Deutsche Nationalmannschaft : Über Berlin zum Klassenerhalt

Bundestrainer Joachim Löw bereitet seine Mannschaft in Berlin auf eine schwierige Mission vor. In der Nations League warten die Niederlande und Frankreich.

Guten Morgen, Berlin. Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag vor dem Einchecken im Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft in Berlin-Tiergarten.
Guten Morgen, Berlin. Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag vor dem Einchecken im Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft in...Foto: Jens Büttner / dpa / AFP

Um zehn Minuten vor elf stieg Joachim Löw aus dem schwarzen Kleinbus, der den Bundestrainer gestern Vormittag zum Mannschaftshotel in Berlin-Tiergarten gefahren hatte. Mit dabei hatte Löw Torwarttrainer Andreas Köpke. „Guten Morgen“, sagte der Bundestrainer beherzt, anschließend schrieb er vor dem Hotel ein paar Autogramme.

Knapp zwei Stunden später kam der Bundestrainer noch einmal vor die Tür, um ein paar Fragen der Journalisten zu beantworten. „Es sind für uns zwei wichtige Spiele in der Nations League“, sagte der 58-Jährige. Am Samstag spielt die deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam gegen Holland, drei Tage später in Paris gegen Frankreich. „Das sind zwei Fußballnationen, die gegen Deutschland immer hochmotiviert sind“, sagte Löw. Die Niederländer seien wieder auf dem Weg nach oben, und Frankreich ist amtierender Weltmeister. „Wir alle, Spieler wie Trainer, freuen uns auf diese Spiele“, sagte Löw. Dennoch sei man sich der Schwere der Aufgabe bewusst. „Wir sind zuversichtlich, wir haben alle Möglichkeiten, auch wenn ein paar Spieler abgesagt haben.“

Nach dem Dortmunder Marco Reus mussten auch der Leverkusener Kai Havertz und Antonio Rüdiger (Chelsea) für die Länderspiele absagen. Dafür kehrt Mittelfeldspieler Emre Can von Juventus Turin in den DFB-Kader zurück. „Die Ergebnisse werden richtungsweisend für das Abschneiden in unserer Nations-League-Gruppe sein“, sagte Löw. Im schlechtesten Fall droht seinem Team ein Abstieg in die europäische Zweitklassigkeit. Auf die Frage, ob er Abstiegskampf überhaupt kenne, antwortete Löw schmunzelnd. „Ja, das habe ich auch schon mitgemacht in meiner Zeit als Vereinstrainer.“

Viele Spieler sind nicht in Topverfassung

Nach dem Bundestrainer kamen die Spieler tröpfchenweise im Teamquartier an. Leroy Sané (Manchester City) folgte dicht auf den Bundestrainer. Dann erreichten Toni Kroos (Real Madrid) und Jonas Hector (1. FC Köln) das Hotel im Botschaftsviertel des Tiergartens. „Wir werden es konzentriert angehen, so wie im September auch“, sagte Löw.

Vor gut vier Wochen hatte die deutsche Mannschaft in München 0:0 gegen Frankreich gespielt. Doch anders als damals kommt der siebenköpfige Bayern-Block aus einer krisenhaften Situation. „Ich weiß schon, welche Qualitäten diese Spieler haben“, sagte Löw. „Es war in der Vergangenheit immer wieder mal so, dass Spieler im Verein nicht in der Topverfassung waren, bei der Nationalmannschaft dann trotzdem eine tolle Leistung gezeigt haben.“ Spieler wie Manuel Neuer, Mats Hummels oder Thomas Müller seien erfahren genug, mit solchen Situationen umzugehen. „Beim Nationalteam wollen wir da anknüpfen, wo wir im September angefangen, das war ein erster kleiner Schritt“, sagte der Bundestrainer.

Was die Einstellung betraf, habe sich die Mannschaft im ersten Spiel nach dem WM-Debakel gut präsentiert. „Das müssen wir fortführen“, sagte Löw, der die neugegründete Nations League für „eine gute Erfindung“ hält. „Wir spielen gegen Top-Nationen, es geht um was, es ist ein Wettbewerb. Das ist mir in der Phase lieber, als gegen die ganz Kleinen zu spielen.“

Am späten Dienstagnachmittag folgt dann eine öffentliche Trainingseinheit des deutschen Teams im Amateurstadion von Hertha BSC. „Wir wollen da nichts inszenieren, sondern wir wollen den Fans zeigen, dass wir auch richtig arbeiten vor solchen Spielen“, sagte Löw. Das wird auch nötig sein. Denn Holland hat seine sportliche Durststrecke überwunden. Löw warnte schon einmal: Holland habe in Ronald Koeman einen Trainer, der lange in Barcelona gespielt hat, man erkenne eine klare Handschrift. „Er legt viel Wert auf fußballerische Dinge“, sagte Löw, „die Mannschaft ist jung, sie spielt einen gepflegten und schnellen Fußball.“

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