Der DFB und Mesut Özil : Reinhard Grindel muss sich bewegen - oder gehen

Reinhard Grindel glaubt, dass er die Causa Mesut Özil aussitzen kann. Das wird ihm wohl kaum gelingen. Dabei schweigt nicht nur der DFB-Präsident. Ein Kommentar.

DFB-Präsident Reinhard Grindel (r) und Bundestrainer Joachim Löw stehen nach dem Rücktritt von Mesut Özil unter Erklärungsdruck.
DFB-Präsident Reinhard Grindel (r) und Bundestrainer Joachim Löw stehen nach dem Rücktritt von Mesut Özil unter Erklärungsdruck.Foto: Christian Charisius/dpa

Alle schauen auf Reinhard Grindel, den DFB-Präsidenten und das ist richtig so. Immerhin fühlt er sich so wichtig wie, ja, der Bundespräsident. Im Fall Özil muss Grindel sich bewegen – oder gehen.
Im Moment sieht es so aus, als werde er gehen müssen; denn die Methode Aussitzen, perfektioniert von Bundeskanzler Helmut Kohl selig, hat sich doch überholt. Selbst wenn Grindel noch aus der Zeit stammt, in der sie Erfolg verhieß. Alles hat(te) seine Zeit.

Auch Angela Merkels Methode Abwarten, die Grindel kennt, weil er als Hintersasse für ihre CDU im Bundestag war, ist nicht mehr der Weisheit letzter Schluss. Das weiß sie selbst – also sollte es auch der „Reinhard“ wissen. Zumal er so stolz darauf ist, die Bundeskanzlerin zu duzen. Heißt: Viel zu lange schon ist ein persönliches Wort ausgeblieben. Von Wertschätzung und Empathie ganz zu schweigen.

Und wo wir gerade vom Schweigen reden: Was macht eigentlich Joachim Löw? Außer Urlaub? Er schweigt. Auch das ist keine Methode, mit der er durchkommen sollte. Immerhin ist ein Bundestrainer so wichtig wie ein/e Bundeskanzler/in. Und man stelle sich vor, die Kanzlerin verlöre ihren Lieblingsminister, dann veröffentlicht nicht sie, sondern die Bundesregierung eine inhaltlich und von der Form her triste Erklärung – nur sie meldet sich nicht. Partout nicht. Urlaub halt. Nein, da gäb’s Pfiffe auf den Rängen, das würde Merkel kein Zuschauer durchgehen lassen. Warum dann Löw? Auch für ihn gilt: Zu lange ist ein persönliches Wort ausgeblieben.

Was sagt eigentlich der Mannschaftskapitän zu dem Ganzen?

Dabei ist Löw höchstpersönlich mit Özil verbunden. Sportlich, weil er sein Lieblingsspieler war; und außerdem über ihre Berater. Es wirkt wie in den Fällen, in denen Löw auf neue, überraschende Situationen reagieren muss. Am Spielfeldrand ist er Meister darin, nicht zu reagieren. Wie jetzt. Planabweichungen sind nicht vorgesehen. Jetzt steht Urlaub auf den Plan. Aber als Bundestrainer sind ihm die Spieler anvertraut. Er hat eine leitende Verantwortung für sie. Was Löw leitet, weiß keiner so ganz genau. Nur verantwortlich ist das in diesem Fall bestimmt nicht.

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Apropos Verantwortung: Was sagt eigentlich der Mannschaftskapitän zu dem Ganzen? Zu seinem Mitspieler, Mit-Weltmeister? Erst einmal nichts, lässt Manuel Neuer sein Management sagen. Da verschlägt es einem doch die Sprache. Ein Eigentor. Oder will jemand einen Videobeweis? Ach, das geht ja nicht; weil es auch kein Video mit Neuer gibt. Bleibt die Frage: Was ist eigentlich eine solche Binde wie die des Kapitäns wert? Auch dem, der sie trägt? Zur Zier gereicht sie ihm gerade nicht.

Drei Männer, die getreten werden müssten. Von denen, die es gut mit ihnen meinen. Wenn da noch welche übrig sind. So lange, wie das armselige Spiel schon läuft. Wenn sich Reinhard Grindel, Joachim Löw und Manuel Neuer nicht schnell bewegen, dann wird Özil ihr Fall. Es kann zurückgetreten werden.

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