgewählt worden. „Das war naiv“, sagte Borussias Trainer Dieter Hecking. „So kann man nicht spielen. So kann man nicht verteidigen.“ Seine Mannschaft erlaubte es den Bayern, sich nahezu unbehelligt durch die Linien zu kombinieren – und hatte das Spiel eigentlich schon nach zehn Minuten verloren. Nach einer Flanke von Serge Gnabry scheiterte Thomas Müller im ersten Versuch noch an Sommer, stocherte den Ball dann aber im Nachsetzen über die Linie. „Wir haben das Spiel in den ersten 20 Minuten komplett verpennt“, sagte Sommer. „Wir waren einfach nicht da.“

Immerhin beschlossen die Gastgeber nach dem 0:2, nun doch seriös an der Begegnung teilzunehmen. Es entwickelte sich eine durchaus muntere Partie mit vielen Torgelegenheiten, was vor allem an den Offensivbemühungen beider Mannschaften lag – und weniger an ihren Defensivleistungen. Das galt auch für die Münchner, die Lars Stindl einmal, noch ohne Folgen, in ihrem Strafraum üben ließen, ehe Borussias Kapitän kurz darauf auf 1:2 verkürzte. Aber die Gladbacher ließen weiterhin viel zu viele Chancen zu und hatten es allein Torhüter Sommer zu verdanken, dass sie zur Pause noch nicht unrettbar zurücklagen.

Gladbach hat nach neun Heimsiegen in Folge jetzt drei mal zuhause verloren

Vor drei Wochen galten die Gladbacher noch als stiller Anwärter auf den Meistertitel, als möglicher lachender Dritter im Duell zwischen Bayern und Dortmund. Seitdem holten sie in vier Spielen einen Punkt und rutschten nun sogar auf Platz vier in der Tabelle ab. Vor allem von der einstigen Heimstärke ist nichts geblieben. In den ersten neun Heimspielen der Saison hatten die Gladbacher insgesamt drei Gegentore kassiert. In den folgenden drei waren es in jedem mindestens drei – und insgesamt elf. Die Bayern freuten sich über die erstaunliche Naivität der Borussen, über riesige Räume, die sich ihnen immer wieder wie von Geisterhand öffneten.

Die zweite Hälfte begann exakt wie die erste: Nach wenige Sekunden erlaubten die Gladbachern den Münchnern die erste Chance. James verpasste nach einem Konter mit einer 3:1-Überzahlsituation knapp das Tor. „Das sind Schläfrigkeiten, die du nicht erklären kannst“, sagte Hecking. Seine Mannschaft verlor gleich im Anschluss erneut den Ball im Mittelfeld und kassierte durch Lewandowski das 1:3. Wie in der ersten Halbzeit waren exakt 66 Sekunden gespielt. „Es war klar, dass es dann schwierig wird“, sagte Stindl.

Denn anders als im Herbst, als den Bayern selbst deutliche Vorsprünge nicht zum Sieg reichten, brachten sie die Angelegenheit mit weiteren Toren von Serge Gnabry und Robert Lewandowski (Foulelfmeter) diesmal seriös zu Ende. Für die Gladbacher war es ein weiterer heftiger Schlag im Kampf um einen Platz in der Champions League. Und war es von Bayerns Trainer Niko Kovac keineswegs übertrieben, als er sagte: „Die Höhe ist schon auch okay.“

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