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Ein wegweisendes Jahr für Hertha BSC: Wer’s jetzt nicht kapiert, kapiert es nimmer mehr
Im Sommer sind Berlins Fußballer nur schwer in die Zweitligasaison gekommen. Das können sie sich in der Rückrunde nicht erlauben, wenn sie ihr Ziel verwirklichen wollen.

Stand:
Kurz vor dem Jahreswechsel hat Peter Görlich bei einigen Fans von Hertha BSC einen Anfall von Schnappatmung ausgelöst. Der Geschäftsführer des Vereins war vom RBB gefragt worden, wo er seinen Arbeitgeber in fünf Jahren sehe. „Ich sehe Hertha als soliden Bundesligisten, der auch immer wieder an europäische Wettbewerbe anklopft“, hat Görlich geantwortet.
Auf solche Aussagen reagieren die Anhänger des Klubs mit Anflügen von Panik – weil sie in jüngerer Vergangenheit viele schmerzhafte Erfahrungen mit großspurigen Ankündigungen gemacht haben: Je höher die Ziele bei Hertha, desto tiefer der Sturz.
Dabei ist das Vorhaben, ein solider Bundesligist zu werden, für einen Klub wie Hertha BSC bei nüchterner Betrachtung alles andere als vermessen. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Das Problem ist nur: Um ein solider Bundesligist zu werden, müsste man erst einmal in der Bundesliga spielen. Daran – nun ja – hapert es bei Hertha im Moment noch.
Die Berliner, von 2013 bis 2023 ein weitgehend solider Bundesligist, der hin und wieder sogar an europäische Wettbewerbe angeklopft hat, spielen seit inzwischen zweieinhalb Jahren in der Zweiten Liga. Und dass sich das im Sommer ändert, ist keineswegs abgemacht.
Hertha startet Mitte Januar von Platz sechs in die Rückrunde – mit fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und sechs Punkten auf Rang zwei. Der Aufstieg, zu dem sich der Klub vor der Saison klar und deutlich bekannt hat, ist also weiterhin möglich.
Und das, obwohl die Mannschaft in den letzten drei Spielen des Jahres 2025 eine deutlich bessere Ausgangslage auf fast schon fahrlässige Weise verspielt hat. Aber wie hat der große holländische Fußballphilosoph Johan Cruyff gesagt? Jeder Nachteil hat seinen Vorteil.
Herthas Vorteil ist, dass jetzt jeder wissen sollte, worum es geht; dass der Mannschaft klar sein muss, dass sie sich keinen bedächtigen Start ins neue Jahr leisten kann (den hatte sie schon im Sommer zu Beginn der Saison). Die Ergebnisdelle am Ende der Hinrunde sollte allen bei Hertha noch einmal die Sinne geschärft haben.
Oder anders ausgedrückt: Wer es jetzt nicht kapiert hat, der kapiert es nimmer mehr.
2026 kann – auch dank der immer noch vorhandenen Chance im DFB-Pokal – für Hertha ein wegweisendes Jahr werden. Für welche Abzweigung sich der Klub entscheidet, wird sich vermutlich schon recht schnell herausstellen. An den ersten sechs Spieltagen der Rückrunde spielen die Berliner gegen alle fünf Teams, die in der Tabelle vor ihnen liegen.
Wer aufsteigen will, braucht – unter anderem – starke Nerven. Wie stabil Hertha ist, das kann die Mannschaft jetzt mal zeigen. Nein: Das muss sie jetzt zeigen!
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