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Trainer Thomas Häßler ist mit dem BFC Preussen in die Berlin-Liga aufgestiegen.
© IMAGO/Matthias Koch

Berlins höchste Fußball-Liga startet in die neue Saison: Ein Weltmeister, die Dorfkirche und 233 Gegentore

Preussen und der SCC eröffnen am Freitagabend die Spielzeit. Ein Ausblick auf die Saison sowie interessante Fakten und kuriose Geschichten aus 30 Jahren.

Die Berlin-Liga (6. Liga) startet an diesem Freitag mit dem Spiel des BFC Preussen gegen den SC Charlottenburg (18.30 Uhr, Malteserstraße) in ihre neue Saison. Vor dem Start blicken wir auf die aktuelle Spielzeit sowie interessante Fakten und kuriose Geschichten aus 30 Jahren in Berlins höchster Fußball-Spielklasse.

Die Anfänge

In der Saison 1949/50 spielten Mannschaften aus West- und Ost-Berlin letztmals für über vier Jahrzehnte in der obersten Liga der Stadt zusammen. 1992/93 traten Teams aus beiden Teilen Berlins erstmals wieder zusammen in der höchsten Liga der Stadt an, der neu geschaffenen Verbandsliga. Seit 2008 heißt sie Berlin-Liga.

Die Favoriten

Die Spitzenteams der vorigen Saison gelten mit Ausnahme des in die Oberliga aufgestiegenen Meisters TuS Makkabi auch diesmal als Favoriten. Vor allem die Füchse Berlin, die sich mit Spielern aus der Regional- und Oberliga verstärkt haben. Aber auch mit dem Frohnauer SC, Sparta Lichtenberg und Oberliga-Absteiger Stern 1900 ist vorn zu rechnen.

Und der Berliner SC zeigt viel Selbstbewusstsein, im Sonderheft der „Fußball-Woche“ hat sich der BSC als Titelkandidat Nummer eins getippt. Na dann, auf eine spannende Saison!

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Die Legende

Der größte Name der Liga ist am Spielfeldrand zu finden. Thomas Häßler ist gebürtiger Berliner. Er war Weltmeister 1990 sowie Europameister 1996 und zweimal Fußballer des Jahres in Deutschland. Häßler, 56, trainiert den BFC Preussen. Auch im Kader des Aufsteigers finden sich interessante Namen: Neu ist etwa der 33 Jahre alte Christoph Menz, der für den 1. FC Union und Dynamo Dresden in der Zweiten Liga gespielt hat. Für Häßlers Truppe sollte deutlich mehr drin sein als nur der Kampf um den Klassenerhalt. Preussen ist übrigens das einzige Team, das als Berlin-Ligist den Pokal gewonnen hat, 2016 gegen Lichtenberg 47.

Die Stadionperlen

Gespielt wird beispielsweise im Mommsenstadion (SCC) und im Volkspark Mariendorf (TSV Mariendorf 97) mit seiner großen überdachten Stehtribüne. Oder auf dem Wackerplatz (Füchse), der offiziell mittlerweile sehr nüchtern Sportplatz Kienhorststraße heißt und in den 70er Jahren Zweitliga-Fußball mit Wacker 04 gesehen hat. Dann gibt es auch noch den Sportplatz von Stern Marienfelde, der den wohl schönsten Namen der Liga trägt: An der Dorfkirche. Diese wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Die Dorfkirche in Marienfelde, ganz in der Nähe des Sportplatzes von Stern Marienfelde.
Die Dorfkirche in Marienfelde, ganz in der Nähe des Sportplatzes von Stern Marienfelde.
© imago images / Schöning

Die Geografie

In Berlin sind die Wege zu Auswärtsspielen naturgemäß kürzer als in anderen Bundesländern. Aber auch hier kommen einige Kilometer zusammen, geht es doch in drei Himmelsrichtungen fast bis an die Stadtgrenze, ehe der Platz erreicht ist: beim Frohnauer SC im Norden, Aufsteiger Lichtenrader BC im Süden und den Spandauer Kickers im Westen.

Die Prominenz

77 Teams spielten bislang in der Liga. Tabellenführer in der Ewigen Tabelle ist der TSV Rudow, Letzter der 1. FC Schöneberg (in den 60er Jahren der erste Verein von Pierre Littbarski). Dazwischen finden sich große Namen, die mindestens eine Spielzeit dabei waren: Die ehemaligen Bundesligisten SV Tasmania (früher Tasmania 1900), Blau-Weiß 90 und Tennis Borussia, die Ex-Zweitligisten SCC, Wacker und Spandauer SV, DDR-Rekordmeister BFC Dynamo oder Germania 88, der älteste noch existierende Fußballklub Deutschlands.

Der Doppelmeister

Auch der 1. FC Union taucht in der Liste auf. Union war mit der zweiten Mannschaft vertreten, die es nicht mehr gibt. Mit erster und zweiter Mannschaft spielten der BFC und Tennis Borussia in der Liga. TeBe schaffte es, mit beiden Teams Meister zu werden (1998 und 2015).

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Der Dauerbrenner

Von 1992 bis 2008 war der BFC Alemannia 90 Stammgast – und hielt sich damit so lange wie kein anderes Gründungsmitglied. Inzwischen spielt Alemannia in der Kreisliga B, ist aber immer noch auf Platz acht in der Ewigen Tabelle gelistet. Aktuell sind drei Vereine aus der Premierensaison in der Liga: Frohnau, Preussen und der 1. FC Wilmersdorf. Die erste Saison hatte es in sich: Meister Frohnau war punktgleich mit Wilmersdorf. Zwischen Frohnau und Schlusslicht SSC Teutonia auf dem 16. Rang lagen nur 16 Zähler (für einen Sieg gab es zwei Punkte).

Der Koeffizient

Am 8. März 2020 verlor Sparta Lichtenberg die Tabellenführung an Stern 1900. Sparta hatte ein Spiel weniger, und die Saison war noch lang. Dann kam Corona. Folge: erst Unterbrechung, später Abbruch. Über den Aufstieg entschied nach einer Mehrheitsentscheidung der Vereine der Punktekoeffizient – Sparta 2,33, Stern 2,36. Den Lichtenbergern fehlten also 0,03 Punkte für die Oberliga.

Der Absturz

Club Italia hatte große Ziele mit Gastronom Florian Sinnig, der Präsident des Vereins war. 2012/13 standen in der einzigen Berlin-Liga-Saison aber nur sechs Punkte und 26:233 Tore zu Buche, Negativrekord bis heute. Einige Jahre später wurde aus Club Italia dann Berlin United. Die Ziele waren noch höher: Eigenes Stadion, Nachwuchsleistungszentrum, langfristig Champions League (!). Das waren selbst für diese Stadt, in der schon einige Fußball-Luftschlösser gebaut worden sind, ungewöhnliche Ambitionen.

Trainer Häßler schaffte mit dem Team den Aufstieg in Berlins höchste Liga – und musste danach gehen. Die erste Saison endete auf Rang vier, danach zog sich Präsident und Immobilienunternehmer Stefan Teichmann zurück. Nach null Punkten aus sechs Spielen (5:37 Tore) folgte im Herbst 2020 die Abmeldung vom Spielbetrieb.

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