• Duell um die Meisterschaft gegen den BVB: FC Bayern: "Das Momentum liegt auf unserer Seite"

Duell um die Meisterschaft gegen den BVB : FC Bayern: "Das Momentum liegt auf unserer Seite"

Der FC Bayern macht mit dem 5:1 in Mönchengladbach Druck auf Borussia Dortmund und hat nur noch zwei Tore Rückstand.

Der letzte Schrei. Joshua Kimmich ist mit dem FC Bayern wieder dran am BVB.
Der letzte Schrei. Joshua Kimmich ist mit dem FC Bayern wieder dran am BVB.Foto: REUTERS/Thilo Schmuelgen

Nach elf Minuten musste man sich wirklich Sorgen machen um die Borussia. Der FC Bayern hatte in Mönchengladbach soeben das 2:0 erzielt und stürmte gegen einen hilflosen Gegner weiter an. In grauer Vorzeit, vor ziemlich genau 40 Jahren, hatten die Münchner am Bökelberg mal 7:1 gewonnen und zwischenzeitlich war nicht auszuschließen, dass diese Marke am Samstag übertroffen wird.

Das wurde sicher auch bei der anderen Borussia, der aus Dortmund, mit Sorge verfolgt. Einen Sieg mit sechs oder sieben Toren Unterschied hätten die Bayern gebraucht, um zum ersten Mal seit dem fünften Spieltag die Tabellenführung zu übernehmen. Dazu reichte es nicht ganz – von den zwischenzeitlich neun Punkten und zwölf Treffern Vorsprung des BVB sind nach dem beeindruckenden 5:1 der Münchner aber nur noch zwei mickrige Törchen übrig. „Die Jagd ist die ganze Zeit schon eröffnet, aber jetzt ist die Uhr wieder auf null gestellt“, sagte Thomas Müller, der bei seinem ersten Startelfeinsatz seit einem Monat mit einem Tor und vielen guten Aktionen überzeugte. Kurz bevor der Nationalspieler aus der Mixed-Zone schritt, huschte ihm noch ein schelmisches Müller-Lächeln über das Gesicht: „Das Momentum liegt auf unserer Seite.“

Die Zahlen geben Müller recht. Elf der letzten zwölf Bundesliga-Spiele haben die Bayern gewonnen. Nachdem die Titelverteidigung im Herbst schon unmöglich und die Tage von Niko Kovac als Trainer gezählt schienen, spielt das Team mittlerweile wieder mit dem gewohnten Selbstverständnis. „Wir sind mit breiter Brust aufgetreten und waren sehr dominant“, sagte Manuel Neuer. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der an das 7:1 aus dem Jahr 1979 nicht nur aufgrund seiner drei Treffer noch gute Erinnerungen hat, ergänzte: „Dass man hier 5:1 gewinnt, ist nicht so oft der Fall.“

Seit der BVB zu wackeln begonnen hat, wirken die Münchner noch entschlossener. „Wir waren bisher abhängig von den Ergebnissen der Dortmunder, die gerade Pech und Verletzungen haben, wie wir das auch schon hatten“, sagte Müller und freute sich sichtlich, dass dies nicht mehr so ist. Das direkte Duell findet in einem Monat in München statt. So wie die Formkurven momentan aussehen, ist ein Wechsel an der Tabellenspitze aber schon an den nächsten drei Spieltagen nicht unwahrscheinlich.

Lothar Matthäus diktierte den umstehenden Journalisten noch weit nach Spielschluss seine Meinung zum Meisterschaftskampf in die Mikrofone. „Die Qualität, die sie haben, auch auf diesem hohen Niveau, ist schon beeindruckend“, sagte der TV-Experte. „Die Bayern sind zurück. Nicht nur wegen ihrer starken Leistung, sondern auch wegen der Schwäche von Borussia Dortmund.“

Eben diese Dortmunder haben von den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen nur eines gewonnen, sind zudem im Pokal ausgeschieden und haben im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League krachend mit 0:3 in Tottenham verloren. Kurzum: Die Formkurve des Teams von Lucien Favre zeigt in diesem Jahr deutlich nach unten. Was allerdings nicht völlig unerwartet kommt. Die Mannschaft ist noch sehr jung, vor der Saison hatten überhaupt wenige erwartet, ins Meisterschaftsrennen eingreifen zu können.

Die Abwehrkette in Augsburg – mit Abdou Diallo, Dan-Axel Zagadou, Abwehrchef Manuel Akanji und Achraf Hakimi – war im Durchschnitt 21 Jahre alt. In der Offensive ist Leistungsträger Jadon Sancho gerade einmal 18. Wenn dann erfahrene Profis wie Marco Reus einige Spiele ausfallen, kann der Tabellenführer das hohe Niveau nicht halten. Der Kapitän ist mittlerweile wieder fit und noch hat der BVB zwei Tore Vorsprung. Das Momentum, da kann man Thomas Müller allerdings nicht widersprechen, liegt nun auf Münchner Seite.

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